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Hepatitis B: HBsAg, Anti-HBs und Anti-HBc richtig lesen

Anti-HBc trennt Impfung von durchgemachter Infektion, und erst ab Anti-HBs 100 IE/l gilt die Impfung der STIKO als erfolgreich. So lesen Sie Ihren Befund.

Publié le August 14, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Auf einem Hepatitis-B-Befund steht kein einzelner Wert, sondern eine Reihe von Kürzeln: HBsAg, Anti-HBs, Anti-HBc, manchmal noch HBeAg und HBV-DNA. Jedes ist für sich fast bedeutungslos – erst die Kombination sagt, ob Sie geimpft, genesen, infiziert oder noch empfänglich sind. Dieser Ratgeber entschlüsselt diese Kombinationen, benennt den Marker, an dem sich Impfung und durchgemachte Infektion trennen, und ordnet die deutschen Besonderheiten ein: das Screening im Check-up 35, den STIKO-Grenzwert für den Impferfolg und den HBsAg-Test in der Schwangerschaft. Die Hepatitis-B-Serologie gehört zu den Infektionsserologien und wird oft zusammen mit den Leberwerten beurteilt.

Das Wichtigste in Kürze

  • HBsAg positiv = aktive Infektion. Der Nachweis von HBsAg ist immer Ausdruck einer aktiven Infektion; hält er länger als sechs Monate an, spricht man von einer chronischen Hepatitis B.12
  • Anti-HBc ist der Marker, der entscheidet. Er erscheint nach fast jedem Viruskontakt – nach einer reinen Impfung jedoch nie. Er trennt damit die Impfimmunität von der durchgemachten Infektion.3
  • Der deutsche Grenzwert für den Impferfolg ist Anti-HBs ≥ 100 IE/l, gemessen 4–8 Wochen nach der letzten Dosis der Grundimmunisierung – nicht die international oft genannten 10 IE/l.43
  • Die Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie sieht seit dem 12. Februar 2021 ein einmaliges Hepatitis-B- und -C-Screening ab dem vollendeten 35. Lebensjahr vor; abrechenbar ist es seit dem 1. Oktober 2021.56
  • In der Schwangerschaft wird das HBsAg seit 2023 „zu einem möglichst frühen Zeitpunkt" bestimmt – zuvor erst ab der 32. Schwangerschaftswoche.78
  • 2024 wurden dem RKI 22.126 Hepatitis-B-Fälle übermittelt, davon 1.030 akute und 10.061 chronische.9
  • ⚠️ Eine chronische Hepatitis B lässt sich sehr gut kontrollieren, heilt aber – anders als die Hepatitis C – meist nicht aus.910

Was die einzelnen Marker bedeuten

Antigene sind Virusbestandteile, Antikörper die Antwort Ihres Immunsystems. Deutsche Labore geben sie meist als „positiv/reaktiv" oder „negativ" an; nur Anti-HBs und HBV-DNA werden beziffert.

MarkerWas er anzeigt
HBsAg (surface-Antigen)Aktive Infektion, akut oder chronisch. Nachweisbar etwa 50–60 Tage nach der Ansteckung.1
Anti-HBsImmunität nach Impfung oder ausgeheilter Infektion; quantitativ in IE/l.1
Anti-HBc (gesamt)Kontakt mit dem Virus, aktuell oder früher. Erscheint nicht nach einer Impfung.3
Anti-HBc-IgMSpricht für eine frische Infektion, kann bei chronischer Infektion aber reaktivieren.111
HBeAg / Anti-HBeHBeAg ist stets mit Virusvermehrung verbunden, Anti-HBe zeigt deren Kontrolle an.111
HBV-DNADie Viruslast; bereits 20–35 Tage nach Infektion positiv – noch vor dem HBsAg.1

Zwei Feinheiten stehen nicht auf dem Befund: Anti-HBc-IgG sagt nichts darüber, ob eine Infektion noch besteht oder ausgeheilt ist, und ein negatives HBsAg schließt eine Infektion in der Frühphase nicht aus – dann hilft nur die HBV-DNA.3

Die Kombination ist das Ergebnis

Hier liegt der Schlüssel zum Befund: Fast alles lässt sich über das Trio HBsAg – Anti-HBc – Anti-HBs ordnen.

HBsAgAnti-HBcAnti-HBsÜbliche Einordnung
negativnegativnegativEmpfänglich: nie Kontakt, kein Schutz – Impfung möglich
negativnegativpositivDurch Impfung geschützt
negativpositivpositivAusgeheilte Infektion mit Immunität
positivpositiv, IgM positivnegativAkute Hepatitis B
positivpositiv, IgM negativnegativChronische Hepatitis B (HBsAg > 6 Monate)
negativpositivnegativIsoliertes Anti-HBc – klärungsbedürftig

Der Satz, auf den es ankommt: Ist Anti-HBs positiv und Anti-HBc negativ, kommt Ihr Schutz von der Impfung. Sind beide positiv, haben Sie die Infektion durchgemacht und ausgeheilt. Das ist der einzige zuverlässige Unterschied zwischen beiden Situationen – und der Grund, warum bei einer Statusklärung das Anti-HBc mitbestimmt wird.31

Diese Zuordnungen sind Regelfälle, keine Diagnosen: Vorgeschichte, Leberwerte und zeitlicher Verlauf gehören dazu, und die Einordnung nimmt Ihre Praxis vor.

Anti-HBs: ab wann gilt die Impfung in Deutschland als erfolgreich?

Hier weicht Deutschland vom international oft zitierten Wert ab. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, das Anti-HBs 4–8 Wochen nach der letzten Dosis der Grundimmunisierung quantitativ zu bestimmen. Als erfolgreich gilt die Impfung ab ≥ 100 IE/l; dann sind „in der Regel keine weiteren Auffrischimpfungen oder Anti-HBs-Kontrollen erforderlich".4 Die S3-Leitlinie der DGVS nennt denselben Wert.3

Anti-HBs 4–8 Wochen nach GrundimmunisierungBezeichnungVorgehen laut STIKO
≥ 100 IE/lerfolgreiche Impfungin der Regel keine Auffrischung, keine Kontrollen
10–99 IE/lLow-Respondersofort eine weitere Impfstoffdosis, erneute Kontrolle nach 4–8 Wochen
< 10 IE/lNon-Responderzusätzlich HBsAg und Anti-HBc bestimmen, um eine bestehende chronische Infektion auszuschließen

Fällt das Anti-HBs Jahre später unter 100 IE/l, heißt das nicht, dass der Schutz weg ist – das immunologische Gedächtnis bildet bei Viruskontakt rasch wieder Antikörper.4 Entsprechend braucht laut S3-Leitlinie auch bei den Indikationsgruppen „gegenwärtig eine generelle Auffrischimpfung nicht zu erfolgen".3 Ausnahmen: bei besonders hohem Expositionsrisiko eine Kontrolle nach zehn Jahren, bei Dialyse jährlich.4

Die Impfung ist in Deutschland seit 1995 Standardimpfung für alle Säuglinge und Kleinkinder; seit dem 25. Juni 2020 gilt beim Sechsfachimpfstoff für reifgeborene Säuglinge das 2+1-Schema (2, 4 und 11 Monate).4

Isoliertes Anti-HBc: der Befund, der Fragen aufwirft

Anti-HBc positiv, HBsAg und Anti-HBs beide negativ: Meist steckt eine lange zurückliegende Infektion dahinter, bei der das Anti-HBs unter die Nachweisgrenze gefallen ist. Möglich sind aber auch eine „Low-level"-Infektion, eine Infektion mit HBsAg-Mutanten, die der Test nicht erfasst, oder ein falsch positives Ergebnis.1

Deshalb ist die S3-Leitlinie eindeutig: „Patienten mit isoliert positivem Anti-HBc-Antikörperstatus sollten auf HBV-DNA untersucht werden".3 Wie selten die relevante Variante ist, zeigt eine Auswertung von 17.356 Anti-HBc-Untersuchungen: Das Muster fand sich bei 2,9 % der Getesteten, und nur bei 3,2 % davon war HBV-DNA nachweisbar.12 Ein isoliertes Anti-HBc ist also fast immer harmlos – aber es wird nachgesehen, nicht abgehakt.

Check-up 35: das einmalige Hepatitis-Screening

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat das Screening auf Hepatitis B und C in die Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie aufgenommen:

„Versicherte, die das 35. Lebensjahr vollendet haben, haben im Rahmen der Inanspruchnahme einer allgemeinen Gesundheitsuntersuchung einmalig Anspruch auf ein Screening auf Hepatitis-B-Virusinfektion und einmalig Anspruch auf ein Screening auf Hepatitis-C-Virusinfektion."5

Der Ablauf ist zweistufig: Untersucht wird zunächst auf HBs-Ag; bei reaktivem Ergebnis folgt „eine Untersuchung auf HBV-DNA aus derselben Blutentnahme".5 Eine zweite Blutabnahme entfällt also. Die Richtlinie trat am 12. Februar 2021 in Kraft, abrechenbar ist die Leistung seit dem 1. Oktober 2021.56 Die Gesundheitsuntersuchung selbst steht Versicherten ab 35 alle drei Jahre zu – das Hepatitis-Screening nur ein einziges Mal.13

Beachten Sie den Zuschnitt: Geprüft wird, ob eine Infektion vorliegt, nicht Ihr Impfstatus – dafür wäre das Anti-HBs nötig, das nicht dazugehört. Auch die Transaminasen GPT und GOT und die Gamma-GT fehlen im Check-up 35; aus dem Blut sind nur Lipidprofil und Nüchternplasmaglucose vorgesehen.13

Dass sich der Aufwand lohnt, ist belegt: In 286.192 Screening-Untersuchungen des ersten Programmjahres lag die HBsAg-Prävalenz bei 0,54 %, mit deutlich mehr entdeckten Infektionen als in der Routineversorgung.14 Das RKI führt den Anstieg der Fallzahlen zwischen 2021 und 2023 wesentlich auf dieses Screening zurück.9

HBsAg in der Schwangerschaft – und was sich 2023 geändert hat

Die Mutterschafts-Richtlinie sieht bei jeder Schwangeren einen HBsAg-Test vor. Entscheidend ist der Zeitpunkt, und der ist neu: Die Untersuchung erfolgt „zu einem möglichst frühen Zeitpunkt" im Rahmen der ersten serologischen Untersuchungen.7 Bis zum G-BA-Beschluss vom 20. April 2023 war der Test auf die Zeit ab der 32. Schwangerschaftswoche beschränkt – die S3-Leitlinie hatte das kritisiert, weil Mütter mit Therapieindikation dadurch „viel zu spät diagnostiziert" wurden.38

Warum das zählt: Bei einer Viruslast über 200.000 IE/ml senkt eine antivirale Therapie das Übertragungsrisiko – sie sollte vor der 28. Schwangerschaftswoche beginnen, was ein Ergebnis erst in der 32. Woche unmöglich macht.3 Ist die Mutter HBsAg-positiv, wird das Neugeborene innerhalb von 12 Stunden nach der Geburt aktiv und passiv immunisiert.711 Impfung plus Immunglobulin verhindern etwa 94 % der perinatalen Infektionen; mit antiviraler Therapie sinkt die Übertragungsrate unter 1 %.2 Der Test entfällt bei bereits nachgewiesener Immunität, etwa nach Schutzimpfung.7

Hepatitis B in Deutschland: die Zahlen des RKI

Deutschland ist ein Niedrigprävalenzland, aber nicht frei von der Infektion.

  • Fälle 2024: 22.126 HBV-Fälle – 1.030 akute, 10.061 chronische und 11.035 mit unbekanntem Infektionsstadium, 5 % weniger als im Vorjahr.9
  • Prävalenz: in der Allgemeinbevölkerung unter 1 %, in vulnerablen Gruppen bis zu 4 %.9 Die S3-Leitlinie nennt 0,4–0,8 % für HBsAg und rund 7 % für Anti-HBc.3
  • Studiendaten: In der DEGS1-Studie waren bei 18- bis 79-Jährigen 0,3 % Anti-HBc- und HBsAg-positiv; bei 5,1 % war Anti-HBc als Zeichen einer ausgeheilten oder aktiven Infektion nachweisbar.11
  • Meldepflicht: Hepatitis B ist namentlich meldepflichtig – nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 IfSG durch Ärztinnen und Ärzte (Verdacht, Erkrankung, Tod), nach § 7 Abs. 1 IfSG durch Labore für alle Nachweise von HBV, unabhängig vom klinischen Bild.91 Ein reiner Impfschutz (nur Anti-HBs) löst keine Meldung aus.

Was ein positives HBsAg bedeutet – ehrlich eingeordnet

Bei Erwachsenen heilt eine akute Hepatitis B in etwa 90 % der Fälle spontan aus; nur bei rund 5–10 % entsteht eine chronische Infektion.9 Im Säuglingsalter ist es umgekehrt: Dort chronifizieren nach RKI-Angaben etwa 90 %, bei Kleinkindern bis drei Jahre 30–90 %.11 Deshalb wirken Schwangerenscreening und Säuglingsimpfung so stark.

Bei einer chronischen Infektion formuliert das RKI nüchtern: „Ein vollständiges Ausheilen einer chronischen HBV-Infektion ist selten, aber eine langfristige Kontrolle der Viruslast ist mit der richtigen Therapie möglich."9 Behandelt wird, wenn nötig, mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga wie Entecavir oder Tenofovir; ein HBsAg-Verlust darunter ist laut S3-Leitlinie selten.310 Das ist der große Unterschied zur Hepatitis C, die heute meist ausheilt.

Verharmlosen sollte man das nicht: Eine unbehandelte chronische Hepatitis B kann in Leberzirrhose und Leberzellkarzinom münden. Das RKI beziffert das Karzinomrisiko gegenüber der Normalbevölkerung als etwa um den Faktor 100 erhöht – bei bestehender Zirrhose 2–7 % pro Jahr, ohne Zirrhose 0,1–0,6 %.11 Deshalb gehört eine regelmäßige Verlaufskontrolle dazu: neben der Viruslast die Leberwerte, die Thrombozyten sowie die Syntheseleistung über Albumin und die Blutgerinnung mit dem Quick-Wert. Bei erhöhtem Karzinomrisiko wird alle sechs Monate mit Ultraschall und AFP kontrolliert; antivirale Therapien senken dieses Risiko um etwa die Hälfte.2 Und zur Entwarnung: Sehr viele Menschen mit chronischer Hepatitis B leben unter regelmäßiger Betreuung völlig normal. Ein positives HBsAg ist ein Anlass für einen Termin – nicht für Panik.

Müssen Sie nüchtern sein?

Nein. Antigene und Antikörper verändern sich nicht durch eine Mahlzeit. Nüchternheit ist nur nötig, wenn andere Untersuchungen derselben Überweisung es verlangen – etwa die Nüchternplasmaglucose im Check-up 35.13 Halten Sie sich im Zweifel an die Vorgabe Ihrer Praxis.

Neues aus der Forschung

Aus aktuellen, in PubMed indexierten Arbeiten:

  • Das deutsche Screening funktioniert. 286.192 Untersuchungen aus elf ambulanten Versorgungszentren im ersten Programmjahr ergaben eine HBsAg-Prävalenz von 0,54 % und deutlich mehr Diagnosen als in der Routineversorgung; die Auswertung der RKI-Meldedaten kommt zum selben Schluss.146
  • Der Impfschutz hält länger als der Antikörpertiter. In einer Kohorte von 1.351 erfolgreich Geimpften lag der Anteil mit serologischem Schutznachweis nach 22 Jahren bei 95 % und nach 41 Jahren noch bei 91 % – obwohl nur ein Bruchteil messbare Antikörper hatte.15 Das stützt die STIKO-Linie, auf routinemäßige Auffrischungen zu verzichten.4
  • Isoliertes Anti-HBc: selten relevant, aber prüfenswert. Unter 17.356 Getesteten fand sich das Muster bei 2,9 %; nur bei 3,2 % davon war HBV-DNA nachweisbar – häufiger bei über 50-Jährigen.12
  • Therapieziel bleibt Kontrolle, nicht Elimination. Übersichtsarbeiten bestätigen: Nukleos(t)idanaloga unterdrücken die Virusvermehrung und senken das Karzinomrisiko um rund 50 %, eine vollständige Viruselimination gelingt jedoch selten.216

Diese Ergebnisse betreffen Diagnostik und Versorgung. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen das ärztliche Gespräch nicht.

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Eine Hepatitis-B-Serologie ergibt erst im Zusammenspiel Sinn: HBsAg, Anti-HBs und Anti-HBc gemeinsam, dazu Ihr Impfstatus, Ihre Leberwerte und weitere Infektionsserologien wie Hepatitis C, HIV oder Syphilis.

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Häufige Fragen

Was bedeutet HBsAg positiv? Dass das Virus aktiv vorhanden ist – der Nachweis ist immer Ausdruck einer aktiven Infektion.1 Bleibt das HBsAg länger als sechs Monate positiv, spricht man von einer chronischen Hepatitis B.2 Es folgt eine ärztliche Abklärung.

Ab welchem Anti-HBs-Wert bin ich geschützt? In Deutschland gilt eine Impfung ab Anti-HBs ≥ 100 IE/l (4–8 Wochen nach der letzten Dosis der Grundimmunisierung) als erfolgreich – nicht ab 10 IE/l, wie international oft angegeben.43 Zwischen 10 und 99 IE/l spricht die STIKO von Low-Respondern und empfiehlt eine weitere Impfdosis.4

Bin ich geimpft oder hatte ich eine Hepatitis B? Das entscheidet das Anti-HBc: Anti-HBs positiv bei negativem Anti-HBc bedeutet Impfschutz, beide positiv eine durchgemachte, ausgeheilte Infektion. Eine Impfung erzeugt niemals Anti-HBc.31

Was ist der Unterschied zwischen Anti-HBs und Anti-HBc? Anti-HBs schützt: Es richtet sich gegen die Virushülle und zeigt Immunität an. Anti-HBc schützt nicht – es dokumentiert nur, dass Ihr Immunsystem das Virus einmal erkannt hat, und sagt als IgG nichts darüber, ob die Infektion noch besteht.31

Mein Anti-HBs ist unter 100 IE/l gesunken – bin ich ungeschützt? Nicht automatisch: Sinkt der Titer Jahre nach erfolgreicher Grundimmunisierung ab, geht man wegen des immunologischen Gedächtnisses weiter von Schutz aus.4 Bei besonders hohem Expositionsrisiko empfiehlt die STIKO eine Kontrolle nach zehn Jahren, bei Dialyse jährlich.4

Was bedeutet ein isoliertes Anti-HBc? Anti-HBc positiv, HBsAg und Anti-HBs negativ. Meist steckt eine lange zurückliegende, ausgeheilte Infektion dahinter; weil selten auch eine niedrigreplikative Infektion möglich ist, soll laut S3-Leitlinie eine HBV-DNA-Bestimmung erfolgen.31

Zahlt die Krankenkasse den Hepatitis-B-Test? Ja – gesetzlich Versicherte ab dem vollendeten 35. Lebensjahr haben im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung einmalig Anspruch auf ein HBsAg-Screening, bei reaktivem Ergebnis ergänzt um die HBV-DNA aus derselben Blutprobe.513 Bei ärztlicher Indikation wird der Test ohnehin übernommen.

Ist Hepatitis B heilbar? Die akute Form heilt bei Erwachsenen in rund 90 % der Fälle von selbst aus.9 Eine chronische Hepatitis B lässt sich mit Nukleos(t)idanaloga sehr gut kontrollieren, heilt aber selten vollständig aus – anders als die Hepatitis C.93

Sagt die Hepatitis-B-Serologie etwas über meine Leber aus? Nein, sie beschreibt Virus und Immunantwort. Wie es der Leber geht, zeigen die Leberwerte mit GPT, GOT, Gamma-GT, Bilirubin und alkalischer Phosphatase; bei fortgeschrittener Erkrankung ergänzen Eiweißelektrophorese und Globuline das Bild.

Zum Mitnehmen

Ein Hepatitis-B-Befund ist ein Muster, kein Wert. HBsAg sagt, ob das Virus da ist; Anti-HBs, ob Sie geschützt sind; Anti-HBc, ob Sie dem Virus je begegnet sind – und trennt damit als einziger Marker Impfung von durchgemachter Infektion. Für Deutschland zählen drei Eckpunkte: ≥ 100 IE/l Anti-HBs als STIKO-Grenze des Impferfolgs, einmalig ab 35 Jahren das Screening in der Gesundheitsuntersuchung und seit 2023 der HBsAg-Test möglichst früh in der Schwangerschaft.457 Kein Laborwert steht für sich – erst das Gesamtbild ergibt Sinn, und dabei unterstützt Sie AI DiagMe, ergänzend zum ärztlichen Gespräch.

Quellen

Deutsche Leitlinien und Institutionen sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:

Footnotes

  1. Limbach Gruppe – LaborAktuell: Hepatitis B, Arztinformation zur Labordiagnostik: Bedeutung der Einzelparameter (HBc-Antikörper IgG/IgM, HBsAg, Anti-HBs, HBeAg, Anti-HBe, HBV-DNA), Nachweis von HBsAg etwa 50–60 Tage und von HBV-DNA 20–35 Tage nach Infektion, HBsAg-Nachweis „immer Ausdruck einer aktiven Infektion", Deutung des isoliert positiven Anti-HBc-Befundes, Anti-HBs ab 100 IU/l als Kriterium für Langzeitimmunität, Meldepflicht nach § 6 und § 7 IfSG. limbachgruppe.com 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13

  2. Jeng WJ, Yip TC, Lok AS. Hepatitis B: A Review. JAMA, 2026. PubMed · DOI 2 3 4 5

  3. Cornberg M, Sandmann L, Protzer U et al. (DGVS) – S3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion, AWMF-Register-Nr. 021-11, Z Gastroenterol 2021; 59: 691–776, DOI 10.1055/a-1498-2512: Empfehlung 1.1.1 (HBsAg und Anti-HBc zur initialen Diagnostik) mit Kommentar zu Anti-HBc nach fast jedem Viruskontakt; Empfehlung 1.1.2 (HBsAg-Screening bei allen Schwangeren, Kritik am Screeningzeitpunkt nach der 32. SSW, antivirale Therapie bei HBV-DNA > 200.000 IE/ml möglichst vor der 28. SSW); Prävalenz 0,4–0,8 % HBsAg und ca. 7 % Anti-HBc in Deutschland; Empfehlung 4.6.3 (HBV-DNA bei isoliert Anti-HBc-positivem Status); Empfehlungen 7.24/7.25 mit Anti-HBs ≥ 100 IU/l als Erfolgskriterium; Seltenheit des HBsAg-Verlusts unter Nukleos(t)idanaloga. Die AWMF-Registerdatei war wiederholt mit HTTP 500 nicht erreichbar; zitiert wird die identische, von der DGVS gehostete Fassung. dgvs.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17

  4. Robert Koch-Institut, Ständige Impfkommission (STIKO) – FAQ Schutzimpfung gegen Hepatitis B, Abschnitt „Umsetzung" (Stand 21.11.2024): Impferfolgskontrolle 4–8 Wochen nach der letzten Dosis der Grundimmunisierung, erfolgreiche Impfung bei Anti-HBs ≥ 100 IE/l, Low-Responder 10–99 IE/l, Non-Responder < 10 IE/l mit Bestimmung von HBsAg und Anti-HBc, immunologisches Gedächtnis bei späterem Titerabfall, Kontrolle nach 10 Jahren bei besonders hohem Expositionsrisiko und jährlich bei Dialyse, Standardimpfung für Säuglinge seit 1995, 2+1-Schema seit 25.06.2020. rki.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

  5. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie, Fassung vom 20.11.2020, in Kraft seit 12.02.2021: Abschnitt B Kapitel III „Screening auf Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Virusinfektion" – § 2 Anspruchsberechtigung (ab vollendetem 35. Lebensjahr, jeweils einmaliger Anspruch) und § 4 Untersuchungsmethode (HBs-Ag, bei reaktivem Ergebnis HBV-DNA aus derselben Blutentnahme). g-ba.de 2 3 4 5 6

  6. Hüppe D, Serfert Y, Cornberg M, Wedemeyer H. Deutlicher Anstieg neu diagnostizierter Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Fälle nach Einführung des Screenings in die allgemeine Gesundheitsuntersuchung (ehemals „Check-up 35") in Deutschland. Z Gastroenterol, 2025. PubMed · DOI 2 3

  7. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Mutterschafts-Richtlinie (Mu-RL), Fassung vom 21.09.2023, in Kraft seit 19.12.2023: § 4 Absatz 1 Nummer 5 – HBsAg-Untersuchung „zu einem möglichst frühen Zeitpunkt", aktiv/passive Immunisierung des Neugeborenen unmittelbar post partum bei positivem Befund, Entfall der Untersuchung bei nachgewiesener Immunität. g-ba.de 2 3 4 5

  8. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Fachnews Schwangerenvorsorge: Hepatitis-B-Screening wird vorgezogen, 21.04.2023: Beschluss vom 20. April 2023, Aufhebung der Beschränkung des HBsAg-Tests auf die 32.–40. Schwangerschaftswoche, Anpassung an die S3-Leitlinie von 2021. g-ba.de 2

  9. Robert Koch-Institut – Epidemiologie von Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Virusinfektionen in Deutschland 2024, Epidemiologisches Bulletin 30/2025 vom 24.07.2025: 22.126 übermittelte HBV-Fälle (1.030 akut, 10.061 chronisch, 11.035 unbekanntes Stadium), −5 % gegenüber dem Vorjahr; spontane Ausheilung bei rund 90 % der infizierten Erwachsenen, Chronifizierung bei etwa 5–10 %; Zitat „Ein vollständiges Ausheilen einer chronischen HBV-Infektion ist selten, aber eine langfristige Kontrolle der Viruslast ist mit der richtigen Therapie möglich"; Meldepflicht nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 und § 7 Abs. 1 IfSG; Prävalenz unter 1 % in der Allgemeinbevölkerung, bis zu 4 % in vulnerablen Gruppen; Rolle des Check-up-35-Screenings. rki.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10

  10. IQWiG – gesundheitsinformation.de, Hepatitis B: Häufigkeit in Deutschland (weniger als 1 von 100 Menschen), meist beschwerdearmer Verlauf, spontane Ausheilung der akuten Form bei Erwachsenen, Chronifizierung bei etwa 90 von 100 infizierten Säuglingen, Behandlung der chronischen Infektion mit Nukleosid-/Nukleotidanaloga und zeitweise Alpha-Interferon. gesundheitsinformation.de 2

  11. Robert Koch-Institut – RKI-Ratgeber Hepatitis B und D: Chronifizierung bei ca. 90 % der perinatal infizierten Neugeborenen, 30–90 % der Kleinkinder bis 3 Jahre und bis zu 10 % der Erwachsenen; DEGS1-Prävalenz 0,3 % (Anti-HBc und HBsAg positiv) bzw. 5,1 % Anti-HBc bei 18- bis 79-Jährigen; um den Faktor 100 erhöhtes Karzinomrisiko, 2–7 % pro Jahr bei Zirrhose gegenüber 0,1–0,6 % ohne; Immunprophylaxe des Neugeborenen innerhalb von 12 Stunden post partum; Bedeutung von HBeAg und Anti-HBc-IgM. rki.de 2 3 4 5 6

  12. Yılmaz Gürbüz Ş, Yağdı O, Başar E. Two Diagnostic Challenges in Hepatitis B Serology: Low HBsAg S/CO Values and Isolated Anti-HBc Positivity. Pathogens, 2026. PubMed · DOI 2

  13. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) – Gesundheitsuntersuchung (Check-up): Anspruch ab 35 Jahren alle drei Jahre, Laborleistungen aus Blut (Lipidprofil, Nüchternplasmaglucose) und Urin (Harnstreifentest), einmaliger Anspruch auf das Hepatitis-B- und -C-Screening ab 35 Jahren. kbv.de 2 3 4

  14. Bätz O, Petroff D, Jedrysiak K, Wolffram I, Berg T, Kramer J, Wiegand J. Successful hepatitis B and C screening in the health check-up in the German primary care setting. JHEP Reports, 2024. PubMed · DOI 2

  15. Steinberg J, Blake I, Stevenson T et al. Long-term protection following a primary series of hepatitis B vaccine in Alaska Native children and adults. Hepatology Communications, 2026. PubMed · DOI

  16. Jeng WJ, Papatheodoridis GV, Lok ASF. Hepatitis B. The Lancet, 2023. PubMed · DOI

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