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Vitamin-C-Mangel: Symptome, Skorbut und Blutwert

Vitamin-C-Mangel erkennen: Symptome, Skorbut und warum der Blutwert nur selten hilft. Orientierend 4,6–14,9 mg/l, BfR-Höchstmenge 250 mg pro Tagesdosis.

Publié le August 12, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Vitamin C – chemisch Ascorbinsäure – ist ein wasserlösliches Vitamin, das der Körper weder selbst herstellen noch nennenswert speichern kann: Es muss täglich über frisches Obst und Gemüse hereinkommen, sonst leiden Kollagenbildung, Eisenaufnahme und Immunabwehr. Für den Laborwert gilt allerdings etwas Ungewöhnliches: Die Blutbestimmung ist fast nie der richtige Weg. Sie ist technisch heikel, bildet eher die letzte Mahlzeit als die Reserven ab – und ein Mangel wird ganz überwiegend klinisch erkannt. Dieser Ratgeber zeigt, wie ein Vitamin-C-Mangel bis hin zum Skorbut aussieht und was BfR, DGE und der Krebsinformationsdienst zu Hochdosis-Präparaten sagen. Zur Einordnung: unsere Übersicht der Vitaminwerte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Vitamin C ist Cofaktor der Kollagensynthese, an der Bildung von Neurotransmittern beteiligt und verbessert die Eisenresorption; ein Mangel zeigt sich zuerst an Haut und Schleimhäuten, etwa als Zahnfleischbluten.12
  • Deutsche Labore rechnen in mg/l: das Universitätsklinikum Ulm orientierend 4,6 – 14,9 mg/l (≈ 26 – 85 µmol/l), andere Labore 4,0 – 15,0 mg/l.13
  • ⚠️ Die Probe ist außergewöhnlich instabil: Am Universitätsklinikum Köln hält Vitamin C im Serum bei +4 °C nur drei Stunden. Ohne Lichtschutz und Tiefkühlversand wird der Wert falsch niedrig.43
  • Die DGE empfiehlt 110 mg/Tag für Männer, 95 mg/Tag für Frauen, 155 bzw. 135 mg/Tag für Rauchende – eine Zufuhr, die in Deutschland „von allen Altersgruppen überschritten oder in etwa erreicht" wird.5
  • Das BfR nennt für Nahrungsergänzungsmittel 250 mg pro Tagesdosis als Höchstmenge: „Bei abwechslungsreicher Ernährung brauchen gesunde Personen weder Vitaminpräparate noch angereicherte Lebensmittel."2
  • ⚠️ Hohe Dosen verfälschen andere Untersuchungen, allen voran den Urinteststreifen: Blut und Glukose können falsch negativ ausfallen.67

Was ist Vitamin C?

Vitamin C (Ascorbinsäure) gehört wie die B-Vitamine zu den wasserlöslichen Vitaminen; anders als die meisten Tiere hat der Mensch die Fähigkeit verloren, es selbst herzustellen. Hauptquellen sind laut Nationaler Verzehrsstudie Obst, Gemüse und alkoholfreie Getränke – besonders reich sind schwarze Johannisbeeren (177 mg pro 100 g) und rote Paprika (140 mg pro 100 g).2

Biochemisch dient Vitamin C „bei einer Reihe von Hydroxylierungsreaktionen als Cofaktor" – daher seine Rolle bei der Kollagenbildung, weshalb sich ein Mangel „häufig in Form von Haut- bzw. Schleimhautveränderungen (z. B. Zahnfleischbluten)" äußert. Hinzu kommen die Funktion als Radikalfänger und die Bildung von Neurotransmittern;1 außerdem verbessert es „die Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln".2

Vitamin C = Ascorbinsäure = E 300. Alle drei Bezeichnungen meinen dasselbe Molekül – es steckt sogar in Wurst, wo es „die so genannte Umrötung" unterstützt.2

Warum wird Vitamin C so selten bestimmt?

Hier steht die ehrlichste Aussage dieses Ratgebers, und sie widerspricht dem, was Anbieter von „Vitalstoffanalysen" nahelegen: Die Blutbestimmung ist nur in wenigen, eng umrissenen Situationen sinnvoll. Das Universitätsklinikum Ulm nennt drei Indikationen: Fehl- und Mangelernährung einschließlich parenteraler Ernährung, Präskorbut/Skorbut und Moeller-Barlow-Krankheit sowie Hämodialyse;1 ein Hamburger Speziallabor ergänzt Malabsorption, chronischen Alkoholkonsum, Schwangerschaft und Schilddrüsenüberfunktion.3 Dafür gibt es drei Gründe.

Erstens der Zeitraum. Der Plasmawert spiegelt die jüngste Zufuhr, nicht die Gewebereserven; er steigt nach jeder Mahlzeit und jeder Tablette. Deshalb weist das Endokrinologikum Hamburg an: „Vor Blutabnahme Vitamin C-Aufnahme vermeiden."3 Hinzu kommt ein Sättigungseffekt: Bereits „ab einer täglichen Zufuhr von ca. 60 mg bzw. Ascorbat-Konzentrationen im Plasma von ca. 1,2 – 1,8 mg/dl wird die Nierenschwelle überschritten".6

Zweitens die Probe. Vitamin C ist „licht- und wärmeempfindlich" und muss „so schnell wie möglich ins Labor geschickt werden".1 Wie eng das Zeitfenster ist, zeigt das Universitätsklinikum Köln: Stabilität im Serum bei +4 °C drei Stunden, bei −20 °C zwei Monate.4 Wird nicht innerhalb von 30 Minuten zentrifugiert, sofort eingefroren und vor UV-Licht geschützt, misst das Labor nicht Ihren Status, sondern den Transportweg.3

Drittens die Klinik. Ein schwerer Mangel ist am Krankenbett erkennbar; die Bestätigung liefert oft die Besserung unter Substitution. Im Fall des Deutschen Ärzteblatts lag der Wert eines siebenjährigen Jungen bei 0,5 mg/l, und „unter oraler Substitution von Vitamin C waren die Symptome innerhalb weniger Wochen rückläufig".8

Muss man dafür nüchtern sein?

Entscheidend ist weniger das Nüchternsein als die Vitamin-C-Karenz: Weil der Wert die letzte Zufuhr abbildet, verlangen Labore, vor der Blutabnahme keine Vitamin-C-Präparate einzunehmen.3 Nennen Sie daher alle Nahrungsergänzungsmittel – ein „normaler" Wert unter laufender Supplementierung schließt einen Gewebemangel nicht sicher aus.

Normalwerte von Vitamin C

Die folgenden Zahlen sind Orientierungswerte für Erwachsene. Deutsche Labore rechnen überwiegend in mg/l, nicht in µmol/l; über die molare Masse der Ascorbinsäure (176,12 g/mol) gilt: 1 mg/l ≈ 5,68 µmol/l.

EinordnungVitamin C (mg/l)umgerechnet (µmol/l)
Referenzbereich (Uniklinikum Ulm)4,6 – 14,9≈ 26 – 85
Referenzbereich (Endokrinologikum Hamburg)4,0 – 15,0≈ 23 – 85
Skorbut-Bereich< 2≈ < 11

Den Skorbut-Bereich gibt das Endokrinologikum Hamburg mit unter 2 mg/l an;3 die Ulmer Werte stammen aus einem akkreditierten HPLC-Verfahren.1 Maßgeblich bleibt Ihr Befund.

Ein Wert im Referenzbereich beruhigt nur bedingt. Er kann von einer Tablette am Vortag stammen – und ein niedriger Wert ebenso gut daher rühren, dass die Probe zu lange im Warmen lag.

Ihre Werte richtig einordnen

Bei Vitamin C zählt praktisch nur die untere Seite.

Vitamin C zu niedrig: Mangel und Skorbut

Ein niedriger Wert bedeutet zu wenig Zufuhr – gegebenenfalls verstärkt durch erhöhten Verbrauch (Rauchen, Infektion, Operation) oder Verluste bei der Hämodialyse.1 Hält der Mangel an, entsteht die „klassisch manifeste C-Avitaminose": der Skorbut des Erwachsenen und die Moeller-Barlow'sche Erkrankung des Kindes mit Störungen der Knochenbildung.1 Die typischen Zeichen gehen auf brüchiges Kollagen zurück:

  • Zahnfleischbluten, Zahnfleischwucherungen, wiederkehrende Blutungen im Mund;18
  • Ekchymosen (flächige blaue Flecken), besonders an den Beinen;8
  • Müdigkeit, Leistungsschwäche, verschlechterte Wundheilung, Hautveränderungen – laut Uniklinikum Ulm „vor allem bei älteren Personen";1
  • bei Kindern Beinschmerzen bis zur Gehverweigerung.8

Ist Skorbut damit verschwunden? Für die manifeste Form hält das Uniklinikum Ulm fest: „In den industrialisierten Ländern kommt diese in der Regel nicht mehr vor."1 Die DGE ergänzt, dass klassischer Skorbut nur „bei dauerhaft fehlender Vitamin-C-Zufuhr" entsteht und bereits 10 mg pro Tag ihn verhindern.5 Einzelfälle betreffen Menschen in besonderen Lebenslagen: schwere Mangelernährung, Essstörungen oder hochselektives Essverhalten – im Fall des Deutschen Ärzteblatts ein Kind mit Autismus-Spektrum-Störung –, außerdem chronischer Alkoholkonsum, Malabsorption, Isolation und die Dialyse.813 Einmal erkannt, ist der Mangel rasch korrigierbar.

Vitamin C erhöht

Ein hoher Wert hat keinen Krankheitswert: Er zeigt eine obst- und gemüsereiche Ernährung oder – häufiger – ein Präparat. Weil die Nierenschwelle schon bei 1,2 – 1,8 mg/dl überschritten wird, scheidet der Körper den Überschuss aus.6 Bedeutsam ist er eher für andere Laborwerte.

Vitamin C und Krebs? Der Wert ist kein Tumormarker. Ein niedriges Vitamin C spricht über Ihren Speiseplan, nicht über eine Geschwulst.

Vitamin C und Eisen

Vitamin C verbessert die Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln – wer sich vegetarisch oder vegan ernährt, deckt seinen Bedarf leichter, wenn Vitamin C zur Mahlzeit kommt.2 Deshalb wird es oft gemeinsam mit den Eisenwerten betrachtet: Eisen im Blut, Ferritin-Wert, Transferrinsättigung. Steht eine Blutarmut im Raum, folgt das große Blutbild mit Hämoglobin, MCV-Wert und roten Blutkörperchen.

Hochdosis-Vitamin C: was die deutschen Quellen sagen

In Deutschland ist rund um Vitamin C ein großer Markt entstanden – von hochdosierten Kapseln bis zu Infusionen, beworben gegen Müdigkeit, für die Immunabwehr, teils sogar bei Krebs. Die offiziellen Stellen sind zurückhaltender.

Das BfR zieht eine Obergrenze. Die EFSA konnte „aufgrund mangelnder Daten keinen UL für Vitamin C ableiten", ging aber davon aus, dass eine zusätzliche tägliche Zufuhr von 1.000 mg nicht mit unerwünschten Magen-Darm-Wirkungen verbunden ist. Darauf gestützt empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung eine Höchstmenge von 250 mg pro Tagesverzehrempfehlung eines Nahrungsergänzungsmittels – 1.000 mg, hälftig aufgeteilt, geteilt durch einen Unsicherheitsfaktor von 2.2

Zu den Nierensteinen ist die Quellenlage anders, als oft behauptet. Die EFSA gab an, „dass bei Personen mit einer gewohnheitsmäßigen Zufuhr von 1.500 mg Vitamin C pro Tag kein erhöhtes Risiko für Nierensteine festgestellt wurde" – eine pauschale Warnung ist damit nicht belegt.2 Vorsicht gilt aber bei eingeschränkter Nierenfunktion und nach früheren Nierensteinen;9 dann lohnt der Blick auf die Nierenwerte, Kreatinin und Harnsäure.

Beim Thema Erkältung ist die Botschaft eindeutig. Die DGE formuliert: „Es ist wissenschaftlich nicht bewiesen, dass die Einnahme von Vitamin-C-Präparaten in hohen Dosen (≥ 200 mg/Tag) Erkältungen in der Allgemeinbevölkerung vorbeugen oder heilen kann."5 Das IQWiG wertete 29 Studien mit rund 11.000 Teilnehmenden aus: Vorbeugend schützt Vitamin C die meisten Menschen nicht und verkürzt die Dauer um etwa 10 %.10

Und bei Krebs? Der Krebsinformationsdienst des DKFZ stellt fest, dass „sichere wissenschaftliche Belege für diese Aussagen fehlen", und warnt: „Verschiedene onkologische Leitlinien raten davon ab, Vitamin C zeitgleich zu einer Strahlentherapie und/oder Chemotherapie zu verabreichen." Die S3-Leitlinie spreche „weder eine Empfehlung für noch gegen die Anwendung von hochdosiertem Vitamin C bei Krebspatienten" aus.11

Über Präparate, Dosierungen und Infusionen entscheidet ausschließlich Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Wenn Vitamin C andere Laborwerte verfälscht

Das ist der praktisch folgenreichste Punkt – und er wird selten erwähnt. Ascorbinsäure blockiert als starkes Reduktionsmittel die Oxidationsreaktionen, auf denen mehrere Felder des Urinteststreifens beruhen. Roche formuliert für die Combur-Testreihe: „in der Urinprobe vorhandenes Vitamin C kann falsch-negative Testergebnisse auf den Testfeldern Blut und Glukose verursachen"; etwa 20 % aller Urinproben enthielten Vitamin C in hohen Konzentrationen, und in einer zitierten Untersuchung fielen bei 109 von 407 Patienten die Befunde trotz nachgewiesener Hämaturie negativ aus. Moderne Streifen schützen diese Felder durch Jodat.6 Eine Laborstudie fand falsch negative Ergebnisse zusätzlich bei Bilirubin und Nitrit.7

Ein negativer Urinstreifen unter hochdosiertem Vitamin C schließt also weder eine Blutbeimengung im Urin noch eine Glukosurie sicher aus. Wer den Blutzucker oder die Niere abklären lässt, sollte seine Präparate nennen – dann wird im Blut oder über das Albumin im Urin nachgemessen. Vitamin C hemmt außerdem die Glykierung – relevant für das Fructosamin.

Was den Wert beeinflusst

An erster Stelle stehen die Zufuhr der letzten Tage und Nahrungsergänzungsmittel. Dazu kommen Rauchen – die DGE veranschlagt dafür einen höheren Bedarf –, Schwangerschaft und Stillzeit, Schilddrüsenüberfunktion, chronischer Alkoholkonsum, Malabsorption und die Hämodialyse.53 Und schließlich: Licht, Wärme und Zeit vor der Messung.14

Neues aus der Forschung

Nach aktuellen, in PubMed indexierten Arbeiten:

  • Der deutsche Präparatemarkt liegt weit über dem Bedarf. Eine Marktanalyse der Medizinischen Hochschule Hannover (2025) prüfte 106 Vitamin-C-Präparate aus deutschen und US-Onlineshops: mittlere Tagesdosis 613,9 mg, drei Viertel über der empfohlenen Zufuhr. 80 % werben mit der Stärkung des Immunsystems, obwohl regelmäßige Einnahme Erkältungen nicht seltener macht.9
  • Erkältung: kleiner Effekt, klare Grenzen. Eine Übersichtsarbeit von 2025 fasst zusammen: In der Allgemeinbevölkerung verhinderte Vitamin C keine Erkältungen; in 15 Studien mit 6.244 Teilnehmenden sank die Schwere um 15 %, und nur bei schwerer körperlicher Belastung halbierte sich die Häufigkeit.12
  • Hochdosis-Infusion bei Krebs: die erste große randomisierte Studie war negativ. In einer doppelblinden Phase-II-Studie (2024) erhielten 47 Männer mit metastasiertem Prostatakarzinom Docetaxel mit oder ohne hochdosiertes intravenöses Vitamin C: kein Vorteil beim PSA-Ansprechen, bei der Lebensqualität, beim progressionsfreien Überleben. Abbruch wegen Aussichtslosigkeit.13
  • Im Krankenhaus wird der Mangel unterschätzt. Eine Übersichtsarbeit (2024) zu stationären Erwachsenen in einkommensstarken Ländern fand einen Vitamin-C-Mangel häufiger als erwartet – ein Argument, bei schwerer Krankheit daran zu denken statt breit zu screenen.14

Diese Erkenntnisse betreffen Diagnostik und Forschung; sie ersetzen nicht das ärztliche Gespräch.

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Ein Vitamin-C-Wert allein gelesen sagt wenig: Er hängt von Ihrer letzten Mahlzeit, Ihren Präparaten und dem Transportweg der Probe ab. Aussagekräftig wird er erst im Zusammenhang – mit Ihren Eisenwerten, Ihrem großen Blutbild und Ihren übrigen Vitaminwerten.

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Häufige Fragen

Was ist der Normalwert von Vitamin C im Blut? Orientierend 4,6 – 14,9 mg/l (Universitätsklinikum Ulm), also etwa 26 – 85 µmol/l; andere deutsche Labore nennen 4,0 – 15,0 mg/l.13

Was sind die Symptome eines Vitamin-C-Mangels? Zuerst unspezifisch: Müdigkeit, Leistungsschwäche, schlechtere Wundheilung, Hautveränderungen. Typisch sind Zahnfleischbluten und Zahnfleischwucherungen, flächige blaue Flecken und bei Kindern Beinschmerzen bis zur Gehverweigerung.18

Gibt es Skorbut heute noch? In der manifesten Form „kommt diese in den industrialisierten Ländern in der Regel nicht mehr vor".1 Einzelfälle treten weiter auf – bei hochselektivem Essverhalten, Mangelernährung, Essstörungen, chronischem Alkoholkonsum oder Isolation.8 Bereits 10 mg pro Tag verhindern laut DGE den klassischen Skorbut.5

Warum ist ein niedriger Vitamin-C-Wert manchmal ein Messfehler? Weil das Molekül extrem instabil ist: Im Serum hält es bei +4 °C nur drei Stunden.4 Ohne Lichtschutz, sofortige Zentrifugation und Tiefkühlversand fällt der Wert falsch niedrig aus.13

Wie viel Vitamin C am Tag ist sinnvoll – und was ist zu viel? Die DGE nennt 110 mg für Männer und 95 mg für Frauen pro Tag, 155 bzw. 135 mg für Rauchende, 105 mg in der Schwangerschaft, 125 mg in der Stillzeit.5 Für Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt das BfR höchstens 250 mg pro Tagesdosis.2

Verursacht Vitamin C Nierensteine? Pauschal nein: Die EFSA fand bei gewohnheitsmäßiger Zufuhr von 1.500 mg pro Tag kein erhöhtes Risiko für Nierensteine.2 Vorsicht gilt aber bei eingeschränkter Nierenfunktion und nach früheren Nierensteinen.9

Hilft Vitamin C gegen Erkältungen? Nicht zur Vorbeugung: Nach 29 Studien mit rund 11.000 Teilnehmenden schützt die tägliche Einnahme die meisten Menschen nicht und verkürzt die Dauer nur um etwa 10 %; wer erst mit Beginn der Erkältung anfängt, profitiert nicht.105

Kann Vitamin C andere Laborwerte verfälschen? Ja. Hohe Dosen können auf dem Urinteststreifen die Felder für Blut und Glukose falsch negativ machen; Laborstudien fanden dies auch für Bilirubin und Nitrit.67 Vitamin C hemmt zudem die Glykierung, was das Fructosamin beeinflusst.

Das Wichtigste zum Schluss

Vitamin C (Ascorbinsäure) muss täglich über frisches Obst und Gemüse aufgenommen werden und ist für Kollagen, Neurotransmitter und die Eisenaufnahme unentbehrlich. Merken Sie sich die Größenordnung – orientierend 4,6 – 14,9 mg/l (≈ 26 – 85 µmol/l) – vor allem aber die Grenzen des Werts: Er zeigt die jüngste Zufuhr statt der Reserven und wird durch Licht, Wärme und Transportzeit falsch niedrig. Bestimmt wird er nur bei Fehl- und Mangelernährung, bei Verdacht auf Präskorbut/Skorbut und an der Hämodialyse.1 Der schwere Mangel ist selten geworden, aber nicht verschwunden – und einmal erkannt gut korrigierbar. Rund um Hochdosis-Präparate lohnt der nüchterne Blick auf die deutschen Quellen: 250 mg Höchstmenge laut BfR, kein bewiesener Erkältungsschutz laut DGE und IQWiG, beim Thema Krebs weder ein Für noch ein Wider in der S3-Leitlinie.251011 Kein Laborwert steht für sich – dabei hilft AI DiagMe, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

Deutsche Bundesinstitute, Fachgesellschaften, Universitätskliniken und wissenschaftliche Publikationen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:

Footnotes

  1. Universitätsklinikum Ulm, Zentrale Einrichtung Klinische Chemie – Leistungsverzeichnis Vitamin C (FB-PÄ 6 VC OE, ID 22032, Revision 002 vom 19.08.2025): Einheit mg/l, Referenzbereich orientierend 4,6 – 14,9 mg/l; Li-Heparin-Plasma; „Vitamin C ist licht- und wärmeempfindlich"; Indikationen Fehl- und Mangelernährung/parenterale Ernährung, Präskorbut/Skorbut und Moeller-Barlow-Krankheit, Hämodialysen; akkreditierte HPLC-UV-Bestimmung. uniklinik-ulm.de (PDF) 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18

  2. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) – Höchstmengenvorschläge für Vitamin C in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln (250 mg pro Tagesverzehrempfehlung eines NEM, 60 mg/100 g feste Lebensmittel, 16 mg/100 ml Getränke; kein UL der EFSA ableitbar; EFSA-Orientierungswert 1.000 mg; „kein erhöhtes Risiko für Nierensteine" bei 1.500 mg/Tag; Unsicherheitsfaktor 2) und die Infografik Vitamin C – Je mehr, desto besser? (Hauptquellen, Gehalte pro 100 g, E 300 in Wurstwaren, Fazit zu Präparaten). bfr.bund.de (PDF) · Infografik (PDF) 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

  3. Endokrinologikum / Aesculabor Hamburg – Leistungsverzeichnis, Eintrag Vitamin C (Referenzbereich 4,0 – 15,0 mg/l; Skorbut-Werte < 2 mg/l; „1,0 ml Serum, gefroren und vor Licht geschützt"; Zentrifugation innerhalb von 30 Minuten, −20 °C, Schutz vor UV-Strahlung durch braune Versandhülse oder Alufolie; „Vor Blutabnahme Vitamin C-Aufnahme vermeiden"; HPLC; Indikationen u. a. Mangelernährung, Malabsorption, chronischer Alkoholkonsum, Schwangerschaft, Hyperthyreose, Hämodialyse). endokrinologikum-aesculabor.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

  4. Universitätsklinikum Köln, Institut für Klinische Chemie – Leistungsverzeichnis, Eintrag Vitamin C (= Ascorbinsäure): Serum (Monovette braun); Stabilität bei +4 °C 3 Stunden, bei −20 °C 2 Monate; „Da Vitamin C sehr labil ist, sollte die Probe möglichst schnell ins Labor gebracht werden." leistungsverzeichnis.uk-koeln.de 2 3 4

  5. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) – Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Vitamin C (110 mg/Tag Männer, 95 mg/Tag Frauen, 155 bzw. 135 mg/Tag für Rauchende, 105 mg Schwangerschaft, 125 mg Stillzeit; zuletzt überarbeitet 2015) und Ausgewählte Fragen und Antworten zu Vitamin C (kein bewiesener Erkältungsschutz ab ≥ 200 mg/Tag; klassischer Skorbut nur „bei dauerhaft fehlender Vitamin-C-Zufuhr", bereits 10 mg/Tag verhindern ihn; empfohlene Zufuhr „wird in Deutschland von allen Altersgruppen überschritten oder in etwa erreicht"). dge.de – Referenzwerte · dge.de – FAQ 2 3 4 5 6 7 8

  6. Roche Diagnostics Deutschland – Produktinformation Combur-Test®-Produktlinie (Urinteststreifen): „in der Urinprobe vorhandenes Vitamin C kann falsch-negative Testergebnisse auf den Testfeldern Blut und Glukose verursachen"; ca. 20 % aller Urinproben mit hohen Vitamin-C-Konzentrationen; 109 von 407 Patienten mit negativem Urinbefund trotz mikroskopisch nachgewiesener Hämaturie; Schutz der Testfelder durch Jodat; Nierenschwelle ab ca. 60 mg Tageszufuhr bzw. Plasma-Ascorbat von ca. 1,2 – 1,8 mg/dl. roche.de 2 3 4 5

  7. Unic A, Nikolac Gabaj N, Miler M, et al. Ascorbic acid — A black hole of urine chemistry screening. J Clin Lab Anal, 2018; 32(5):e22390. PubMed · DOI 2 3

  8. Posch M, Erbis A, Pommerening H. Scurvy Due to Malnutrition in Autistic Spectrum Disorder (deutsch: „Skorbut unter Mangelernährung bei Autismus-Spektrum-Störung"). Dtsch Arztebl Int, 2025; 122(9):234. Siebenjähriger Junge mit hochselektivem Essverhalten; Ekchymosen, rezidivierende orale Blutungen, Gingivahyperplasie, Beinschmerzen mit Gehverweigerung; Ascorbinsäure im Serum 0,5 mg/l (Referenzbereich 4,6 – 14,9 mg/l); Rückbildung unter oraler Substitution. PubMed · DOI 2 3 4 5 6 7

  9. Decke J, Seifert R. Market analysis of vitamin C-containing dietary supplements in Germany and the USA: Consumer information and risks and benefits. Naunyn Schmiedebergs Arch Pharmacol, 2025; 398(11):15807–15823 (Institut für Pharmakologie, Medizinische Hochschule Hannover). PubMed · DOI 2 3

  10. IQWiG / gesundheitsinformation.de – Schützt Vitamin C vor Erkältungen? (29 Studien, rund 11.000 Kinder und Erwachsene, überwiegend ≥ 1.000 mg/Tag; „Täglich vorbeugend Vitamin C einzunehmen, kann die meisten Menschen nicht vor Erkältungen schützen"; Verkürzung der Erkrankungsdauer um etwa 10 %; kein Effekt bei Einnahmebeginn erst mit der Erkältung). gesundheitsinformation.de 2 3

  11. Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) – Was ist dran: Hochdosiertes Vitamin C bei Krebs? (Stand 26.07.2021): „Sichere wissenschaftliche Belege für diese Aussagen fehlen allerdings"; „Verschiedene onkologische Leitlinien raten davon ab, Vitamin C zeitgleich zu einer Strahlentherapie und/oder Chemotherapie zu verabreichen"; die Autoren der S3-Leitlinie „sprechen daher weder eine Empfehlung für noch gegen die Anwendung von hochdosiertem Vitamin C bei Krebspatienten aus". krebsinformationsdienst.de 2

  12. Hemilä H, Chalker E. Vitamin C for the common cold and pneumonia. Pol Arch Intern Med, 2025; 135(1):16926. PubMed · DOI

  13. Paller CJ, Zahurak ML, Mandl A, et al. High-Dose Intravenous Vitamin C Combined with Docetaxel in Men with Metastatic Castration-Resistant Prostate Cancer: A Randomized Placebo-Controlled Phase II Trial. Cancer Res Commun, 2024; 4(8):2174–2182. PubMed · DOI

  14. Golder JE, Bauer JD, Barker LA, et al. Prevalence, risk factors, and clinical outcomes of vitamin C deficiency in adult hospitalized patients in high-income countries: a scoping review. Nutr Rev, 2024; 82(11). PubMed · DOI

Avertissement médical. Cette fiche est fournie à titre informatif et éducatif ; elle ne constitue pas un avis médical et ne remplace pas une consultation. Les valeurs de référence varient selon les laboratoires et les techniques : seul votre médecin peut interpréter vos résultats dans votre contexte.