Syphilis-Test: TPPA und VDRL im Befund richtig lesen
Ein TPPA bleibt nach durchgemachter Syphilis meist lebenslang positiv. Erst der VDRL-Titer zeigt, ob die Infektion heute noch behandelt werden muss.
Die Syphilis-Serologie ist eine Blutuntersuchung auf Antikörper gegen Treponema pallidum, den Erreger der Syphilis (auch Lues). Auf dem Befund stehen meist mehrere Tests nebeneinander – TPPA oder TPHA, ein Bestätigungstest und ein VDRL- oder RPR-Titer –, und genau das verunsichert. Der wichtigste Satz vorweg: Ein positiver TPPA allein bedeutet nicht, dass Sie heute krank sind. Die treponemenspezifischen Antikörper „persistieren meist lebenslang“, und mit ihnen ist „eine Unterscheidung zwischen einer aktiven behandlungsbedürftigen und einer zurückliegenden bzw. behandelten Infektion nicht möglich“ – so die deutsche S2k-Leitlinie.1 Die Syphilis gehört zu den infektiologischen Serologien.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Diagnostik läuft in drei Stufen: Suchtest (TPPA/TPHA oder Immunoassay) → Bestätigungstest mit anderem Antigenkonzept → Aktivitätsmarker.12
- Der Suchtest wird 2–3 Wochen nach der Infektion positiv und bleibt es in den meisten Fällen lebenslang – auch nach vollständiger Heilung.2
- Die Aktivitätsparameter sind laut Leitlinie zwei: Cardiolipin-Antikörper (VDRL/RPR) und treponemenspezifisches IgM. Sie unterscheiden eine Seronarbe von einer behandlungsbedürftigen Syphilis.1
- ⚠️ Bei sehr hohen Titern kann ein VDRL/RPR durch das Prozonenphänomen falsch negativ ausfallen – deshalb wird quantitativ in mehreren Verdünnungen getestet.1
- Die Lues-Suchreaktion (LSR) ist Teil der deutschen Mutterschaftsvorsorge; im Mutterpass wird nur die Durchführung, nicht das Ergebnis dokumentiert.3
- Die Syphilis ist in allen Krankheitsstadien mit Antibiotika behandelbar; Penicillin ist das Mittel der Wahl, eine Resistenz ist bislang nicht bekannt.12
- 2024 wurden dem RKI 9.519 Syphilis-Fälle gemeldet – ein neuer Höchststand.4
Was der Test misst – und was er nicht misst
Gesucht wird nicht der Erreger, sondern die Antwort Ihres Immunsystems darauf. Dabei gibt es zwei völlig verschiedene Antikörperarten – ihr Unterschied ist der Schlüssel zum ganzen Befund:2
| Treponemenspezifische Tests | Nicht-treponemenspezifische Tests | |
|---|---|---|
| Beispiele | TPPA, TPHA, TPLA, CLIA/EIA, FTA-Abs, Immunoblot | VDRL, RPR (Cardiolipin-Tests) |
| Richten sich gegen | Eiweiße des Erregers | Lipoid (Cardiolipin) aus zerfallendem Gewebe |
| Aussage | Kontakt mit dem Erreger – irgendwann | Entzündungsaktivität, als Titer |
| Nach Heilung | bleiben meist lebenslang positiv | Titer sinkt |
Der Cardiolipin-Befund ist „nicht beweisend für eine Treponemen-Infektion“, gilt aber als „wichtiger und bewährter Marker der Entzündungsaktivität“.1 Deshalb braucht es beide Familien – keine allein reicht.
Die dreistufige Diagnostik in Deutschland
Die S2k-Leitlinie der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG) legt die Reihenfolge fest, jeweils mit starkem Konsens der Leitliniengruppe:1
Stufe 1 – Suchtest. „Bei klinischem Verdacht oder zum Ausschluss einer Syphilis soll zunächst ein erregerspezifischer Suchtest durchgeführt werden. Geeignet hierfür sind TPPA, TPHA, TPLA oder andere polyvalente Immunoassays.“ Ist er negativ, entfallen weitere Tests.2
Stufe 2 – Bestätigungstest. Ist der Suchtest reaktiv, folgt ein Bestätigungstest mit einem alternativen Antigenkonzept: FTA-Abs, IgM/IgG-ELISA, Westernblot – bei TPPA/TPHA-Screening auch ein polyvalenter Immunoassay und umgekehrt. Zweck: einen technisch falsch positiven Suchtest ausschließen.
Stufe 3 – Aktivitätsmarker. „Bei positivem Bestätigungstest soll zur Unterscheidung einer Seronarbe von einer behandlungsbedürftigen Syphilis eine quantitative Bestimmung der Aktivitätsparameter (Cardiolipin-Antikörper, treponemenspezifisches IgM) durchgeführt werden.“
Diese Dreiteilung steht sogar im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung: Der EBM kennt getrennte Ziffern für den Suchtest (32566), den Bestätigungstest per Immunoblot oder FTA-Abs (32568), die quantitative Immunglobulinbestimmung nach positivem Suchtest (32567) – und den Cardiolipin-Flockungstest ausdrücklich „nur bei nachgewiesener Infektion“ (32565).5 Auch das IQWiG beschreibt es so: Suchtest, Überprüfung mit einem anderen Verfahren, dann „eine dritte Untersuchung derselben Blutprobe … Sie zeigt, ob die Infektion behandelt werden muss oder schon ausgeheilt ist“.6
Weil sich Testsysteme methodisch unterscheiden, empfiehlt das RKI, Erstbefund und Verlaufskontrollen im selben Labor durchführen zu lassen.2
Seronarbe oder aktive Infektion?
Nach einer behandelten Syphilis bleibt der TPPA positiv. Für immer. Dieser Zustand heißt Seronarbe (auch Serumnarbe): serologische Spur einer überstandenen Infektion, kein Krankheitszeichen. Das RKI schließt solche Befunde folgerichtig sogar aus der Meldestatistik aus.1
| Suchtest | Bestätigung | VDRL/RPR + IgM | Übliche Einordnung |
|---|---|---|---|
| negativ | – | – | keine Infektion, oder zu früh getestet |
| positiv | positiv | beide negativ | Seronarbe – durchgemachte, meist behandelte Infektion |
| positiv | positiv | positiv | Hinweis auf Behandlungsbedürftigkeit2 |
| positiv | negativ | – | Verdacht auf falsch positiven Suchtest, Kontrolle |
Bei unbehandelten Personen gelten ein positiver Lipoidantikörper- und/oder IgM-Befund als Hinweis auf Behandlungsbedürftigkeit.2 Titer über 1:4 sind in der Regel spezifisch, im Sekundärstadium liegen sie meist über 1:8.21
Wichtig für die Erwartungshaltung: Der Titer sinkt nicht immer auf null. In bis zu 20 % der Fälle persistieren Lipoidantikörper trotz ausreichender Therapie – international Serofast-Zustand genannt.17 Kein Therapieversagen, sondern eine bekannte Verlaufsform, die ärztlich beobachtet wird.
Zu früh getestet, falsch negativ, falsch positiv
Das diagnostische Fenster. Treponemenspezifische Antikörper werden erst etwa 6–14 Tage nach Erscheinen der Primärläsion nachweisbar, Cardiolipin-Antikörper erst 4–6 Wochen nach der Infektion.1 Das IQWiG rät deshalb zu mindestens drei Wochen Abstand zwischen möglicher Ansteckung und Test.6 Sicher ausschließen lässt sich eine primäre Syphilis bei eindeutig negativen Ergebnissen laut RKI erst nach 8–10 Wochen.2 Im frühen Primärstadium sind bis zu 30 % der VDRL/RPR-Befunde falsch negativ, während spezifische Antikörper schon nachweisbar sind.1
Das Prozonenphänomen. Paradoxerweise kann gerade ein sehr hoher Antikörpertiter zu einem falsch negativen VDRL/RPR führen: Bei ungünstigem Antigen-Antikörper-Verhältnis bleibt die Präzipitationsreaktion aus. Die Leitlinie zieht daraus eine praktische Konsequenz – diese Tests sollen „grundsätzlich quantitativ, i.d.R. in den Serumverdünnungen von 1:2 bis 1:128“ angesetzt werden, mindestens aber in zwei Verdünnungen.1 Ein einzelner unverdünnter Ansatz genügt also nicht.
Biologisch falsch positive Befunde (BFP). Reaktive Cardiolipin-Tests ohne Syphilis sind gut beschrieben. Die Leitlinie unterscheidet akute BFP (unter 6 Monate; etwa bei infektiöser Mononukleose, Varizellen, Masern, Malaria, Mumps) und chronische BFP (über 6 Monate; bei Autoimmunerkrankungen, Tuberkulose, chronisch entzündlichen Prozessen, Malignomen und Lebererkrankungen). Auch fortgeschrittenes Lebensalter, Schwangerschaft, Drogenkonsum, Schutzimpfungen und eine HIV-Infektion können falsch positive Resultate verursachen.1 Genau dafür ist die Stufenlogik da: Der treponemenspezifische Test korrigiert den unspezifischen. Erwähnen Sie eine Schwangerschaft, eine Autoimmunerkrankung oder eine kürzliche Impfung – das ändert die Bewertung.
Begleitend auffällige Entzündungswerte wie CRP oder BSG sind bei der Syphilis unspezifisch; in der Eiweißelektrophorese können bei chronischen Infektionen die Globuline ansteigen. Ein großes Blutbild mit Leukozyten und Leberwerten gehört oft zur Abklärung dazu, beweist aber nichts.
Die Lues-Suchreaktion in der Schwangerschaft
Die Mutterschafts-Richtlinie des G-BA ist hier eindeutig. Bei jeder Schwangeren soll „zu einem möglichst frühen Zeitpunkt aus einer Blutprobe der TPHA … oder ELISA oder TPPA … als Lues-Suchreaktion (LSR) durchgeführt werden“; ist sie positiv, folgen „aus derselben Blutprobe die üblichen serologischen Untersuchungen auf Lues“. Und: „Bei der Lues-Suchreaktion ist lediglich die Durchführung und nicht das Ergebnis der Untersuchung im Mutterpass zu dokumentieren.“3 Im Mutterpass steht also ein Häkchen mit Datum – bewusst kein Befund; dasselbe gilt für den HIV-Test.3 Abgerechnet wird die LSR als Kassenleistung über die EBM-Ziffer 01800.5
Der Grund für dieses Screening ist die konnatale Syphilis. Eine Übertragung auf das ungeborene Kind ist in jedem Schwangerschafts- und Krankheitsstadium möglich; infiziert sich die Mutter während der Schwangerschaft, beträgt die Übertragungsrate bis zu 100 %, und ohne Therapie kommt es in etwa 30–40 % der Fälle zu Fehl- oder Totgeburt oder zum Tod kurz nach der Geburt.2 Behandelt ist all das vermeidbar: „Der Lues connata kann durch Screening im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge wirksam vorgebeugt werden.“2 In Deutschland lagen die gemeldeten Fälle von 2001 bis 2022 zwischen einem und sieben pro Jahr; 2023 waren es vier, 2024 acht.4
Meldepflicht: warum Ihr Name das RKI nie erreicht
Nach § 7 Abs. 3 IfSG ist der Nachweis von Treponema pallidum nichtnamentlich an das Robert Koch-Institut zu melden, spätestens zwei Wochen nach Kenntnis.82 Was diese Meldung enthalten darf, steht abschließend in § 10 Abs. 2 IfSG: Geschlecht, Monat und Jahr der Geburt, die ersten drei Ziffern der Postleitzahl, Untersuchungsbefund, Monat und Jahr der Diagnose, Material, Nachweismethode und wahrscheinlicher Infektionsweg.8 Kein Name, kein Geburtsdatum, keine Adresse – anders als bei HIV ist für die Syphilis nicht einmal eine fallbezogene Pseudonymisierung vorgesehen.8 Das IQWiG formuliert es so: „der Name der infizierten Person [wird] nicht weitergegeben, die Meldung ist also anonym“.6 Sie dient der Epidemiologie – nicht der Kontrolle einzelner Menschen.
Syphilis in Deutschland: die Zahlen des RKI
Aus dem Epidemiologischen Bulletin 39/2025, Meldestand 1.4.2025:4
- 2024: 9.519 gemeldete Fälle – ein neuer Höchststand. 2023 waren es 9.159 (+3,9 % im Jahr 2024, +9,6 % im Jahr 2023).
- Bundesweite Inzidenz 2024: 11,2 Fälle je 100.000 Einwohner (2023: 10,8; Median der fünf Vorjahre: 9,5).
- Große regionale Unterschiede: Berlin 35,7 und Hamburg 30,3 je 100.000, Brandenburg 4,5.
- Frauenanteil 2024: 7,6 %. Die Inzidenz lag bei Männern mit 20,8 je 100.000 rund zwölfmal höher als bei Frauen (1,7).
- Bei den Fällen mit Angabe zum Infektionsweg: 82,0 % MSM, 17,9 % heterosexuell, 0,1 % konnatal.
Der Anstieg ist kein deutsches Phänomen: Eine Joinpoint-Analyse der ECDC-Daten für die EU/EWR fand nach 2021 eine deutliche Beschleunigung der Meldungen und seit 2016 parallel steigende Raten konnataler Syphilis.9 Das ist ein Argument für frühe Tests – nicht für Alarm.
Behandlung, Verlaufskontrolle und Partner
Die Syphilis ist heilbar, auch in späten Stadien: „Penicillin ist das Mittel der Wahl zur Behandlung der Syphilis in allen Krankheitsstadien“, und eine Resistenz von Treponema pallidum ist bislang nicht bekannt.1210 Welches Präparat und welche Dauer – das entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt anhand des Stadiums. Bereits eingetretene Organschäden lassen sich allerdings nicht rückgängig machen.11
Kontrolliert wird danach über den Titer, nicht über eine Wiederholung der Bestätigungstests – die wären „unnötig“.1 Als Ausgangswert dient ein Befund 3–4 Wochen nach Therapiebeginn, weitere Kontrollen folgen nach 3, 6 und 12 Monaten.1 Ein vierfacher Titerabfall (zwei Verdünnungsstufen) binnen eines Jahres gilt nach Erstinfektion im Primär- oder Sekundärstadium als Hinweis auf eine adäquate Therapie; nach spätlatenter Infektion kann er Jahre dauern.21
Die Benachrichtigung und Behandlung von Sexualpartnern gehört zur Versorgung: Sie unterbricht Infektionsketten und verhindert gegenseitige Neuansteckung. Das RKI nennt die Partner der vergangenen 3 Monate bei primärer und bis zu 12 Monaten bei sekundärer oder frühlatenter Syphilis. Diese Maßnahmen sind freiwillig, und es gibt digitale Wege, dabei anonym zu bleiben.2 Empfohlen wird außerdem eine vollständige STI-Diagnostik einschließlich HIV-Test; auch Hepatitis B und Hepatitis C werden häufig mitgetestet.2
Wo Sie sich testen lassen können – und wer zahlt
Ein Syphilis-Test ist in Hausarztpraxen und in Facharztpraxen für Dermatologie, Urologie und Gynäkologie möglich, außerdem in Gesundheitsämtern und Checkpoints der Aidshilfen.6 Die Krankenversicherung übernimmt die Kosten in der Regel, wenn Anzeichen einer Infektion bestehen oder bei einer Partnerin oder einem Partner bereits eine STI festgestellt wurde.11
⚠️ Ein verbreitetes Missverständnis: Bei Gesundheitsämtern und Checkpoints können Sie anonym bleiben und werden zusätzlich beraten – kostenlos ist das dort aber meist nicht. Der Test muss laut IQWiG meist selbst bezahlt werden, bei Checkpoints üblicherweise 10 bis 25 Euro; Einsendetests für zu Hause kosten etwa 50 bis 60 Euro.6 Bei erhöhtem Ansteckungsrisiko empfehlen Fachleute regelmäßige Tests, etwa alle drei Monate – unter einer HIV-Präexpositionsprophylaxe ist das leitliniengemäß und über eine eigene EBM-Ziffer abgedeckt.625
Neues aus der Forschung
- Algorithmen bleiben Standard, erzeugen aber Diskordanzen. Eine Übersicht von 2025 hält fest, dass Kombinationen aus treponemenspezifischen und nicht-treponemenspezifischen Tests weiterhin der Versorgungsstandard sind, während NAAT- und Schnelltestverfahren Chancen mit bekannten Grenzen bieten.12 Eine Laborstudie von 2026 verglich zwei Reverse-Sequence-Algorithmen an 82 reaktiven Proben: hohe Übereinstimmung (96,3 %), aber einzelne diskordante Muster, die sich im Verlauf als frühe aktive Syphilis herausstellten – ein widersprüchlicher Befund verdient eine Kontrolle, keine schnelle Schlussfolgerung.13
- Serofast wird schärfer definiert. Eine Übersicht von 2025 beschreibt den Serofast-Zustand als unzureichenden Titerabfall nach 6–12 Monaten (Frühsyphilis) bzw. 12–24 Monaten (Spätsyphilis) bei abgeklungenen Symptomen.7
- Schnelltests: gute Sensitivität, exzellente Spezifität. Eine Metaanalyse aus neun Studien mit 9.666 Teilnehmenden ermittelte für Point-of-Care-Tests eine mittlere Sensitivität von 0,86 und eine Spezifität von 0,98 – gut für niedrigschwellige Angebote, kein Ersatz fürs Labor.14
Diese Ergebnisse betreffen Diagnostik und Forschung. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen das ärztliche Gespräch nicht.
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Häufige Fragen
Mein TPPA ist positiv – habe ich Syphilis? Nicht zwangsläufig. Der Suchtest bleibt nach einer Infektion meist lebenslang positiv, auch nach erfolgreicher Behandlung. Ob eine Behandlung nötig ist, zeigen erst die Aktivitätsparameter: Cardiolipin-Antikörper (VDRL/RPR) und treponemenspezifisches IgM.1
Was bedeutet „Seronarbe“ auf meinem Befund? Dass Sie irgendwann Kontakt mit dem Erreger hatten und die Infektion nicht mehr aktiv ist – die Antikörper sind die Spur, nicht die Krankheit. Solche Befunde werden vom RKI nicht einmal als Fall gezählt.1
Was sagt der VDRL-Titer aus? Er ist der Verlaufsparameter. Ein hoher Titer spricht für Aktivität; ein Abfall um zwei Verdünnungsstufen (vierfach) binnen eines Jahres gilt nach Erstinfektion als Hinweis auf eine erfolgreiche Behandlung.2
Wie lange nach einem Risikokontakt sollte ich warten? Mindestens drei Wochen bis zum Test.6 Sicher ausschließen lässt sich eine primäre Syphilis bei negativen Befunden erst nach 8–10 Wochen.2
Kann der Test falsch positiv oder falsch negativ sein? Beides. Schwangerschaft, Autoimmunerkrankungen, andere Infektionen, Impfungen und höheres Lebensalter verursachen biologisch falsch positive Cardiolipin-Befunde – der treponemenspezifische Test korrigiert sie. Umgekehrt kann ein sehr hoher Titer über das Prozonenphänomen falsch negativ wirken; deshalb wird in mehreren Verdünnungen getestet.1
Ist Syphilis heilbar? Ja, in allen Stadien. Penicillin ist das Mittel der Wahl, eine Resistenz ist nicht bekannt. Bereits entstandene Organschäden bleiben allerdings bestehen – ein Grund, früh zu testen.111
Steht das Ergebnis im Mutterpass? Nein. Dokumentiert wird nur die Durchführung der Lues-Suchreaktion, nicht das Ergebnis – so schreibt es die Mutterschafts-Richtlinie vor.3
Erfährt jemand von meinem positiven Befund? Die Meldung an das RKI ist gesetzlich vorgeschrieben, aber nichtnamentlich: übermittelt werden unter anderem Geschlecht, Geburtsmonat und -jahr sowie die ersten drei Ziffern der Postleitzahl – kein Name.8
Kann ich mich anonym testen lassen? Ja, bei vielen Gesundheitsämtern und Checkpoints der Aidshilfen, meist mit Beratung. Rechnen Sie dort in der Regel mit Selbstzahlung.611
Zum Mitnehmen
Ein Syphilis-Befund liest sich in drei Stufen: Der Suchtest (TPPA/TPHA oder Immunoassay) sagt, ob Sie je Kontakt mit Treponema pallidum hatten – und bleibt danach meist lebenslang positiv. Der Bestätigungstest schließt einen technischen Fehlalarm aus. Erst die Aktivitätsparameter – VDRL/RPR-Titer und treponemenspezifisches IgM – trennen die harmlose Seronarbe von einer behandlungsbedürftigen Infektion.1 Ein positiver TPPA allein ist also keine Diagnose. Die Syphilis ist in Deutschland auf einem gemeldeten Höchststand (9.519 Fälle im Jahr 2024) und zugleich in jedem Stadium behandelbar.41 Erst das Gesamtbild ergibt Sinn – dabei unterstützt Sie AI DiagMe, ergänzend zum ärztlichen Gespräch.
Quellen
Deutsche Leitlinien, Institutionen und Rechtsgrundlagen sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:
</invoke>Footnotes
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Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG) u. a. – S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Syphilis, AWMF-Register-Nr. 059/002, Aktualisierung 2021, Version 1.1 (Stand 06/2021; die Leitlinie ist als „seit > 5 Jahren nicht aktualisiert“ gekennzeichnet und wird derzeit überarbeitet): konsentierte Stufendiagnostik (Suchtest TPPA/TPHA/TPLA oder polyvalente Immunoassays; Bestätigungstest mit alternativem Antigenkonzept; quantitative Aktivitätsparameter Cardiolipin-Antikörper und treponemenspezifisches IgM zur Unterscheidung einer Seronarbe von einer behandlungsbedürftigen Syphilis), Prozonenphänomen und Verdünnungsreihen 1:2 bis 1:128, akute und chronische biologisch falsch positive Befunde, Nachweisbarkeit der Lipoidantikörper 4–6 Wochen nach Infektion und bis zu 30 % falsch negative VDRL/RPR im frühen Primärstadium, Persistenz der Lipoidantikörper in bis zu 20 % trotz ausreichender Therapie, Verlaufskontrollen nach 3, 6 und 12 Monaten, Penicillin als Mittel der Wahl in allen Krankheitsstadien, Ausschluss von Serumnarben aus der Meldestatistik. register.awmf.org ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19 ↩20 ↩21 ↩22 ↩23 ↩24
-
Robert Koch-Institut – RKI-Ratgeber Syphilis, Stand 12.11.2020: Suchtest TPHA/TPPA (positiv 2–3 Wochen nach Infektion, meist lebenslang persistierend), Bestätigungstest FTA-ABS/Immunoblot/IgG-EIA, erweiterte Diagnostik mit quantitativen Cardiolipin- und IgM-Antikörpern, Lipoidantikörpertiter > 1:4 in der Regel spezifisch, Ausschluss einer primären Syphilis erst nach 8–10 Wochen, Prozonenphänomen, Erstbefund und Verlaufskontrollen im gleichen Labor, vierfacher Titerabfall als Hinweis auf Therapieerfolg, Penicillin als Therapie der ersten Wahl ohne bekannte Resistenz, Übertragungsrate bis 100 % bei Infektion während der Schwangerschaft und 30–40 % Abort/Totgeburt ohne Therapie, Screening in der Mutterschaftsvorsorge, Partnerbenachrichtigung (3 bzw. 12 Monate, freiwillig), Meldepflicht nach § 7 Abs. 3 IfSG, STI-Testung alle 3 Monate unter PrEP. rki.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19 ↩20
-
Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Mutterschafts-Richtlinie (Mu-RL) in der Fassung vom 21. September 2023, in Kraft getreten am 19. Dezember 2023, § 4 Absatz 1 Nummer 1 (TPHA, ELISA oder TPPA als Lues-Suchreaktion möglichst früh; bei positivem Ergebnis die üblichen serologischen Untersuchungen aus derselben Blutprobe; „lediglich die Durchführung und nicht das Ergebnis der Untersuchung im Mutterpass zu dokumentieren“) sowie § 7 Absatz 2 (Ausschluss der Eintragung für Lues-Suchreaktion und HIV-Untersuchung). g-ba.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Robert Koch-Institut – Syphilis in Deutschland in den Jahren 2023 und 2024, Epidemiologisches Bulletin 39/2025 vom 25. September 2025 (Meldestand 1.4.2025): 9.519 gemeldete Fälle 2024 (neuer Höchststand) gegenüber 9.159 im Jahr 2023 (+3,9 % bzw. +9,6 %), Inzidenz 11,2/100.000 Einwohner 2024 gegenüber 10,8 (2023) und Median der fünf Vorjahre 9,5, Berlin 35,7 und Hamburg 30,3 sowie Brandenburg 4,5/100.000, Frauenanteil 7,6 %, Inzidenz Männer 20,8 vs. Frauen 1,7/100.000, Infektionswege 82,0 % MSM, 17,9 % heterosexuell, 0,1 % konnatal, konnatale Syphilis 2001–2022 zwischen einem und sieben Fällen pro Jahr, 2023 vier und 2024 acht Fälle. rki.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) – Einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM), Stand 1. Quartal 2026: GOP 01800 (Treponemenantikörper-Nachweis mittels TPHA/TPPA-Test bzw. Immunoassay im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge), GOP 01935 (dasselbe im Rahmen einer PrEP), GOP 32566 (Suchtest), GOP 32567 (quantitative Treponemenantikörper-Bestimmung nur bei positivem Suchtest, je Immunglobulin IgG oder IgM), GOP 32568 (Bestätigungstest Immunoblot oder FTA-ABS, einmal im Krankheitsfall) und GOP 32565 (Cardiolipin-Flockungstest, quantitativ, nur bei nachgewiesener Infektion). kbv.de ↩ ↩2 ↩3
-
IQWiG – gesundheitsinformation.de, Wann und wo mache ich einen Test auf Syphilis?: dreistufiger Ablauf der Labordiagnostik in Patientensprache, mindestens drei Wochen zwischen möglicher Ansteckung und Test, etwa die Hälfte der Infektionen ohne Beschwerden, regelmäßige Tests etwa alle drei Monate bei erhöhtem Risiko, Testorte (Haus- und Facharztpraxen, Gesundheitsämter, Checkpoints der Aidshilfen), anonyme Testung mit Beratung meist gegen Selbstzahlung (Checkpoints in der Regel 10–25 Euro, Einsendetests etwa 50–60 Euro), nichtnamentliche Meldung an das RKI. gesundheitsinformation.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8
-
Kiołbasa M, Kaminiów K, Pastuszczak M. Serofast state after syphilis treatment: implications and recommendations for clinical practice. Narrative review. Postepy Dermatol Alergol, 2025. PubMed · DOI ↩ ↩2
-
Infektionsschutzgesetz (IfSG) – § 7 Absatz 3 Satz 1 Nummer 1 (nichtnamentliche Meldepflicht für den direkten oder indirekten Nachweis von Treponema pallidum) und § 10 Absatz 2 (Meldung innerhalb von zwei Wochen an das Robert Koch-Institut; abschließende Liste der zulässigen Angaben: Geschlecht, Monat und Jahr der Geburt, erste drei Ziffern der Postleitzahl, Untersuchungsbefund, Monat und Jahr der Diagnose, Untersuchungsmaterial, Nachweismethode, wahrscheinlicher Infektionsweg; fallbezogene Pseudonymisierung nur für HIV). gesetze-im-internet.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Varol ZS. Epidemiological trends in adult and congenital syphilis in the EU/EEA: A joinpoint study. Int J STD AIDS, 2026. PubMed · DOI ↩
-
Chevalier FJ, Bacon O, Johnson KA, Cohen SE. Syphilis: A Review. JAMA, 2025. PubMed · DOI ↩
-
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, zuvor BZgA) – LIEBESLEBEN, Syphilis (»Lues«) und STI-Tests: Nachweis über eine Blutuntersuchung auf Antikörper, gute Behandelbarkeit bei früher Erkennung, bereits entstandene Organschäden nicht mehr heilbar, Kostenübernahme durch die Krankenversicherung bei Anzeichen einer STI oder festgestellter Infektion der Partnerin bzw. des Partners, anonyme Beratungs- und Testangebote in vielen Gesundheitsämtern und bei lokalen Aidshilfen, Information der Sexualpartnerinnen und -partner. liebesleben.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Sweitzer S, Duncan JA, Seña AC. Update on syphilis diagnostics. Curr Opin Infect Dis, 2025. PubMed · DOI ↩
-
Karpuz T, Ongut G, Ozyurt OK, et al. Comparison of CDC and ECDC reverse sequence algorithms for syphilis diagnosis: clinical implications of discordant serological results. BMC Infect Dis, 2026. PubMed · DOI ↩
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Angel-Müller E, Grillo-Ardila CF, Amaya-Guio J, Torres-Montañez N. Diagnostic Accuracy of Rapid Point-of-Care Tests for Detecting Active Syphilis: A Systematic Review and Meta-Analysis. Sex Transm Dis, 2021. PubMed · DOI
</content> ↩