Testosteron: Normalwerte, Testosteronmangel und Messung
Testosteron wird morgens zwischen 8 und 10 Uhr nüchtern gemessen – ab Mittag fällt der Wert um rund 20 %. Normalwerte, Einheiten und die Rolle der SHBG.
Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon – und der Laborwert, bei dem der Zeitpunkt der Blutentnahme über das Ergebnis mitentscheidet. Wer nachmittags Blut abnehmen lässt, bekommt einen niedrigeren Wert und läuft Gefahr, einen Testosteronmangel zu vermuten, wo keiner ist. Diese Seite erklärt, wann und wie richtig gemessen wird, welche Normalwerte gelten, warum Gesamt-Testosteron und freies Testosteron zwei verschiedene Dinge sind – und was der Markt der „Testosteron-Booster" wirklich belegen kann. Testosteron gehört zum Hormonstatus.
Das Wichtigste in Kürze
- Blutentnahme morgens zwischen 8 und 10 Uhr, nüchtern. Ab Mittag fällt der Testosteronwert um etwa 20 %; Labore geben nachmittags 20–40 % niedrigere Spiegel an.12
- Ein einzelner niedriger Wert ist keine Diagnose: Ein Testosteronmangel gilt erst nach zwei morgendlichen Messungen an zwei verschiedenen Tagen – zusammen mit passenden Beschwerden – als belegt.34
- Orientierend beim erwachsenen Mann: 2,71–10,7 ng/ml (9,4–37,1 nmol/l); bei der Frau 0,16–0,78 ng/ml (0,54–2,72 nmol/l) – laborabhängig.5
- Die SHBG bindet 50–70 % des Testosterons. Bei Adipositas, Diabetes oder Schilddrüsenstörung verschiebt sie das Ergebnis – ein „normales" Gesamt-Testosteron kann dann täuschen.3
- Nur bei maximal 5 % der Männer, die wegen Verdacht auf Hypogonadismus vorstellig werden, besteht eine harte Therapie-Indikation. Bei den übrigen soll zuerst die Ursache behandelt werden.3
- Für „Testosteron-Booster" mit Tribulus terrestris ist die behauptete anabole Wirkung nicht nachgewiesen; zugelassene gesundheitsbezogene Aussagen gibt es für die Pflanze nicht.6
Was ist Testosteron?
Testosteron ist ein Steroidhormon aus der Gruppe der Androgene. Beim Mann wird es überwiegend in den Leydig-Zellen der Hoden gebildet, bei der Frau in kleinen Mengen in Eierstöcken und Nebennierenrinde. Es steuert die Ausbildung der Geschlechtsmerkmale, Libido, Muskel- und Knochenmasse, die Körperbehaarung, die Spermienbildung – und über die Niere auch die Bildung roter Blutkörperchen.
Die Produktion wird von der Hirnanhangdrüse über LH und FSH gesteuert; die Werte von LH und FSH zeigen deshalb, ob eine Störung im Hoden selbst oder eine Ebene höher liegt. Im Blut zirkuliert Testosteron kaum frei: Rund 50–70 % sind an das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG) gebunden, 20–30 % locker an Albumin, etwa 4 % an andere Proteine – und nur 1–3 % liegen tatsächlich frei vor.3
Wozu wird Testosteron bestimmt?
- Beim Mann: bei Beschwerden, die auf einen Mangel hindeuten – nachlassende Libido, weniger morgendliche Erektionen, chronische Müdigkeit, Abnahme der Muskelkraft, depressive Verstimmung, unklare Anämie.3
- Bei der Frau: bei Zeichen eines Androgenüberschusses – Hirsutismus, Akne, Zyklusstörungen – im Rahmen der PCOS-Abklärung.7
- Zur Kontrolle: bei bekannter Hypophysen- oder Hodenerkrankung und unter ärztlich verordneter Hormontherapie.
Testosteron wird selten allein bestimmt. Je nach Fragestellung kommen Prolaktin, Östradiol, DHEA-S, Progesteron oder Cortisol dazu – und die Schilddrüsenwerte, weil eine Über- oder Unterfunktion die SHBG verändert.3
Muss man für Testosteron nüchtern sein?
Ja – und noch wichtiger ist die Uhrzeit. Das ist der entscheidende präanalytische Punkt bei diesem Wert.
Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) formuliert es unmissverständlich: Die Referenzwerte gelten für eine „Blutentnahme zwischen acht und zehn Uhr morgens in nüchternem Zustand", denn „ab Mittag fällt der Testosteronwert um etwa 20 Prozent ab". Einzelmessungen seien „daher kritisch zu werten".1 Deutsche Labore verlangen entsprechend eine Blutentnahme morgens zwischen 8 und 10 Uhr und mindestens 8 Stunden nüchtern, mit dem Hinweis auf 20–40 % niedrigere Spiegel am Nachmittag – und auf mindestens zwei Blutentnahmen an zwei verschiedenen Tagen.2 Auch international gilt: gemessen wird an einer nüchternen Morgenprobe, und ein niedriger Wert wird wiederholt.8
Bei Frauen kommt der Zyklus dazu: Die Blutentnahme sollte möglichst 3 bis 5 Tage nach Beginn der Monatsblutung erfolgen.5
Eine ehrliche Einordnung: Wie stark der Tagesgang ausfällt, hängt vom Alter ab. Eine Untersuchung an 506 Männern mit Verdacht auf Testosteronmangel (Medianalter 65 Jahre) fand im Mittel keinen signifikanten Unterschied zwischen morgendlichem und nachmittäglichem Gesamt-Testosteron; die größten Schwankungen zeigten Männer unter 30 Jahren.9 Die Regel „morgens messen" bleibt Standard – ihre Begründung trägt aber vor allem bei jüngeren Männern.
Testosteron-Normalwerte: Tabelle
Die folgenden Werte sind Orientierungswerte. Referenzbereiche hängen von Geschlecht, Alter und Messverfahren ab – maßgeblich ist immer der Bereich, der auf Ihrem Befund steht.
| Situation | Gesamt-Testosteron | Umrechnung |
|---|---|---|
| Mann ab 18 Jahren | 2,71–10,7 ng/ml | 9,4–37,1 nmol/l · 271–1070 ng/dl |
| Frau ab 18 Jahren | 0,16–0,78 ng/ml | 0,54–2,72 nmol/l · 16–78 ng/dl |
| Unauffällig beim Mann (meist keine weitere Diagnostik) | > 3,5 ng/ml | > 12 nmol/l |
| Graubereich (freies Testosteron mitbeurteilen) | 2,3–3,5 ng/ml | 8–12 nmol/l |
| Hypogonadismus belegt (zweimal morgens) | < 2,3 ng/ml | < 8 nmol/l |
Werte für Mann und Frau nach dem IQWiG-Portal gesundheitsinformation.de, Schwellen nach der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.53
Einheiten – eine echte Fehlerquelle. Deutsche Befunde nutzen ng/ml, ng/dl oder nmol/l nebeneinander. Es gilt: 1 ng/ml = 100 ng/dl und 1 ng/ml ≈ 3,47 nmol/l. 3,5 ng/ml sind also 350 ng/dl und rund 12 nmol/l. Wer zwei Befunde vergleicht, muss zuerst die Einheit auf dem Bogen prüfen – die untere Grenze wird von deutschen Fachgesellschaften je nach Quelle mit 7 bis 12 nmol/l angegeben, allein daraus entstehen Missverständnisse.1
Ergebnisse verstehen
Testosteronmangel (Hypogonadismus) beim Mann
Ein Hypogonadismus ist keine Zahl, sondern die Kombination aus erniedrigtem Wert und passenden Beschwerden. Der Ablauf in Deutschland ist klar beschrieben: Liegt das morgendliche Gesamt-Testosteron über 12 nmol/l (3,5 ng/ml), ist meist keine weitere Diagnostik nötig. Liegt es darunter, wird kontrolliert – zusammen mit LH, Prolaktin und SHBG. Erst bei zweimaliger morgendlicher Bestimmung unter 8 nmol/l (2,3 ng/ml) gilt die Diagnose als belegt; im Graubereich 8–12 nmol/l wird zusätzlich das freie Testosteron herangezogen.3
Unterschieden werden drei Formen: der primäre Hypogonadismus (Störung im Hoden, z. B. Klinefelter-Syndrom), der sekundäre (Störung in der Hirnanhangdrüse, z. B. Hyperprolaktinämie, Hämochromatose) – und der funktionelle, mit Abstand häufigste. Er ist Folge von Adipositas, metabolischem Syndrom, chronischer Entzündung, Depression, exzessivem Sport oder Niereninsuffizienz. Hier ist der niedrige Testosteronwert „oft nur ein Biomarker dieser Erkrankungen" – die alleinige pharmakologische Anhebung bewirkt selten eine nachhaltige Besserung.3 Deshalb lohnt der Blick auf Blutzucker, HbA1c, Cholesterinwerte und Leberwerte: Bei Männern mit Adipositas ist der niedrige Wert häufig rückbildungsfähig, wenn Gewicht und Stoffwechsel sich bessern.10
Gesamt-, freies und bioverfügbares Testosteron – warum SHBG alles verändert
Weil nur 1–3 % des Testosterons frei vorliegen, hängt der Gesamtwert stark davon ab, wie viel SHBG im Blut ist. Und die SHBG schwankt erheblich:3
- SHBG erhöht – und damit das Gesamt-Testosteron scheinbar besser als die tatsächliche Wirkung: höheres Alter, Schilddrüsenüberfunktion, Lebererkrankungen und Leberzirrhose, Wachstumshormonmangel, Anorexia nervosa, HIV-Erkrankung.
- SHBG erniedrigt – der Gesamtwert wirkt dann schlechter, als er ist: Adipositas, Diabetes mellitus und Insulinresistenz, Schilddrüsenunterfunktion, nephrotisches Syndrom, Glukokortikoide, Gestagene.
Praktisch heißt das: Ein „normales" Gesamt-Testosteron bei hoher SHBG kann einem tatsächlich niedrigen freien Testosteron entsprechen – und umgekehrt kann bei starkem Übergewicht mit niedriger SHBG ein rechnerisch niedriger Gesamtwert noch einen ausreichenden freien Anteil verbergen. Deshalb empfiehlt die Arzneimittelkommission im Graubereich das berechnete freie Testosteron; direkte Assays für freies Testosteron und der freie Androgenindex gelten hierfür als obsolet.3 Auch international wird zur Berechnung statt zur Direktmessung geraten.8
Testosteron bei der Frau: PCOS und Hirsutismus
Bei Frauen ist Testosteron kein „Vitalitätshormon", sondern ein Baustein der Abklärung einer Hyperandrogenämie. Die S2k-Leitlinie der DGE zum polyzystischen Ovarsyndrom (AWMF 089-004, 2025) empfiehlt im Konsens (14/14): zum Nachweis einer Hyperandrogenämie sollen „vorzugsweise Gesamttestosteron, Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG), Freier Androgenindex (FAI) und ggf. Androstendion und Dehydroepiandrosteron-Sulfat (DHEAS)" bestimmt werden.7
Wichtig für die Erwartungshaltung: Das Gesamt-Testosteron allein erfasst nur 20–30 % der Frauen mit PCOS, der berechnete FAI oder das freie Testosteron 50–60 %. Wegen der begrenzten Sensitivität der Assays existieren keine absoluten Referenzwerte für die PCOS-Diagnose.7 Ein normales Testosteron schließt ein PCOS also nicht aus – und ein leicht erhöhter Wert beweist es nicht. Bei ausgeprägtem Hirsutismus oder rascher Entwicklung von Virilisierungszeichen gehört die Abklärung androgenbildender Tumoren dazu.7
Eine Testosterontherapie bei Frauen ist international eng begrenzt: Der globale Konsens sieht als einzige belegte Indikation die Hypoactive Sexual Desire Disorder nach der Menopause und hält fest, dass es keinen validen Laborwert für einen weiblichen „Testosteronmangel" gibt.11
„Testosteron steigern": was belegt ist – und was Werbung verspricht
Rund um dieses Hormon ist ein großer Markt entstanden: frei verkäufliche „Testosteron-Booster", Selbsttests und Privatpraxen, die Substitution anbieten. Der nüchterne Stand:
- Nahrungsergänzungsmittel. Für Tribulus terrestris, den Klassiker unter den Boostern, „konnte die behauptete anabole Wirkung bisher nicht nachgewiesen werden"; positive Ergebnisse stammen aus Fallberichten mit wenigen Teilnehmenden. Für die Pflanze gibt es keine von der EU-Kommission zugelassenen gesundheitsbezogenen Aussagen – Hersteller setzen deshalb Zink oder Vitamin D zu, um deren erlaubte Claims nutzen zu können. Und: „Es ist nicht auszuschließen, dass Produkte mit Tribulus terrestris nicht angegebene anabole oder androgene Steroide enthalten."6
- Was tatsächlich wirkt, ist unspektakulär: Jede Verbesserung eines beeinflussbaren Faktors hebt das körpereigene Testosteron – „sehr gut ist das insbesondere belegt für eine Gewichtsabnahme bei Adipositas".310 Schlaf, Bewegung und die Behandlung einer zugrunde liegenden Erkrankung gehören dazu.
- Die Therapie ist ein Arzneimittel, kein Lifestyle-Produkt. In placebokontrollierten Studien zeigten sich signifikante Effekte vor allem auf Libido und Sexualleben; Effekte auf körperliche oder psychische Vitalität waren „vernachlässigbar gering bzw. nicht nachweisbar", und bei Typ-2-Diabetes und Adipositas fand sich kein Effekt auf HbA1c, Gewicht oder BMI.3 Ohne klares Defizit zeigten Studien keinen gesundheitlichen Nutzen.1
- Verordnungsrealität. Das BfArM veröffentlichte 2025 eine Studie zu Testosteron-Verordnungen in Deutschland: von 2009 bis 2021 ein „starker Anstieg der Verordnungsprävalenz", besonders bei 20- bis 29-Jährigen. Bei etwa einem Drittel der Erstverordnungen fand sich keine Diagnose, die auf eine zugelassene Indikation hindeutet – und selbst bei kodiertem Hypogonadismus waren nur bei rund 60 % die erforderlichen zwei Messungen dokumentiert.12
Zu den Risiken einer Substitution zählen die Aktivierung schlafender Prostatatumore und eine übermäßige Bildung roter Blutkörperchen mit Thromboserisiko.1 Deshalb gehören unter Therapie Blutbild und PSA zur Überwachung; eine Polyglobulie mit Hämatokrit über 50 % gilt als absolute Kontraindikation, ab 54 % soll die Therapie abgebrochen oder die Dosis reduziert werden.3 Sichtbar wird das zuerst an steigendem Hämoglobin und Hämatokrit im großen Blutbild. Diese Entscheidungen trifft ausschließlich Ihre Ärztin oder Ihr Arzt – setzen Sie eine laufende Therapie nie eigenmächtig ab.
Einflussfaktoren
Neben Uhrzeit und Nüchternheit verändern den Wert: das Alter (langsamer, moderater Abfall), das Körpergewicht, akute Erkrankungen, starker Schlafmangel, exzessives Training, Alkohol, Depression sowie Medikamente wie Opioide und Glukokortikoide.3 Auch die Messmethode zählt: Immunoassays sind im unteren Männerbereich und über den gesamten Frauenbereich ungenau, Goldstandard ist die Massenspektrometrie – ein Laborwechsel kann deshalb einen Sprung erzeugen, der keiner ist.8 Nennen Sie im Gespräch Ihre Medikamente und die genaue Uhrzeit der Blutentnahme. Bei Verdacht auf eine Hämochromatose als Ursache eines sekundären Hypogonadismus gehören die Eisenwerte dazu.3
Neue Erkenntnisse aus der Forschung
- Herz-Kreislauf: die große Sicherheitsstudie. Die TRAVERSE-Studie an rund 5 200 hypogonadalen Männern mit kardiovaskulärem Risiko zeigte für eine Testosterontherapie keine Zunahme schwerer kardiovaskulärer Ereignisse gegenüber Placebo – bei etwas häufigerem Vorhofflimmern und Lungenembolien, was eine Überwachung nötig macht.13
- Adipositas als umkehrbare Ursache. Aktuelle Übersichten bestätigen: Bei Männern mit Adipositas ist die niedrige Testosteronkonzentration überwiegend funktionell und bessert sich mit Gewichtsabnahme – die Ursachenbehandlung steht vor der Substitution.10
- Tagesrhythmus differenzierter als gedacht. Die oben genannte Auswertung von 506 Männern fand im höheren Lebensalter im Mittel keinen relevanten Morgen-Nachmittag-Unterschied, während junge Männer stark schwankten – ein Argument dafür, das Alter bei der Interpretation eines Nachmittagswerts mitzudenken, ohne die Morgenregel aufzugeben.9
- Die diagnostische Schwelle bleibt umstritten. Wegen unterschiedlicher Assays existiert bis heute kein universell akzeptierter unterer Grenzwert für gesunde erwachsene Männer.814
Diese Ergebnisse betreffen Diagnostik und Versorgung. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen nicht das ärztliche Gespräch.
Lassen Sie Ihren Testosteronwert im Zusammenhang lesen
Ein Testosteronwert allein sagt wenig. Erst zusammen mit der Uhrzeit der Blutentnahme, der SHBG, Ihrem Gewicht, Ihren Beschwerden und dem übrigen Hormonstatus ergibt er ein Bild.
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Häufige Fragen
Wann sollte man Testosteron messen lassen? Morgens zwischen 8 und 10 Uhr und nüchtern. Die Referenzwerte gelten für genau diese Bedingungen; ab Mittag fällt der Wert um etwa 20 %, Labore nennen nachmittags 20–40 % niedrigere Spiegel.12
Muss man für den Testosteron-Wert nüchtern sein? Ja. Deutsche Labore verlangen mindestens 8 Stunden Nüchternheit, die DGE nennt ausdrücklich den „nüchternen Zustand".12
Welcher Testosteronwert ist beim Mann normal? Orientierend 2,71–10,7 ng/ml (9,4–37,1 nmol/l) ab 18 Jahren.5 Über 12 nmol/l (3,5 ng/ml) ist meist keine weitere Diagnostik nötig; unter 8 nmol/l (2,3 ng/ml) in zwei Morgenmessungen gilt ein Hypogonadismus als belegt.3 Maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund.
Wie rechnet man ng/ml, ng/dl und nmol/l um? 1 ng/ml = 100 ng/dl; 1 ng/ml ≈ 3,47 nmol/l. Beispiel: 3,5 ng/ml = 350 ng/dl ≈ 12 nmol/l.
Reicht eine einzige Messung für die Diagnose Testosteronmangel? Nein. Es braucht zwei morgendliche Bestimmungen – nach Laborempfehlung an zwei verschiedenen Tagen – plus passende Beschwerden.324 Das BfArM stellte 2025 fest, dass diese zwei Messungen längst nicht immer dokumentiert sind.12
Mein Gesamt-Testosteron ist normal, ich habe trotzdem Beschwerden. Wie kann das sein? Möglich, wenn die SHBG erhöht ist – etwa durch Alter, Schilddrüsenüberfunktion oder eine Lebererkrankung. Dann kann das freie Testosteron niedriger sein, als der Gesamtwert vermuten lässt. Im Graubereich 8–12 nmol/l wird deshalb das berechnete freie Testosteron beurteilt.3
Bringen Testosteron-Booster aus der Drogerie etwas? Für Tribulus terrestris ist die anabole Wirkung nicht nachgewiesen, und es existieren keine EU-zugelassenen gesundheitsbezogenen Aussagen für die Pflanze. Verunreinigungen mit nicht deklarierten Steroiden sind nicht auszuschließen.6
Was bedeutet ein erhöhtes Testosteron bei der Frau? Zusammen mit Hirsutismus, Akne oder Zyklusstörungen ist das PCOS die häufigste Ursache. Ein normales Testosteron schließt ein PCOS jedoch nicht aus: Der Gesamtwert erfasst nur 20–30 % der Betroffenen.7
Warum wird unter einer Testosterontherapie das Blutbild kontrolliert? Weil Testosteron die Bildung roter Blutkörperchen anregt. Ab einem Hämatokrit über 54 % soll die Therapie abgebrochen oder die Dosis reduziert werden.31
Ist eine Testosterontherapie gefährlich fürs Herz? Die TRAVERSE-Studie fand bei hypogonadalen Männern mit kardiovaskulärem Risiko keine Zunahme schwerer Ereignisse, aber mehr Vorhofflimmern – daher die ärztliche Überwachung.13
Das Wichtigste zum Schluss
Beim Testosteron entscheidet die Präanalytik über die Aussagekraft: morgens zwischen 8 und 10 Uhr, nüchtern, und bei niedrigem Ergebnis eine zweite Messung. Erst bestätigter Wert plus Beschwerden ergeben einen Hypogonadismus – meist ist er funktionell und damit über Gewicht, Stoffwechsel und Grunderkrankung beeinflussbar. Die SHBG erklärt, warum ein Gesamtwert täuschen kann; bei der Frau dient das Testosteron der PCOS-Abklärung, nicht der „Vitalität". Kein Wert steht für sich – dabei hilft AI DiagMe, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Quellen
Offizielle deutsche Quellen und wissenschaftliche Publikationen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:
Footnotes
-
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) – Testosteronmangel: Nur wenige Männer sind tatsächlich therapiebedürftig. Pressemitteilung vom 18. September 2023, mit Prof. Dr. med. Stephan Petersenn. endokrinologie.net ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8
-
Medizinisches Labor Prof. Schenk / Dr. Ansorge und Kollegen – Testosteronmessung bei Männern (Blutentnahme 8–10 Uhr, nüchtern ≥ 8 Stunden, mindestens 2 Entnahmen an 2 Tagen). schenk-ansorge.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
-
Diederich S. Differenzialdiagnostik und -therapie des männlichen Hypogonadismus. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Arzneiverordnung in der Praxis, 1. Februar 2021. akdae.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19 ↩20
-
Kliesch S. Testosteronmangel im Alter: Normal oder pathologisch? Deutsches Ärzteblatt 2015; 112(37). aerzteblatt.de · DOI ↩ ↩2
-
IQWiG – gesundheitsinformation.de: Testosteron. Referenzwerte für Frauen und Männer ab 18 Jahren, Blutentnahme zwischen 8 und 10 Uhr morgens, bei Frauen 3–5 Tage nach Einsetzen der Monatsblutung. gesundheitsinformation.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Verbraucherzentrale – Testosteron-Booster Tribulus: Was kann das Erdsternchen wirklich? verbraucherzentrale.de ↩ ↩2 ↩3
-
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie – S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie des polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS), AWMF-Registernummer 089-004, Version 1.1, Stand 2025 (Empfehlung 1.2.7, Konsensstärke 14/14). register.awmf.org ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
-
Kanakis GA, Tsametis CP, Goulis DG. Measuring testosterone in women and men. Maturitas, 2019. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Novaes LF, Flores JM, et al. Analysis of diurnal variation in serum testosterone levels in men with symptoms of testosterone deficiency. J Sex Med, 2024. PubMed · DOI ↩ ↩2
-
Muir CA, Wittert GA, Handelsman DJ. Approach to the Patient: Low Testosterone Concentrations in Men With Obesity. J Clin Endocrinol Metab, 2025. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
-
Davis SR, Baber R, Panay N, et al. Global Consensus Position Statement on the Use of Testosterone Therapy for Women. J Clin Endocrinol Metab, 2019. PubMed · DOI ↩
-
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – Testosteronhaltige Arzneimittel: Möglicher Hinweis auf die Anwendung außerhalb der zugelassenen Indikation. Risikoinformation vom 25. September 2025. bfarm.de ↩ ↩2
-
Lincoff AM, Bhasin S, et al. Cardiovascular Safety of Testosterone-Replacement Therapy. N Engl J Med, 2023. PubMed · DOI ↩ ↩2
-
Bhasin S, Brito JP, et al. Testosterone Therapy in Men With Hypogonadism: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab, 2018. PubMed · DOI ↩