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IGF-1-Wert: Normalwerte nach Alter, erhöht oder zu niedrig

IGF-1 (Somatomedin C) zeigt, wie viel Wachstumshormon Ihr Körper bildet. Normalwerte sinken stark mit dem Alter, der SDS gilt zwischen -2 und +2 als normal.

Mis à jour le August 14, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

IGF-1 (Insulin-like Growth Factor 1, früher Somatomedin C) ist ein Hormon, das die Leber unter dem Einfluss des Wachstumshormons bildet. Es beantwortet die Frage, die das Wachstumshormon selbst nicht beantworten kann: Wie viel davon produziert der Körper – über den ganzen Tag gerechnet? Dieser Ratgeber erklärt, warum deshalb IGF-1 statt Wachstumshormon gemessen wird, welche Normalwerte in welchem Alter gelten, was der kryptische SDS-Wert auf Ihrem Befund bedeutet – und was von den „Anti-Aging"-Versprechen zu halten ist. IGF-1 gehört zum Hormonstatus.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wachstumshormon wird stoßweise ausgeschüttet, vor allem nachts. Eine einzelne Messung ist zur Diagnostik ungeeignet. IGF-1 dagegen schwankt kaum über den Tag und bildet die durchschnittliche Produktion ab.12
  • Es gibt keinen einen Normalwert. Die Bereiche hängen massiv von Alter und Geschlecht ab: Der Gipfel liegt in der Pubertät, danach fällt der Wert lebenslang ab.34
  • Viele deutsche Labore geben zusätzlich einen SDS (Standard-Deviation-Score) an. Zwischen -2 und +2 gilt er als normal – er vergleicht Sie mit Gleichaltrigen desselben Geschlechts.5
  • Erhöhtes IGF-1 ist der wichtigste Hinweis auf eine Akromegalie, einen meist gutartigen Hypophysentumor. Sie ist selten: in Deutschland ca. 300–500 Neuerkrankungen pro Jahr.67
  • Ein niedriges IGF-1 beweist keinen Wachstumshormonmangel – und ein normales IGF-1 schließt ihn nicht aus. Dafür braucht es Stimulationstests.28
  • Wachstumshormon und IGF-1 sind in Deutschland verschreibungspflichtig und stehen in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes. Als Verjüngungsmittel sind sie nicht belegt.910

Was ist IGF-1?

IGF-1 ist ein Eiweißhormon, das überwiegend in der Leber entsteht. Der Anstoß kommt aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse): Sie schüttet Wachstumshormon aus (GH, im deutschen Befund oft STH oder Somatotropin), und dieses veranlasst die Leber, IGF-1 zu bilden. Das Wachstumshormon gibt also den Befehl – IGF-1 führt einen Großteil der Wirkung aus: Längenwachstum im Kindesalter, Aufbau und Erhalt von Knochen und Muskulatur, dazu zahlreiche Stoffwechselwirkungen.61 Rund 95 % des IGF-1 zirkuliert an ein Bindungsprotein gebunden (IGFBP-3) – daher seine lange Halbwertszeit und seine diagnostische Stärke.1

IGF-1 ist nicht Insulin. Der Name kommt von der ähnlichen Struktur beider Moleküle. Mit der Blutzuckerregulation, also mit Blutzucker, HbA1c und Insulin, hat IGF-1 nur indirekt zu tun.

Warum IGF-1 und nicht das Wachstumshormon?

Das ist der Kern dieser Untersuchung. Wachstumshormon wird pulsatil freigesetzt: in Schüben, überwiegend im Nachtschlaf.6 Zwischen zwei Schüben kann der Spiegel praktisch nicht nachweisbar sein, im Schub um ein Vielfaches höher. Eine Blutentnahme trifft also eine Momentaufnahme – ohne Aussage über die Produktion insgesamt.

Deshalb ist die Regel eindeutig. Ein Berliner Labor formuliert sie knapp: „Einzelbestimmungen von Wachstumshormon sind zur Diagnostik ungeeignet."1 Auch die pädiatrische Leitlinie hält fest, eine einmalige basale Bestimmung des Wachstumshormons solle nicht durchgeführt werden.2

IGF-1 löst dieses Problem. Es unterliegt kaum pulsatilen oder tageszeitlichen Schwankungen und integriert die Wachstumshormon-Ausschüttung über viele Stunden.1 Deshalb ist IGF-1 der Screening-Parameter erster Wahl – und die Leitlinie verlangt seine Messung ausdrücklich vor allen aufwendigen Stimulationstests.2

Warum wird IGF-1 bestimmt?

IGF-1 ist kein Routinewert und gehört nicht in ein Vorsorge-Blutbild. Bestimmt wird es bei gezieltem Verdacht:13

  • Verdacht auf Akromegalie bei Erwachsenen – die häufigste Indikation.
  • Großwuchs bei Kindern und Jugendlichen (Gigantismus).
  • Kleinwuchs oder Wachstumsstörung im Kindesalter.
  • Wachstumshormonmangel im Erwachsenenalter, meist nach Hypophysenoperation, Bestrahlung oder Schädel-Hirn-Trauma.
  • Therapiekontrolle unter Wachstumshormon-Ersatz oder unter bremsenden Medikamenten.

Meist wird IGF-1 nicht allein bestimmt, sondern zusammen mit den anderen Hypophysenachsen: TSH-Wert und Schilddrüsenwerte, Prolaktin, ACTH und Cortisol sowie Testosteron beim Mann bzw. Östradiol bei der Frau.1

Muss ich nüchtern zur Blutentnahme?

Hier gehen die deutschen Labore auseinander. Labor 28 in Berlin gibt als Abnahmezeitpunkt „morgens nüchtern" an;1 andere Häuser machen keine Vorgabe, weil IGF-1 kaum tageszeitlich schwankt.35 Halten Sie sich also an Ihre Überweisung. Wichtiger als die Uhrzeit ist ohnehin: Längeres Fasten und Mangelernährung senken IGF-1 tatsächlich – nicht als Messfehler, sondern biologisch.2 Wer stark abnimmt oder eine restriktive Diät macht, sollte das ansprechen.

Normalwerte nach Alter und Geschlecht

Die folgenden Bereiche stammen aus dem Untersuchungsprogramm eines akkreditierten deutschen Labors (Methode ECLIA), angegeben in ng/ml. ng/ml und µg/l sind dasselbe – ein anderes deutsches Labor nennt für 30-jährige Männer denselben Bereich in µg/l.35

AlterMädchen & Frauen (ng/ml)Jungen & Männer (ng/ml)
1–2 Jahre18,7 – 10411,8 – 96,4
5–6 Jahre53 – 21636,6 – 156
10–11 Jahre112 – 39885,7 – 343
15–16 Jahre (Gipfel)151 – 485120 – 501
20–21 Jahre152 – 429136 – 421
30–31 Jahre112 – 281120 – 257
40–41 Jahre91,4 – 22798,5 – 229
50–51 Jahre75,7 – 21578,7 – 205
60–61 Jahre62 – 18661,1 – 191
70–71 Jahre53,5 – 16254,7 – 185

Der Punkt, der beruhigt: Ein Wert von 150 ng/ml liegt bei einer 15-Jährigen unter der Norm – bei einer 60-Jährigen mitten im Normalbereich. Ein „niedriges" IGF-1 mit 60 ist meist einfach ein normales IGF-1 für 60. Der altersbedingte Abfall ist Physiologie, keine Krankheit.34

Diese Bereiche gelten methodenspezifisch. Die Leitlinie verlangt einen Test mit alters-, geschlechts- und möglichst pubertätsstadienbezogenen Referenzwerten und stellt klar: Die Vergleichbarkeit verschiedener Bestimmungsmethoden ist nicht gewährleistet.2 Vergleichen Sie Ihren Wert also nie mit einer Tabelle aus dem Internet, sondern nur mit dem Bereich auf Ihrem Befund.

Der SDS auf Ihrem Befund – was das ist

Viele deutsche Befunde enthalten neben der Konzentration eine zweite, kryptische Zahl: den SDS (Standard-Deviation-Score, auch SD-Score oder z-Score). Sie steht dort, weil eine nackte Zahl in ng/ml ohne Alter nichts aussagt. Der SDS gibt an, um wie viele Standardabweichungen Ihr Wert vom Mittelwert Gleichaltriger desselben Geschlechts abweicht. Ein Labor in Chemnitz stellt klar: „Generell sind SD-Scores zwischen -2 und +2 als normal anzusehen."5

So lesen Sie ihn:

  • SDS 0 – genau der Durchschnitt Ihrer Altersgruppe; -2 bis +2 – normal.
  • SDS unter -2 – macht nach Ausschluss anderer Ursachen eine Störung der Wachstumshormon-IGF-1-Achse wahrscheinlich.2
  • SDS über +2 – deutlich überdurchschnittlich, abklärungsbedürftig.

Wichtig ist die Zwischenzone: Werte über -1 SDS machen einen Wachstumshormonmangel unwahrscheinlich, schließen ihn aber nicht aus. Deshalb sieht die Leitlinie Stimulationstests bereits für Kinder mit Werten unter -1 SDS vor, wenn die klinischen und auxologischen Kriterien passen.2

Ergebnisse deuten

IGF-1 erhöht

Ein deutlich über dem altersbezogenen Bereich liegendes IGF-1 weist vor allem auf einen Überschuss an Wachstumshormon hin. Beim Erwachsenen heißt das Akromegalie, bei Kindern vor Abschluss des Knochenwachstums Gigantismus (Riesenwuchs). Ursache ist fast immer ein gutartiger Tumor der Hirnanhangsdrüse; ein bösartiger Tumor ist laut DGE extrem selten.6

Die Akromegalie ist selten: In Deutschland werden ca. 300–500 Neuerkrankungen pro Jahr diagnostiziert, geschätzt 5 000–10 000 Menschen leben damit; die Diagnose fällt meist in die vierte oder fünfte Lebensdekade.6 Bemerkenswert ist die Verzögerung: Weil sich die Veränderungen über Jahre langsam entwickeln, vergehen nach Angaben der DGE oft fünf bis zehn Jahre, bis die Erkrankung erkannt wird.76 Typische Hinweise sind wachsende Ring- oder Schuhgrößen, gröbere Gesichtszüge, ein beidseitiges Karpaltunnelsyndrom, vermehrtes Schwitzen, Gelenkschmerzen und Schlafapnoe – jedes für sich unspezifisch, in der Kombination aber aussagekräftig.6

Ein erhöhter Wert allein ist noch keine Diagnose. Die internationale Konsensuskonferenz definiert: Bei typischer Klinik bestätigt ein IGF-1 über dem 1,3-Fachen des altersbezogenen oberen Normwerts die Diagnose.11 Gesichert wird sie in Deutschland durch einen oralen Glukosebelastungstest: Bei Gesunden fällt das Wachstumshormon nach dem Trinken der Zuckerlösung ab, bei Akromegalie nicht.6 Erst danach folgt die Bildgebung.

Moderat erhöhte Werte haben oft harmlose Gründe: Pubertät und Schwangerschaft gehen physiologisch mit höherem IGF-1 einher.1

IGF-1 zu niedrig

Ein niedriges IGF-1 macht Sorgen – meist zu Unrecht. Es kann ein Wachstumshormonmangel sein, hat aber viel häufiger andere Gründe. Bei Kindern ist der Wachstumshormonmangel selten: geschätzte Prävalenz 1:4 000 bis 1:30 000.2 Entscheidend ist dort ohnehin nicht der Laborwert, sondern das Wachstum selbst – die Leitlinie stellt klar, dass primär auxologische und klinische Parameter die Diagnose tragen.2

Bei Erwachsenen sind die Beschwerden unspezifisch: Müdigkeit, Muskelschwäche, Veränderungen der Körperzusammensetzung.1 Und hier liegt die wichtigste ehrliche Auskunft dieser Seite: Ein normales IGF-1 schließt einen Wachstumshormonmangel nicht aus. Nur in klar umrissenen Sonderfällen – etwa bei Ausfall mehrerer Hypophysenhormone – reicht ein IGF-1 unter -2,0 SDS zur Bestätigung; sonst sind zusätzlich Stimulationstests nötig.2 Die Delphi-Befragung der GH Research Society bestätigt das.8

Was den IGF-1-Spiegel sonst verändert

Bevor irgendjemand an die Hypophyse denkt, müssen die häufigen Gründe geprüft werden. Die Leitlinie führt sie ausdrücklich auf – Zustände, die IGF-1 senken, ohne dass ein Hypophysenproblem vorliegt:21

  • Mangelernährung, längeres Fasten, Malabsorption – der stärkste Störfaktor.
  • Schwere Leberfunktionsstörungen: Die Leber bildet IGF-1, siehe Leberwerte.
  • Schlecht eingestellter Diabetes mellitus – daher der Blick auf Blutzucker und HbA1c.
  • Schilddrüsenunterfunktion – deshalb gehört der TSH-Wert dazu.
  • Chronische Nieren- und andere chronische Erkrankungen, Adipositas, Sexualhormonmangel bei Hypogonadismus.
  • Konstitutionelle Verzögerung von Wachstum und Pubertät – eine Normvariante, keine Krankheit.

Dazu kommt ein Punkt, den viele Frauen nicht auf dem Schirm haben: orale Östrogene – Pille oder Hormonersatztherapie in Tablettenform – senken IGF-1, weil sie zuerst die Leber passieren und dort die Wachstumshormon-Wirkung dämpfen. Transdermale Präparate (Pflaster, Gel) tun das nicht.12 Nennen Sie deshalb alle Präparate, die Sie einnehmen.

Weil IGF-1 den Knochenstoffwechsel beeinflusst, wird es je nach Fragestellung gemeinsam mit Knochenstoffwechsel-Markern wie Calcium und Phosphat betrachtet.

„Anti-Aging" und Doping: was in Deutschland gilt

Wachstumshormon und IGF-1 werden als Verjüngungs- und Muskelaufbaumittel beworben. Dazu die Fakten, ohne Umschweife.

Rechtlich. Somatropin (Wachstumshormon), seine langwirksamen Varianten und Mecasermin – rekombinantes IGF-1 – stehen in Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung: Sie sind in Deutschland ausnahmslos verschreibungspflichtig. Beide stehen zusätzlich in der Anlage zum Anti-Doping-Gesetz, im Abschnitt „Peptidhormone, Wachstumsfaktoren, verwandte Stoffe und Mimetika". Nach § 2 AntiDopG ist es verboten, solche Mittel zum Zwecke des Dopings im Sport herzustellen, damit zu handeln, sie abzugeben oder zu verschreiben; auch Erwerb und Besitz in nicht geringer Menge sind verboten.9 Was im Internet als „Peptid" angeboten wird, ist damit kein Graubereich.

Medizinisch. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie hat eindeutig Stellung genommen: Placebokontrollierte Studien zur Wachstumshormon-Gabe bei Älteren zeigten „nur einen minimalen günstigen Effekt auf die Fettverteilung", während negative Effekte auf Zuckerstoffwechsel, Wassereinlagerungen und Gelenke dokumentiert sind und mögliche krebsfördernde Effekte bestehen – die DGE empfiehlt daher, auf eine Gabe zum Zweck des Anti-Aging ganz zu verzichten.10 Eine Übersicht zur Sportendokrinologie ordnet beide Stoffe entsprechend als von der Welt-Anti-Doping-Agentur verbotene Substanzklasse ein.13

Und der Gedanke „viel IGF-1 = jung"? Er ist falsch herum. Eine Auswertung der UK Biobank mit über 440 000 Teilnehmenden fand einen U-förmigen Zusammenhang – zu niedrige und zu hohe Werte sind mit Risiko verbunden – sowie einen Alterseffekt: Bei Jüngeren wirkt ein hohes IGF-1 eher schützend, bei Älteren ist es mit erhöhtem Risiko für Erkrankung und Sterblichkeit verbunden.14 IGF-1 ist außerdem kein Tumormarker.

Neue Erkenntnisse aus der Forschung

Aus aktuellen PubMed-Publikationen:

  • Ein Zahlenkriterium für die Akromegalie. Die 14. Akromegalie-Konsensuskonferenz (2024) legte fest: Bei typischer Klinik bestätigt ein IGF-1 über dem 1,3-Fachen der altersbezogenen Normobergrenze die Diagnose; eine zufällige Wachstumshormon-Messung ist dafür nicht erforderlich.11
  • Referenzwerte aus einer sehr großen Kohorte. Eine von München koordinierte Multizenterstudie (2014) mit 15 014 Personen von 0 bis 94 Jahren beschreibt den typischen Verlauf: Abfall nach der Geburt, Anstieg bis zum Gipfel mit etwa 15 Jahren, danach kontinuierliche Abnahme.4
  • Wo der Konsens endet. Eine Delphi-Befragung der GH Research Society (2025) erreichte bei Erwachsenen zu 88 % der Aussagen Konsens, bei Kindern nur zu 59 % – strittig blieb die Deutung der Stimulationstests.8

Diese Ergebnisse betreffen die Diagnostik; sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen nicht das ärztliche Gespräch.

Lassen Sie Ihren IGF-1-Wert einordnen

Ein IGF-1-Wert ist allein nie aussagekräftig: Seine Bedeutung hängt von Ihrem Alter, Ihrem Geschlecht, Ihrer Ernährung, Ihrer Leber, Ihrer Schilddrüse und den übrigen Hormonachsen ab – siehe Hormonstatus.

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Häufige Fragen

Welcher IGF-1-Wert ist normal? Das hängt von Alter und Geschlecht ab: ein 30-jähriger Mann orientierend 120–257 ng/ml, ein 60-Jähriger 61–191 ng/ml, eine 15-Jährige 151–485 ng/ml. Maßgeblich ist Ihr Befund.

Was macht IGF-1 im Körper? Es überträgt die Wirkung des Wachstumshormons: Längenwachstum im Kindesalter, Aufbau und Erhalt von Knochen und Muskulatur sowie zahlreiche Stoffwechselwirkungen.

Warum misst man IGF-1 statt Wachstumshormon? Weil Wachstumshormon stoßweise ausgeschüttet wird und eine Einzelmessung deshalb zur Diagnostik ungeeignet ist. IGF-1 schwankt kaum über den Tag.

Was bedeutet ein erhöhter IGF-1-Wert? Vor allem einen Überschuss an Wachstumshormon: Akromegalie bei Erwachsenen, Gigantismus bei Kindern – fast immer durch einen gutartigen Hypophysentumor. Bestätigt wird das erst durch einen oralen Glukosebelastungstest. Auch Pubertät und Schwangerschaft heben den Wert.

Was bedeutet ein niedriger IGF-1-Wert? Häufiger Mangelernährung, längeres Fasten, eine Lebererkrankung, ein schlecht eingestellter Diabetes oder eine Schilddrüsenunterfunktion als ein Wachstumshormonmangel. Ein niedriger Einzelwert beweist nichts.

Was ist der SDS auf meinem Befund? Der Standard-Deviation-Score vergleicht Ihren Wert mit dem Durchschnitt Gleichaltrigen desselben Geschlechts. Zwischen -2 und +2 gilt er als normal, 0 entspricht genau dem Durchschnitt.

Ist ein niedriges IGF-1 im Alter besorgniserregend? In aller Regel nicht. IGF-1 fällt ab der Pubertät lebenslang ab. Deshalb wird immer gegen die altersbezogene Norm verglichen, nicht gegen einen festen Wert.

Muss ich für die IGF-1-Bestimmung nüchtern sein? Die Vorgaben unterscheiden sich zwischen den Laboren; manche verlangen eine morgendliche Nüchternabnahme. Folgen Sie Ihrer Überweisung. Wichtiger: Längeres Fasten und Mangelernährung senken IGF-1 tatsächlich.

Ist IGF-1 ein Tumormarker? Taugt es als Anti-Aging-Mittel? Nein, in beiden Fällen. IGF-1 wird nicht zur Krebsfrüherkennung eingesetzt. Wachstumshormon und IGF-1 (Mecasermin) sind in Deutschland verschreibungspflichtig und stehen in der Anlage des Anti-Doping-Gesetzes; die DGE empfiehlt, auf eine Gabe zum Zweck des Anti-Aging ganz zu verzichten.

Auf einen Blick

IGF-1 wird in der Leber unter dem Einfluss des Wachstumshormons gebildet. Weil dieses in Schüben ausgeschüttet wird und eine Einzelmessung nichts aussagt, ist IGF-1 der Screening-Parameter erster Wahl für die somatotrope Achse. Es gibt keinen einen Normalwert: Die Bereiche hängen stark von Alter und Geschlecht ab, mit einem Gipfel um das 15. Lebensjahr und lebenslangem Abfall danach – ein „niedriger" Wert mit 60 ist meist schlicht normal. Der SDS macht das vergleichbar und gilt zwischen -2 und +2 als normal. Ein erhöhter Wert ist der wichtigste Hinweis auf eine seltene, meist gutartige Akromegalie und wird durch einen Glukosebelastungstest geprüft; ein niedriger Wert hat meist ernährungsbedingte, hepatische oder metabolische Gründe und beweist keinen Mangel – dafür braucht es Stimulationstests. Entscheidend ist das Gesamtbild Ihrer Marker, wie es AI DiagMe ergänzend zur ärztlichen Beurteilung aufbereitet.

Quellen

Deutsche Fachgesellschaften, Rechtstexte, Laborinformationen und wissenschaftliche Publikationen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:

Footnotes

  1. Labor 28 GmbH, Berlin — LaborInfo 51.5: Insulin-Like Growth Factor 1 (IGF-1, Somatomedin C) und IGFBP-3, verifiziert 04/2023. „Einzelbestimmungen von Wachstumshormon sind zur Diagnostik ungeeignet"; Indikationen; Abnahme morgens nüchtern; Ursachen erniedrigter Werte. labor28.de (PDF) 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

  2. Deutsche Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie — S2e-Leitlinie „Diagnostik des Wachstumshormonmangels im Kindes- und Jugendalter", AWMF-Registernummer 174-002, Version 3.0, Stand 14.03.2022, nächste Überprüfung geplant 11/2026 (gültig). Prävalenz, SDS-Grenzen -1 und -2, Störfaktoren, „Eine einmalige basale Bestimmung des Wachstumshormons sollte nicht durchgeführt werden". Langfassung (PDF) · Kurzfassung (PDF) 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

  3. MVZ Dr. Eberhard & Partner Dortmund (ÜBAG) — Untersuchungsprogramm, Eintrag Insulin like growth factor-1 (IGF-1): Methode ECLIA, vollständige alters- und geschlechtsbezogene Referenzbereiche in ng/ml, akkreditiert. medizin-zentrum-dortmund.de 2 3 4 5

  4. Bidlingmaier M, Friedrich N, Emeny RT, et al. Reference intervals for insulin-like growth factor-1 (IGF-I) from birth to senescence: results from a multicenter study using a new automated chemiluminescence IGF-I immunoassay conforming to recent international recommendations. J Clin Endocrinol Metab, 2014. PubMed · DOI 2 3

  5. Labor Chemnitz — Informationsbrief Nr. 08/2018, Mitteilung der berechneten SD-Scores für IGF-1 und IGFBP-3: „Generell sind SD-Scores zwischen -2 und +2 als normal anzusehen"; dazu das Leistungsverzeichnis IGF-1 mit Referenzbereichen in µg/l. Infobrief (PDF) · Leistungsverzeichnis 2 3 4

  6. Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) — Akromegalie. Ratgeber für Patient*innen und Angehörige. Physiologie, ca. 300–500 Neuerkrankungen pro Jahr, 5 000–10 000 Betroffene, Symptome, Diagnostik über IGF-1 und oralen Glukosebelastungstest. endokrinologie.net (PDF) 2 3 4 5 6 7 8

  7. Deutsches Ärzteblatt — Endokrinologen weisen auf Bedeutung einer frühen Diagnose bei Akromegalie hin, 12.11.2021. Diagnoseverzögerung von fünf bis zehn Jahren. aerzteblatt.de 2

  8. Arlien-Søborg MC, Radovick S, Boguszewski MCS, et al. Consensus and controversies about diagnosing GH deficiency: a Delphi survey by the GH research society. Pituitary, 2025. PubMed · DOI 2 3

  9. Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1: Somatropin, Somapacitan, Somatrogon und Mecasermin sind verschreibungspflichtig. Anti-Doping-Gesetz (AntiDopG), Anlage zu § 2 Absatz 3 (BGBl. 2023 I Nr. 67), Abschnitt II: Wachstumshormon (II.2.3), „Mecasermin, synonym Insulin-ähnlicher Wachstumsfaktor 1, Insulin-like Growth Factor -1 (IGF-1)" und IGF-1-Analoga (II.3); § 2 AntiDopG zu Herstellung, Handel, Abgabe, Verschreibung, Erwerb und Besitz. AMVV Anlage 1 · AntiDopG § 2 · AntiDopG Anlage 2

  10. Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) — Pressemitteilung „Anti-Aging-Hormone halten meist nicht, was sie versprechen", 18.09.2018. endokrinologie.net 2

  11. Giustina A, Biermasz N, Casanueva FF, et al. Consensus on criteria for acromegaly diagnosis and remission. Pituitary, 2024. PubMed · DOI 2

  12. Leung KC, Johannsson G, Leong GM, Ho KK. Estrogen regulation of growth hormone action. Endocr Rev, 2004. Orale, nicht aber transdermale Östrogengabe senkt die IGF-1-Produktion in der Leber. PubMed · DOI

  13. García-Arnés JA, García-Casares N. Doping and sports endocrinology: growth hormone, IGF-1, insulin, and erythropoietin. Rev Clin Esp (Barc), 2023. PubMed · DOI

  14. Zhang WB, Ye K, Barzilai N, Milman S. The antagonistic pleiotropy of insulin-like growth factor 1. Aging Cell, 2021. PubMed · DOI

Avertissement médical. Cette fiche est fournie à titre informatif et éducatif ; elle ne constitue pas un avis médical et ne remplace pas une consultation. Les valeurs de référence varient selon les laboratoires et les techniques : seul votre médecin peut interpréter vos résultats dans votre contexte.