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Vitamin B6: Mangel, Überdosierung und Normalwerte

Gemessen wird Pyridoxal-5-Phosphat, bei vielen Laboren 5–30 µg/l. Warum in Deutschland nicht der Mangel das Hauptproblem ist, sondern die Überdosierung.

Mis à jour le August 14, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Bei den meisten Vitaminen lautet die Frage: Habe ich zu wenig davon? Bei Vitamin B6 ist das in Deutschland die falsche Frage. Ein reiner Vitamin-B6-Mangel ist beim Menschen selten,1 während hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel weit verbreitet sind – und genau die können die Nerven schädigen. Deshalb hat die EFSA 2023 die tolerierbare Höchstaufnahme für Erwachsene von 25 auf 12 mg pro Tag halbiert, mit der peripheren Neuropathie als maßgeblichem Endpunkt; das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat seine Höchstmengenvorschläge daraufhin nach unten angepasst.2 Dieser Ratgeber erklärt, was das Labor überhaupt misst (nicht „Vitamin B6", sondern Pyridoxal-5-Phosphat), welche Normalwerte gelten, wann ein niedriger Wert kein Mangel ist – und warum die deutsche Polyneuropathie-Leitlinie Vitamin B6 in beide Richtungen als Risiko führt. Vitamin B6 gehört zu den Vitaminwerten.

Auf einen Blick

  • Bestimmt wird nicht „Vitamin B6", sondern die aktive Coenzymform Pyridoxal-5-Phosphat (PLP) im EDTA-Blut – lichtgeschützt und gekühlt, meist per HPLC.34
  • Referenzbereiche deutscher Labore: die Universitätsmedizin Rostock nennt 5–30 ng/ml (= µg/l), die Medizinischen Laboratorien Düsseldorf 5,7–55,1 µg/l. Die Untergrenzen stimmen fast überein, die Obergrenzen nicht – maßgeblich ist Ihr Befund.43
  • Das BfR empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 0,9 mg Vitamin B6 pro Tagesverzehrempfehlung; die tolerierbare Gesamtaufnahme (UL) liegt bei 12 mg/Tag für Erwachsene.2
  • Die deutsche Leitlinie „Diagnostik bei Polyneuropathien" (AWMF 030/067) hält fest: Hypo- oder Hypervitaminose können gleichermaßen zur Polyneuropathie führen – zu viel B6 macht dieselben Beschwerden wie zu wenig.5
  • Ein niedriger PLP-Wert ist nicht automatisch ein Mangel: Entzündung senkt das PLP im Plasma unabhängig von der Zufuhr, weshalb der Wert zusammen mit dem CRP gelesen wird.67
  • Ein hohes PLP bei gleichzeitig niedriger alkalischer Phosphatase ist ein eigener Befund und weist auf eine Hypophosphatasie hin – Vitamin-B6-Präparate können diese Abklärung verfälschen.89

Was Vitamin B6 ist – und was das Labor misst

„Vitamin B6" ist ein Sammelname für drei verwandte Pyridinderivate: Pyridoxin, Pyridoxal und Pyridoxamin sowie deren 5-Phosphatester.4 Aufgenommen werden sie über die Nahrung – Fleisch, Fisch, Innereien, Geflügel, Kartoffeln, Bananen, Hülsenfrüchte, Vollkorn. Die Leber wandelt sie in die eigentlich wirksame Form um: Pyridoxal-5-Phosphat (PLP).

PLP ist ein Coenzym für weit über hundert enzymatische Reaktionen – nach einer aktuellen Übersichtsarbeit für mehr als 160.10 Es steuert den Aminosäurestoffwechsel, die Bildung von Neurotransmittern und die Synthese des Hämoglobins und ist einer der drei Cofaktoren, die das Homocystein abbauen – zusammen mit Vitamin B12 und der Folsäure. Der Körperbestand liegt bei 40 bis 150 mg, die tägliche Umsatzrate bei rund 2,2 bis 2,4 Prozent.1

Genau deshalb steht auf Ihrem Befund fast nie „Vitamin B6" allein, sondern Vitamin B6 (Pyridoxal-5-Phosphat) oder kurz PLP: Diese eine Zahl bildet Ihren Versorgungsstatus ab.

B6 ist nicht B12 und nicht B9. Vitamin B6 (Pyridoxin), Vitamin B12 und die Folsäure sind drei verschiedene Vitamine mit drei verschiedenen Laborwerten. Sie arbeiten nur auf einer gemeinsamen Stoffwechselstrecke zusammen – dem Homocystein-Abbau – und werden deshalb oft im selben Vitaminstatus angefordert.

Warum Vitamin B6 gemessen wird

Der Wert ist kein Routine- und kein Vorsorgeparameter. Er wird gezielt angefordert:45

  • zur Abklärung einer Polyneuropathie: Die S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie führt die Vitamine B1, B6 und B12 im Basislabor – bei Verdacht auf Alkoholfolgen neben Transaminasen und MCV, bei Verdacht auf Malabsorption neben Vitamin E, Folsäure, Kupfer und Zink;5
  • bei Erkrankungen des Aminosäurestoffwechsels und bei Vitaminmangelzuständen allgemein;4
  • unter Pyridoxin-Antagonisten wie Isoniazid (Tuberkulosetherapie), Hydralazin, Cycloserin oder D-Penicillamin, die den Bedarf erhöhen;1
  • bei Verdacht auf eine Überdosierung durch Nahrungsergänzungsmittel – die Leitlinie nennt hier ausdrücklich „Anamnese, Vitaminspiegel" als diagnostisches Vorgehen bei erworbener Small-Fiber-Neuropathie;5
  • zur Abklärung einer dauerhaft niedrigen alkalischen Phosphatase.8

Muss man nüchtern sein?

Hier gehen die Angaben deutscher Labore auseinander. Die Universitätsmedizin Rostock schreibt: „Die Blutabnahme sollte morgens am nüchternen Patienten erfolgen."4 Die Medizinischen Laboratorien Düsseldorf nennen in der Präanalytik keine Nüchternheitsauflage.3 Praktisch heißt das: halten Sie sich an den Zettel Ihres Labors. Einig sind sich beide Häuser bei etwas anderem – die Probe muss lichtgeschützt und gekühlt transportiert werden, sonst zerfällt das PLP.

Wichtiger als die Nüchternheit ist ohnehin: Sagen Sie, ob Sie Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Ein Multivitaminpräparat oder B-Komplex hebt den Wert und macht ihn ohne diese Angabe nicht interpretierbar.

Vitamin B6: Normalwerte

Deutsche Labore geben das Ergebnis überwiegend in µg/l (identisch mit ng/ml) an, seltener in nmol/l. Umgerechnet wird über die Molmasse des PLP von rund 247 g/mol: 1 µg/l entspricht etwa 4 nmol/l.

LaborReferenzbereich (µg/l bzw. ng/ml)umgerechnet (nmol/l)
Universitätsmedizin Rostock, HPLC5 – 30~20 – 121
Medizinische Laboratorien Düsseldorf, FL-HPLC5,7 – 55,1~23 – 223

Was diese Tabelle zeigt – und was nicht. Die Untergrenzen der beiden Häuser liegen praktisch gleich: rund 5 µg/l, also etwa 20 nmol/l. Die Obergrenzen unterscheiden sich um fast das Doppelte, weil Methode und Kollektiv unterschiedlich sind. Ein Wert von 40 µg/l wäre in Düsseldorf normal und in Rostock erhöht. Genau deshalb gilt der Satz, der auf jeder Laborseite steht: maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem eigenen Befund. International wird ein Plasma-PLP von 30 nmol/l als ausreichend angesehen – eine aktuelle europäische Übersichtsarbeit hält diesen Schwellenwert allerdings für zu niedrig angesetzt.10

Vitamin B6 zu hoch: das eigentliche Problem

Ein erhöhtes PLP hat fast immer eine Ursache: Nahrungsergänzungsmittel. Und anders als bei vielen Vitaminen ist das nicht harmlos.

Die deutsche Fachinformation eines zugelassenen Vitamin-B6-Präparats formuliert es unmissverständlich: Bei langfristiger Einnahme von Tagesdosen über 50 mg Pyridoxinhydrochlorid sowie bei kurzfristiger Einnahme von Dosen im Gramm-Bereich wurden periphere sensorische Neuropathien beobachtet. Beim Auftreten von Parästhesien – Kribbeln, Ameisenlaufen – ist die Dosierung zu überprüfen. Die Überdosierung äußert sich „im Wesentlichen durch eine sensorische Polyneuropathie, ggf. mit Ataxie".1 Verdachtsfälle sind dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zu melden.1

Auf der Lebensmittelseite hat die EFSA ihre Risikobewertung 2023 neu vorgenommen und den tolerierbaren Upper Intake Level für Erwachsene von 25 auf 12 mg pro Tag reduziert; als Endpunkt wurde erneut das Auftreten peripherer Neuropathien gewählt. Für Kinder und Jugendliche liegen die Werte je nach Körpergewicht zwischen 4,5 mg (4 bis 6 Jahre) und 10,7 mg (15 bis 17 Jahre). Das BfR hat daraufhin in seiner Stellungnahme 008/2024 vom 22. Februar 2024 eine Höchstmenge von 0,9 mg pro Tagesverzehrempfehlung für Nahrungsergänzungsmittel vorgeschlagen.2 Zum Vergleich: Die von der DGE herausgegebenen D-A-CH-Referenzwerte nennen als empfohlene Zufuhr 1,4 mg/Tag für Frauen und 1,6 mg/Tag für Männer.112 Präparate mit 25, 50 oder 100 mg Vitamin B6 liegen also um ein Vielfaches über dem, was der Körper braucht – und über dem, was als sicher gilt.

Der eigentliche Merksatz steht in der deutschen Leitlinie: „Hypo- oder Hypervitaminose können gleichermaßen zur PNP führen."5 Zu viel Vitamin B6 macht dieselben Beschwerden wie zu wenig – Kribbeln, Taubheit, unsicherer Gang. Wer diese Symptome mit noch mehr B6 behandelt, verschlimmert sie.

Und Krebs? Vitamin B6 ist kein Tumormarker. Ein auffälliger Wert spricht über Ihre Ernährung, Ihre Medikamente, eine Entzündung oder Ihre Präparate – nicht über eine Tumorerkrankung.

Vitamin B6 Mangel: Symptome und Ursachen

Ein isolierter Vitamin-B6-Mangel ist selten; meist ist er mit einer Unterversorgung weiterer B-Vitamine kombiniert.14 Wenn er auftritt, betrifft er drei Organsysteme:1

  • Haut und Schleimhäute: seborrhoische, dermatitisartige Veränderungen, Blepharokonjunktivitis, entzündete Mundwinkel und Zunge;
  • Nervensystem: periphere Neuritiden, bei ausgeprägtem Mangel zerebrale Krämpfe – bei Säuglingen die klassische Manifestation;
  • Blut: eine hypochrome Anämie. Ein Vitamin-B6-Mangel vermindert zusätzlich die enterale Eisenaufnahme, weshalb ein auffälliges Blutbild und die Eisenwerte mit betrachtet werden.4

Zusätzlich beschrieben ist eine Hyperoxalurie mit Steinbildung in den ableitenden Harnwegen.1

Die realen Risikokonstellationen in Deutschland sind überschaubar: chronischer Alkoholkonsum (die Leitlinie nennt hier ausdrücklich das akut malnutritive Muster mit Thiamin- und B6-Mangel, abzuklären über Gamma-GT, MCV und CDT), bariatrische Operationen und Anorexie, Malabsorption, Dialyse und fortgeschrittene Nierenerkrankung – hier lohnt der Blick auf Nierenwerte und Kreatinin – sowie bestimmte Medikamente.54 Bei einer Isoniazid-Therapie ist die B6-Gabe deshalb fester Bestandteil der Prophylaxe.5

Wenn ein niedriger Wert kein Mangel ist

Das ist der am häufigsten übersehene Punkt. Entzündung senkt das Plasma-PLP – unabhängig davon, wie viel Vitamin B6 jemand isst.

In einer US-Kohorte mit 2.229 Erwachsenen lag das mittlere PLP im höchsten Entzündungsdrittel bei 61 nmol/l gegenüber 80 nmol/l im niedrigsten; der Zusammenhang blieb nach Berücksichtigung der Vitamin-B6-Zufuhr bestehen.6 In der bevölkerungsbasierten PREVEND-Studie war ein niedriges PLP zwar mit kardiovaskulären Ereignissen assoziiert, der Zusammenhang schwächte sich nach Adjustierung für Entzündungsparameter jedoch deutlich ab.7

Praktische Konsequenz: Ein niedriges PLP bei erhöhtem CRP oder auffälligen Entzündungswerten kann die Entzündung selbst abbilden – nicht einen Ernährungsmangel. Deshalb gehören BSG und CRP in dieselbe Beurteilung.

Vitamin B6 und die alkalische Phosphatase

Zwischen beiden Werten besteht ein direkter biochemischer Zusammenhang – nur in der Richtung, die man nicht erwartet. Die gewebeunspezifische alkalische Phosphatase spaltet PLP. Ist ihre Aktivität dauerhaft niedrig, staut sich PLP im Blut. Bei der Hypophosphatasie, einer erblichen Erkrankung mit Funktionsverlust dieses Enzyms, sind die PLP-Spiegel entsprechend erhöht – und zwar umso stärker, je ausgeprägter die Erkrankung ist.9

Deutsche Labore nutzen das diagnostisch: Bei erniedrigter alkalischer Phosphatase wird zur weiteren Abklärung die Bestimmung von Vitamin B6 (PLP) im EDTA-Blut sowie von Phosphoethanolamin im Urin empfohlen.8

Daraus folgt eine praktische Warnung: Wer Vitamin-B6-Präparate einnimmt, hat ein hohes PLP aus trivialem Grund – und kann diese Abklärung unbrauchbar machen.

Einflussfaktoren

Das PLP wird angehoben durch Nahrungsergänzungsmittel und angereicherte Lebensmittel sowie durch eine niedrige alkalische Phosphatase. Es wird gesenkt durch Entzündung, Alkohol, eingeschränkte Nierenfunktion, Alter, Schwangerschaft und eine unzureichende Zufuhr. Auf der Medikamentenseite senken Antikonvulsiva, trizyklische Antidepressiva und orale Kontrazeptiva die Vitamin-B6-Konzentration,4 während Pyridoxin-Antagonisten wie Isoniazid, Hydralazin, Cycloserin und D-Penicillamin den Bedarf erhöhen.1 Umgekehrt gilt: Vitamin B6 ab 5 mg pro Tag kann die Wirkung von Levodopa herabsetzen – relevant bei Parkinson-Therapie.1 Die Leberwerte helfen, den Umbau in die aktive Form einzuordnen.

Aktuelle Forschung

  • Regulierung wirkt – aber nicht vollständig. Die Niederlande senkten 2018 die zulässige Tageshöchstdosis für Vitamin B6 in Nahrungsergänzungsmitteln auf 21 mg. Eine Auswertung von 224 Verdachtsmeldungen bis Ende 2023 zeigt: Danach wurde praktisch keine Meldung mehr mit einer deutlich höheren Dosis registriert, und die Meldezahlen sanken ab der zweiten Jahreshälfte 2019. Neuropathien wurden aber auch unter niedrigeren Dosen weiter gemeldet – die Autoren fordern deshalb weitere Untersuchungen zu niedrig dosierten Präparaten.12
  • Warum gerade die sensiblen Nerven leiden. Eine mechanistische Übersichtsarbeit erklärt, wie hoch dosiertes Pyridoxin bevorzugt sensible Neuronen schädigt – unter anderem über eine Hemmung der Pyridoxalkinase, die paradoxerweise einen funktionellen B6-Mangel in der Zelle erzeugt, während der Blutspiegel hoch ist.13 Eine systematische Übersichtsarbeit bestätigt, dass Mangel und Überversorgung eine periphere Neuropathie auslösen können.14
  • Ist der Schwellenwert von 30 nmol/l zu niedrig? Der übliche Grenzwert für „ausreichend" stammt aus älteren Ableitungen. Eine europäische Übersichtsarbeit zeigt, dass ein Stoffwechselmarker des B6-Status bereits ansteigt, wenn das Plasma-PLP unter 100 nmol/l fällt, und deutlich steiler unterhalb von 50 nmol/l – was auf eine biochemische Unterversorgung schon oberhalb der klassischen Schwelle hindeutet.10

Diese Ergebnisse betreffen Diagnostik und Forschung. Sie rechtfertigen keine Selbstmedikation und ersetzen die ärztliche Beurteilung nicht.

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Ein PLP-Wert allein sagt wenig. Sein Sinn ergibt sich erst im Zusammenspiel mit CRP und Entzündungswerten, der alkalischen Phosphatase, Vitamin B12 und den übrigen Vitaminwerten, Ihren Nierenwerten, Ihren Medikamenten – und Ihren Nahrungsergänzungsmitteln.

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Häufige Fragen

Was ist Vitamin B6? Ein wasserlösliches Vitamin, das drei natürliche Formen umfasst: Pyridoxin, Pyridoxal und Pyridoxamin. Die Leber wandelt sie in Pyridoxal-5-Phosphat (PLP) um, das als Coenzym für über 160 Reaktionen im Aminosäure-, Kohlenhydrat- und Neurotransmitterstoffwechsel arbeitet.10

Was ist der Normalwert für Vitamin B6? Deutsche Labore geben unterschiedliche Bereiche an: 5–30 µg/l (Universitätsmedizin Rostock) oder 5,7–55,1 µg/l (Medizinische Laboratorien Düsseldorf), umgerechnet etwa 20–121 bzw. 23–223 nmol/l. Maßgeblich ist der Referenzbereich auf Ihrem Befund.

Welche Symptome hat ein Vitamin-B6-Mangel? Hautveränderungen (seborrhoische Dermatitis, Blepharokonjunktivitis), periphere Neuritiden mit Kribbeln und Taubheitsgefühl, eine hypochrome Anämie, eine Hyperoxalurie mit Nierensteinen und – bei ausgeprägtem Mangel – zerebrale Krämpfe. Ein reiner B6-Mangel ist allerdings selten und meist mit anderen Vitaminmängeln kombiniert.

Ab wann ist Vitamin B6 zu hoch? Die EFSA hat 2023 die tolerierbare Gesamtaufnahme für Erwachsene auf 12 mg pro Tag festgelegt, das BfR schlägt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 0,9 mg pro Tagesverzehrempfehlung vor.2 In der Arzneimittel-Fachinformation wurden bei langfristigen Tagesdosen über 50 mg periphere sensorische Neuropathien beobachtet.1

Was passiert bei einer Vitamin-B6-Überdosierung? Eine sensorische Polyneuropathie: Kribbeln, Taubheit, gestörtes Berührungsempfinden, gelegentlich Gangunsicherheit (Ataxie).1 Die deutsche Polyneuropathie-Leitlinie führt die Vitamin-B6-Überdosierung ausdrücklich als Ursache einer erworbenen Small-Fiber-Neuropathie.5 Sprechen Sie Ihre Präparate ärztlich durch, bevor Sie etwas ändern.

Ist ein niedriger Vitamin-B6-Wert immer ein Mangel? Nein. Entzündung senkt das PLP unabhängig von der Zufuhr – in einer großen Kohorte lag es im höchsten Entzündungsdrittel bei 61 statt 80 nmol/l.6 Ein niedriger Wert bei erhöhtem CRP muss deshalb im Zusammenhang gelesen werden.

Muss man für die Vitamin-B6-Bestimmung nüchtern sein? Das handhaben deutsche Labore unterschiedlich: Rostock verlangt eine morgendliche Nüchternblutentnahme,4 Düsseldorf nennt keine solche Auflage.3 Richten Sie sich nach Ihrem Labor. Einig sind sich alle: Die Probe muss lichtgeschützt und gekühlt transportiert werden.

Was hat Vitamin B6 mit der alkalischen Phosphatase zu tun? Die alkalische Phosphatase spaltet PLP. Bei dauerhaft niedriger AP – etwa bei einer Hypophosphatasie – steigt das PLP deshalb an,9 und deutsche Labore empfehlen die PLP-Bestimmung genau zu dieser Abklärung.8 Vitamin-B6-Präparate können dieses Ergebnis verfälschen.

Bedeutet ein auffälliger Vitamin-B6-Wert Krebs? Nein. Vitamin B6 ist kein Tumormarker. Ein auffälliger Wert weist auf Ernährung, Medikamente, Entzündung oder Nahrungsergänzungsmittel hin.

Das Wichtigste in Kürze

Vitamin B6 wird als Pyridoxal-5-Phosphat (PLP) im lichtgeschützten, gekühlten EDTA-Blut bestimmt; deutsche Labore nennen Bereiche wie 5–30 µg/l oder 5,7–55,1 µg/l, und es zählt der Bereich auf Ihrem Befund. Drei Sätze sollten Sie mitnehmen. Erstens: Ein reiner Mangel ist selten – die realen Kontexte sind Alkohol, Malabsorption, Dialyse und bestimmte Medikamente. Zweitens: Zu viel ist das häufigere Problem. Die EFSA hat die tolerierbare Aufnahme 2023 auf 12 mg/Tag halbiert, das BfR schlägt 0,9 mg für Nahrungsergänzungsmittel vor,2 und die deutsche Leitlinie hält fest, dass Über- wie Unterversorgung dieselbe Polyneuropathie erzeugen können.5 Drittens: Ein niedriger Wert ist nicht gleich Mangel – Entzündung senkt das PLP, weshalb der CRP-Wert danebengehört. Kein Laborwert steht für sich; es zählt das Gesamtbild aus Vitaminwerten, Entzündungswerten, Nierenwerten und Vorgeschichte. Dabei hilft AI DiagMe, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

Deutsche Fachinstitutionen, Leitlinien, Laborangaben und wissenschaftliche Publikationen (PubMed):

Footnotes

  1. Fachinformation Vitamin B6 20 mg JENAPHARM® (Pyridoxinhydrochlorid), Stand Juli 2021 — Abschnitte 4.4 Warnhinweise, 4.5 Wechselwirkungen, 4.8 Nebenwirkungen und 4.9 Überdosierung; Nebenwirkungsmeldung an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Bonn. fachinfo.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

  2. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) — Aktualisierung (2024): Höchstmengenvorschläge für Vitamin B6 in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln. Stellungnahme Nr. 008/2024 vom 22. Februar 2024. bfr.bund.de 2 3 4 5 6

  3. Medizinische Laboratorien Düsseldorf — Vitamin B6 (Pyridoxalphosphat), Leistungsverzeichnis. labor-duesseldorf.de 2 3 4

  4. Universitätsmedizin Rostock, Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin — Vitamin B6 (als Pyridoxalphosphat), Laborkatalog, Stand 21.04.2026. ilab.med.uni-rostock.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

  5. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) — Diagnostik bei Polyneuropathien, S1-Leitlinie, AWMF-Registernummer 030/067, Version 6.1, vollständig überarbeitet am 01.04.2024, gültig bis 31.03.2029. awmf.org · PDF (DGN) 2 3 4 5 6 7 8 9

  6. Sakakeeny L, Roubenoff R, Obin M, et al. Plasma pyridoxal-5-phosphate is inversely associated with systemic markers of inflammation in a population of U.S. adults. J Nutr, 2012. PubMed · DOI 2 3

  7. Minović I, Kieneker LM, Gansevoort RT, et al. Vitamin B6, Inflammation, and Cardiovascular Outcome in a Population-Based Cohort: The Prevention of Renal and Vascular End-Stage Disease (PREVEND) Study. Nutrients, 2020. PubMed · DOI 2

  8. MVZ Dr. Eberhard & Partner Dortmund — Alkalische Phosphatase, Untersuchungsprogramm (Hinweis zur Hypophosphatasie-Abklärung mit Vitamin B6/PLP). medizin-zentrum-dortmund.de 2 3 4

  9. Iqbal SJ, Brain A, Reynolds TM, Penny M, Holland S. Relationship between serum alkaline phosphatase and pyridoxal-5'-phosphate levels in hypophosphatasia. Clin Sci (Lond), 1998. PubMed 2 3

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  11. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) — Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Vitamin B6 (D-A-CH 2019). dge.de

  12. van Hunsel F, Scholl J, Vrolijk M, Ekhart C. Impact of Regulatory Action on Dose Maximalization for Vitamin B6 Dietary Supplements on the Reporting Pattern for Neuropathy. Pharmacoepidemiol Drug Saf, 2025. PubMed · DOI

  13. Hadtstein F, Vrolijk M. Vitamin B-6-Induced Neuropathy: Exploring the Mechanisms of Pyridoxine Toxicity. Adv Nutr, 2021. PubMed · DOI

  14. Muhamad R, Akrivaki A, Papagiannopoulou G, et al. The Role of Vitamin B6 in Peripheral Neuropathy: A Systematic Review. Nutrients, 2023. PubMed · DOI

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