Natrium-Wert im Blut: Normwerte und Hyponatriämie
Natrium liegt bei Erwachsenen etwa bei 135–145 mmol/l. Ein zu niedriger Wert heißt fast nie Salzmangel, sondern zu viel Wasser im Körper.
Natrium ist das wichtigste Salz des Blutes – und einer der am häufigsten missverstandenen Laborwerte. Denn die Zahl auf Ihrem Befund misst nicht, wie viel Salz Sie essen, sondern das Verhältnis von Wasser zu Salz in Ihrem Körper. Deshalb heißt „Natrium zu niedrig“ fast nie „Salzmangel“, sondern meistens: zu viel Wasser. Die Hyponatriämie ist zugleich die häufigste Elektrolytstörung überhaupt und betrifft besonders ältere Menschen.1 Dieser Ratgeber erklärt die Normwerte in mmol/l, welche Medikamente hinter einem niedrigen Wert stecken – und warum er niemals im Alleingang „aufgefüllt“ werden darf. Natrium ist der Leitwert der Elektrolyte.
Das Wichtigste in Kürze
- Natrium (Na⁺) ist das wichtigste Kation außerhalb der Zellen; es hält die Flüssigkeitsverteilung und den osmotischen Druck aufrecht.2
- Richtwert für Erwachsene: etwa 135–145 mmol/l – je nach Labor leicht verschieden.32
- ⚠️ Der zentrale Punkt: Die Natriumkonzentration wird „nicht durch Zufuhr oder Ausscheidung von Kochsalz, sondern durch die Zufuhr und Ausscheidung von Wasser reguliert“.1 Ein niedriger Wert ist deshalb fast immer ein Wasserproblem.
- Hyponatriämie (unter 135 mmol/l) ist die häufigste Elektrolytstörung; das Risiko steigt mit dem Alter.14
- Häufigste Auslöser: SIADH, Thiaziddiuretika, Antidepressiva, Herzinsuffizienz, Leberzirrhose, Nierenschwäche – und zu viel Trinken.1567
- ⚠️ Sicherheitspunkt: Ein niedriges Natrium zu schnell anzuheben, kann das Gehirn schädigen (osmotisches Demyelinisierungssyndrom).8 Korrigiert wird deshalb ausschließlich ärztlich und langsam.
- Hypernatriämie (über 145 mmol/l) bedeutet meist Wassermangel, typisch bei hochbetagten Menschen, die zu wenig trinken.93
Was ist Natrium – und warum es kein Salzspeicher ist
Natrium ist ein Elektrolyt: ein geladenes Teilchen, das im Blut und in der Flüssigkeit zwischen den Zellen gelöst ist. Während Kalium vor allem innerhalb der Zellen sitzt, ist Natrium „das wichtigste extrazelluläre Kation und dient zur Aufrechterhaltung der Flüssigkeitsverteilung und des osmotischen Drucks“.2 Vereinfacht: Wo Natrium ist, dorthin zieht Wasser.
Genau daraus folgt die Eigenschaft, die den Wert so oft missverständlich macht. Der Körper regelt seinen Natriumspiegel nicht über das Salz, sondern über das Wasser – gesteuert vom antidiuretischen Hormon (ADH, auch Vasopressin). Osmorezeptoren im Hypothalamus registrieren die Konzentration des Blutes und stellen daraufhin zwei Stellschrauben ein: das Durstgefühl und die Wasserrückresorption in der Niere.1
Ein Natriumwert ist deshalb eine Konzentration, kein Vorrat: Er sagt, wie stark Ihr Blut verdünnt ist – nicht, wie viel Salz in Ihrem Körper steckt. Ein Mensch kann literweise Salz und Wasser eingelagert haben (etwa bei Herzschwäche mit Ödemen) und trotzdem ein niedriges Natrium aufweisen, weil das Wasser stärker zugenommen hat als das Salz.
⚠️ Der Denkfehler Nr. 1: „Natrium zu niedrig heißt Salzmangel“
Das ist das häufigste Missverständnis rund um diesen Wert. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft formuliert es unmissverständlich: „Der Hyponatriämie liegt in der Regel kein Natriummangel, sondern primär eine Störung des Flüssigkeitshaushaltes des Körpers zu Grunde.“1
Mehr noch: Bei der häufigsten Form, dem SIADH, ist die orale Zufuhr von Natrium – laut AkdÄ „häufigste therapeutische Maßnahme in der ambulanten Medizin“ – in der Regel kontraproduktiv und verstärkt die Hyponatriämie sogar.1 Mehr Salz zu essen ist also keine Selbsthilfe, sondern kann je nach Ursache schaden.
Davon strikt zu trennen ist die Ernährungsfrage. Wenn die Deutsche Gesellschaft für Ernährung einen Richtwert von 1 500 mg Natrium pro Tag nennt (rund 3,8 g Kochsalz; 23,0 mg = 1 mmol), geht es um Blutdruck und Speisesalzzufuhr – nicht um Ihren Blutwert.10 Beide Themen heißen „Natrium“ und haben fast nichts miteinander zu tun.
Warum wird Natrium bestimmt?
Natrium gehört zum Standardpaket fast jeder Blutuntersuchung. Typische Anlässe:2
- Störungen des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts – Verdacht auf Austrocknung oder Überwässerung;
- anhaltendes Erbrechen oder Durchfall, starkes Schwitzen, Fieber;
- Nierenschwäche und Ödeme – gemeinsam mit Kreatinin und Harnstoff;
- unklare neurologische Symptome: Verwirrtheit, Kopfschmerzen, Gangunsicherheit, Krampfanfälle;
- Kontrolle unter Medikamenten, die den Wasserhaushalt verändern – vor allem Diuretika und Antidepressiva.
Ein einzelner Natriumwert sagt wenig. Aussagekräftig wird er erst zusammen mit dem Volumenstatus, dem Urin-Natrium und der Osmolalität in Blut und Urin – diese drei Schritte stehen laut AkdÄ am Anfang jeder Abklärung.1 Im Labor wird Natrium fast immer gemeinsam mit Kalium und Chlorid bestimmt.
Nüchtern sein – und zahlt die Kasse?
Für Natrium ist Nüchternheit nicht erforderlich. Steht „nüchtern“ auf Ihrer Überweisung, liegt das an anderen Werten desselben Röhrchens. Kommen Sie aber normal getrunken: Weder ein Trinkexzess noch ausgeprägter Durst kurz vor der Blutentnahme ergeben ein repräsentatives Bild.
Eine Besonderheit des deutschen Systems: Natrium gehört nicht zur gesetzlichen Gesundheitsuntersuchung ab 35 Jahren. Der Gemeinsame Bundesausschuss sieht dort aus dem Blut ausschließlich das Lipidprofil (siehe Cholesterinwerte) und die Nüchternplasmaglucose (siehe Blutzucker) vor.11 Bei Beschwerden, unter Diuretika oder bei bekannter Herz-, Leber- oder Nierenerkrankung wird Natrium selbstverständlich im Rahmen der regulären Versorgung bestimmt.
Normwerte in mmol/l
Natrium wird fast überall mit einer ionenselektiven Elektrode gemessen und in mmol/l angegeben.2 Die Richtwerte gelten für Erwachsene; maßgeblich ist Ihr Befund.
| Befund | Wert | Einheit |
|---|---|---|
| Normbereich (Erwachsene) | 135 – 145 | mmol/l3 |
| Normbereich (deutsches Labor, Beispiel) | 136 – 145 | mmol/l2 |
| Hyponatriämie | unter 135 | mmol/l12 |
| Hypernatriämie | über 145 | mmol/l12 |
Warum zwei leicht verschiedene Bereiche? Das ist kein Widerspruch, sondern Normalität: Referenzbereiche hängen vom Verfahren und vom untersuchten Kollektiv ab. Vergleichen Sie deshalb nie eine Zahl mit einem Bereich aus dem Internet, sondern immer mit dem Bereich Ihres Labors. Kinder haben etwas niedrigere Werte.3
Die Hyponatriämie wird nach Ausmaß abgestuft: mild (130–135 mmol/l), mäßig (unter 130) und schwer (unter 120).1 Ein Wert von 134 bedeutet also etwas völlig anderes als einer von 118.
Ihre Werte verstehen
Natrium zu niedrig (Hyponatriämie)
Die Hyponatriämie ist die häufigste Elektrolytstörung überhaupt: Laut AkdÄ haben 15–20 % der Krankenhauspatientinnen und -patienten eine, und das Risiko steigt mit dem Alter.1 Ärztlich wird zuerst der Volumenstatus bestimmt, weil er die Ursachen in drei Gruppen sortiert – hypovoläm (zu wenig Flüssigkeit), normovoläm und hypervoläm (zu viel Flüssigkeit); die normovoläme Form ist die häufigste.1
Die typischen Ursachen im Alltag:
- SIADH – das Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion ist laut AkdÄ die häufigste Ursache einer Hyponatriämie.1 Dabei schüttet der Körper Vasopressin aus, obwohl das Blut schon verdünnt ist, und hält Wasser zurück. Auslöser sind unter anderem Lungenerkrankungen, Erkrankungen des Nervensystems, Tumoren und sehr häufig Medikamente.113
- Thiaziddiuretika („Wassertabletten“ gegen Bluthochdruck). Sie sind ein klassischer Auslöser; Risikofaktoren sind höheres Alter, weibliches Geschlecht und niedriges Körpergewicht. Wichtig: Die Störung tritt zwar oft kurz nach Therapiebeginn auf, kann aber auch erst nach Monaten oder Jahren erscheinen.5
- Antidepressiva. Eine Metaanalyse von 39 Studien mit über 8 Millionen Personen fand unter Antidepressiva eine deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Hyponatriämie; die höchsten Ereignisraten zeigten SNRI (7,44 %) und SSRI (5,59 %), die niedrigsten Mirtazapin und Trazodon.6 ⚠️ Das ist ein Grund für ärztliche Kontrolle – kein Grund, ein verordnetes Medikament eigenmächtig abzusetzen.
- Organerkrankungen: Herzinsuffizienz, Leberzirrhose (siehe Leberwerte) und das nephrotische Syndrom führen zur hypervolämen Form – der Körper ist überwässert, das Natrium verdünnt.1
- Hormonelle Ursachen: eine Schilddrüsenunterfunktion und eine Nebennierenrindenschwäche können eine normovoläme Hyponatriämie auslösen; deshalb gehören TSH und Cortisol zur Abklärung – siehe auch Schilddrüsenwerte.1
- Verluste über Magen und Darm: anhaltendes Erbrechen, Durchfall, Pankreatitis.1
Und wenn man einfach zu viel trinkt? Auch das senkt Natrium – die im Netz als „Wasservergiftung“ bekannte Situation. Klinisch relevant wird sie vor allem im Ausdauersport: Bei der belastungsassoziierten Hyponatriämie trinken Läuferinnen und Läufer während eines Marathons mehr, als sie ausscheiden können. Die Botschaft ist unbequem, aber gut belegt: Beim Ausdauersport ist nicht maximales Trinken das Ziel, sondern bedarfsgerechtes.7
Welche Beschwerden macht ein niedriges Natrium? Entscheidend ist weniger die Höhe als die Geschwindigkeit des Abfalls. Das Spektrum reicht von scheinbarer Beschwerdefreiheit über Antriebslosigkeit, Gedächtnisstörungen, Übelkeit und Kopfschmerzen bis zu Verwirrtheit, Gangunsicherheit und – bei schweren Formen – Krampfanfällen und Bewusstlosigkeit. Auch eine milde, chronische Hyponatriämie ist nicht harmlos: Sie wird oft gar nicht bemerkt, verändert aber die zerebrale Leistungsfähigkeit, führt zu vermehrten Stürzen und gilt als Risikofaktor für Osteoporose, weil sie die Knochendichte senkt.1
⚠️ Warum ein niedriges Natrium nicht schnell korrigiert werden darf
Das ist der wichtigste Sicherheitspunkt dieses Ratgebers. Wird ein länger bestehendes niedriges Natrium zu rasch angehoben, kann das osmotische Demyelinisierungssyndrom (ODS) entstehen – früher „zentrale pontine Myelinolyse“ genannt. Das Gehirn hat sich an die Verdünnung angepasst; eine abrupte Umkehr setzt die Nervenzellen unter osmotischen Stress und schädigt die Myelinscheiden.8
Eine Übersichtsarbeit der Universitätsklinik Freiburg im Deutschen Ärzteblatt hält fest: Die häufigste Ursache eines ODS ist eine Hyponatriämie – und die wichtigste Maßnahme ist die Vorbeugung, weil es für das manifeste ODS bis heute keine evidenzbasierte Behandlung gibt.8
Daraus folgt ganz praktisch: Es gibt keine sinnvolle Selbstbehandlung eines niedrigen Natriums. Nicht mehr Salz essen, nicht mehr trinken, nicht weniger trinken – ohne zu wissen, welche der drei Formen vorliegt, kann jede dieser Maßnahmen die Situation verschlechtern. Die Ursachenklärung ist laut AkdÄ „die unverzichtbare Voraussetzung für eine adäquate Therapie“.1
Natrium zu hoch (Hypernatriämie)
Ein Natriumwert über 145 mmol/l ist deutlich seltener und bedeutet fast immer dasselbe: zu wenig Wasser im Verhältnis zum Salz. Typisch ist die hochbetagte oder pflegebedürftige Person, die zu wenig trinkt oder deren Durstempfinden nachgelassen hat – ebenso Kinder, die Flüssigkeit über Fieber, Erbrechen oder Durchfall verlieren. Eine extrem hohe Kochsalzzufuhr kommt ebenfalls in Betracht, ist aber die Ausnahme.3
Seltener steckt ein Diabetes insipidus dahinter: ein Mangel an ADH oder eine fehlende Wirkung an der Niere, wodurch große Mengen verdünnten Urins verloren gehen. Fachlich wird die Hypernatriämie – wie die Hyponatriämie – heute als Störung der Tonizität verstanden, also der Wasserverteilung im Körper, nicht als Salzproblem. Auch hier erfolgt die Rückführung schrittweise und ärztlich überwacht.9
Pseudohyponatriämie: wenn der Wert nur scheinbar niedrig ist
Ein niedriges Natrium ist nicht immer echt. Die Pseudohyponatriämie ist laut AkdÄ ein Laborartefakt: Sehr hohe Lipide, sehr hohe Glukose oder sehr hohe Proteine stören die korrekte Messung.1 Betroffen sind vor allem indirekte Verfahren, bei denen die Probe vor der Messung verdünnt wird.
Praktisch heißt das: Bei stark erhöhten Triglyceriden oder einem stark erhöhten Gesamteiweiß – etwa durch ein Paraprotein – kann ein „zu niedriges“ Natrium gemeldet werden, obwohl der wahre Wert normal ist. Ein Hinweis darauf ist eine normale Plasma-Osmolalität trotz niedrigem Natrium.1 Auch ein sehr hoher Blutzucker senkt das gemessene Natrium – hier allerdings real, weil Glukose Wasser aus den Zellen zieht.
Einflussfaktoren
Auf den Natriumwert wirken vor allem: Ihre Flüssigkeitsbilanz, Medikamente (Thiaziddiuretika, Antidepressiva, Antiepileptika, Desmopressin), die Nierenfunktion – ablesbar an Kreatinin, Cystatin C und Harnstoff –, Erkrankungen von Herz und Leber, Hormone (ADH, Schilddrüse, Nebenniere) sowie das Alter. Besondere Risikomomente sind laut AkdÄ die postoperative Phase, der Beginn einer Thiazidtherapie, die Vorbereitung auf eine Koloskopie und der Beginn einer Desmopressin-Behandlung.1 Nennen Sie in der Praxis daher immer alle Medikamente – auch rezeptfreie.
Neues aus der Forschung
Aus aktuellen, in PubMed indexierten Veröffentlichungen:
- Diagnose vor Therapie. Aktuelle Übersichten betonen: Eine Hyponatriämie lässt sich nur über Volumenstatus, Urin-Natrium und Osmolalität einordnen – und Tempo wie Ausmaß der Korrektur richten sich nach den Beschwerden, nicht nach der Zahl allein.413
- Antidepressiva sind nicht gleich Antidepressiva. Die Metaanalyse von 39 Studien zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Wirkstoffklassen; SNRI lagen über SSRI, Mirtazapin deutlich darunter.6
- Thiazide: das Risiko bleibt auch nach Jahren. Eine nephrologische Übersicht widerlegt die verbreitete Annahme, thiazidbedingte Hyponatriämien träten nur zu Therapiebeginn auf.5
- Zu schnelle Korrektur bleibt gefährlich. Die Freiburger Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt betont, dass beim osmotischen Demyelinisierungssyndrom bis heute die Vorbeugung die entscheidende Maßnahme ist.8
Diese Erkenntnisse betreffen Diagnostik und ärztliche Behandlung. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen kein ärztliches Gespräch.
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Ein Natriumwert lässt sich nie allein lesen: Seine Bedeutung ergibt sich aus Ihrer Flüssigkeitsbilanz, Ihren Medikamenten, Ihrer Nierenfunktion (siehe Nierenwerte), Ihrer Schilddrüse (siehe Schilddrüsenwerte) und dem Verlauf über die Zeit.
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Häufige Fragen
Welcher Natriumwert ist normal? Bei Erwachsenen etwa 135–145 mmol/l.3 Manche deutschen Labore geben 136–145 mmol/l an.2 Unter 135 spricht man von einer Hyponatriämie, über 145 von einer Hypernatriämie.12 Maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund.
Was bedeutet ein Natriumwert, der zu niedrig ist? Meist zu viel Wasser im Verhältnis zum Salz – nicht zu wenig Salz.1 Häufige Auslöser sind SIADH, Thiaziddiuretika, Antidepressiva, Herz-, Leber- oder Nierenerkrankungen sowie sehr hohe Trinkmengen.
Habe ich bei niedrigem Natrium einen Natriummangel – sollte ich mehr Salz essen? In aller Regel nein. Der Hyponatriämie liegt „in der Regel kein Natriummangel, sondern primär eine Störung des Flüssigkeitshaushaltes“ zugrunde; beim SIADH kann zusätzliches Salz die Situation sogar verschlechtern.1
Welche Symptome macht eine Hyponatriämie? Abhängig von Tempo und Ausmaß: Müdigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Übelkeit, Kopfschmerzen, Gangunsicherheit, Verwirrtheit – bei schweren Formen Krampfanfälle und Bewusstseinsstörungen. Schon eine milde, chronische Form erhöht die Sturzgefahr.1
Warum darf ein niedriges Natrium nicht schnell ausgeglichen werden? Weil sich das Gehirn an die Verdünnung angepasst hat. Eine zu rasche Anhebung kann ein osmotisches Demyelinisierungssyndrom auslösen, für das es keine etablierte Behandlung gibt – entscheidend ist die Vorbeugung.8 Deshalb gehört jede Korrektur in ärztliche Hand.
Kann zu viel Trinken das Natrium senken? Ja. Am besten belegt ist das im Ausdauersport: Bei der belastungsassoziierten Hyponatriämie wird während des Wettkampfs mehr getrunken, als ausgeschieden werden kann.7
Was ist eine Pseudohyponatriämie? Ein Messartefakt: Sehr hohe Lipide, Glukose oder Proteine können die Messung stören, sodass ein zu niedriger Wert gemeldet wird.1 Bei stark erhöhten Triglyceriden oder Gesamteiweiß lohnt ein zweiter Blick.
Ist Natrium dasselbe wie Speisesalz? Nein. Speisesalz ist Natriumchlorid; Natrium ist nur einer der beiden Bestandteile. Der Ernährungsrichtwert der DGE liegt bei 1 500 mg Natrium pro Tag, rund 3,8 g Salz.10 Ihr Blutwert hat damit kaum etwas zu tun – er misst das Verhältnis von Wasser zu Salz.
Zum Mitnehmen
Natrium ist der Laborwert des Wassers, nicht des Salzes. Merken Sie sich die Größenordnung (135–145 mmol/l, je nach Labor leicht verschieden) und vor allem den zentralen Satz: Ein zu niedriger Natriumwert bedeutet fast nie Salzmangel, sondern meist zu viel Wasser – häufig ausgelöst durch SIADH, Diuretika oder Antidepressiva. Die Hyponatriämie ist die häufigste Elektrolytstörung, betrifft besonders ältere Menschen und darf niemals im Alleingang korrigiert werden: Zu schnelles Anheben kann das Gehirn dauerhaft schädigen. Ein zu hoher Wert spricht dagegen meist für Flüssigkeitsmangel. Kein Laborwert steht für sich – erst das Gesamtbild aus den übrigen Elektrolyten, den Nierenwerten, Ihren Medikamenten und Ihren Symptomen ergibt Sinn. Dabei unterstützt Sie AI DiagMe, ergänzend zum ärztlichen Gespräch.
Quellen
Deutsche Institutionen, Leitlinien und Laboratorien sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden.
Footnotes
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Bullmann C. – Hyponatriämie. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Arzneiverordnung in der Praxis 2016;43(4):188–194: häufigste Elektrolytstörung (15–20 % der hospitalisierten Patienten), Definition < 135 mmol/l, Abstufung mild 130–135 / mäßig < 130 / schwer < 120, „in der Regel kein Natriummangel, sondern primär eine Störung des Flüssigkeitshaushaltes“, SIADH als häufigste Ursache, Pseudohyponatriämie durch Lipide/Glukose/Proteine, Hypothyreose und Nebenniereninsuffizienz, Stürze und verminderte Knochendichte, Risikosituationen (postoperativ, Thiazidbeginn, Koloskopievorbereitung, Desmopressin). akdae.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19 ↩20 ↩21 ↩22 ↩23 ↩24 ↩25
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Endokrinologikum / aesculabor Hamburg – Leistungsverzeichnis: Natrium: Referenzbereich Serum Erwachsene 136–145 mmol/l, Methode ionenselektive Elektrode, Natrium als wichtigstes extrazelluläres Kation, Indikationen. endokrinologikum-aesculabor.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7
-
IQWiG – Natrium, gesundheitsinformation.de: Referenzbereich Erwachsene ab 18 Jahren 135–145 mmol/l, niedrigere Werte bei Kindern; erniedrigte Werte meist durch Wasserüberschuss, erhöhte meist durch Flüssigkeitsmangel oder sehr hohe Kochsalzzufuhr. gesundheitsinformation.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6
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Adrogué HJ, Tucker BM, Madias NE. Diagnosis and Management of Hyponatremia: A Review. JAMA, 2022;328(3):280–291. PubMed · DOI ↩ ↩2
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Gheysens T, Van Den Eede F, De Picker L. The risk of antidepressant-induced hyponatremia: A meta-analysis of antidepressant classes and compounds. Eur Psychiatry, 2024;67(1):e20. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
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Klingert M, Nikolaidis PT, Weiss K, Thuany M, Chlíbková D, Knechtle B. Exercise-Associated Hyponatremia in Marathon Runners. J Clin Med, 2022;11(22):6775. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
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Lambeck J, Hieber M, Dreßing A, Niesen WD. Central Pontine Myelinosis and Osmotic Demyelination Syndrome. Dtsch Arztebl Int, 2019;116(35–36):600–606 (Universitätsklinikum Freiburg). PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
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Seay NW, Lehrich RW, Greenberg A. Diagnosis and Management of Disorders of Body Tonicity-Hyponatremia and Hypernatremia: Core Curriculum 2020. Am J Kidney Dis, 2020;75(2):272–286. PubMed · DOI ↩ ↩2
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Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) – Referenzwerte: Natrium: Richtwert 1 500 mg Natrium pro Tag ab 19 Jahren (rund 3,8 g Speisesalz); 23,0 mg Natrium = 1 mmol. dge.de ↩ ↩2
-
Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie (GU-RL), Fassung vom 20.11.2020, Anlage 1 Nr. 3 „Labor“: ab 35 Jahren aus dem Blut ausschließlich Lipidprofil und Nüchternplasmaglucose – Natrium ist nicht enthalten. g-ba.de ↩
-
DIVI, DGAI, DGPK, DGKJ, GNPI, DGKCH, AKIK – S2k-Leitlinie: Intravenöse Flüssigkeitstherapie bei Kindern jenseits der Neugeborenenperiode, AWMF-Register-Nr. 040-016, Stand 11/2022: Hyponatriämie < 135 mmol/l, Hypernatriämie > 145 mmol/l, Verdünnungs-Hyponatriämie durch ADH-Ausschüttung. register.awmf.org ↩ ↩2 ↩3
-
Warren AM, Grossmann M, Christ-Crain M, Russell N. Syndrome of Inappropriate Antidiuresis: From Pathophysiology to Management. Endocr Rev, 2023;44(5):819–861. PubMed · DOI ↩ ↩2