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Kalium erhöht: Ursachen und ab wann es zählt

Ein erhöhter Kaliumwert stammt oft aus dem Röhrchen: Hämolyse macht 40–70 % der unbrauchbaren Proben aus. Ursachen, die Grenze 6,0 mmol/l, Kontrolle.

Veröffentlicht am 27. August 202612 Min. LesezeitVerfasst vom Blood Analysis Team · Geprüft und freigegeben von Julien Priour

Auf Ihrem Befund steht ein Kaliumwert über dem oberen Referenzwert Ihres Labors, und Sie möchten wissen, ob das gefährlich ist. Der wichtigste Satz zuerst, und er ist beruhigend: Bei einer Routineblutentnahme ist die häufigste Ursache für „Kalium erhöht" keine Krankheit, sondern das Röhrchen. Kalium sitzt fast vollständig in den Zellen; es genügt, dass bei der Entnahme ein Teil der roten Blutkörperchen zerplatzt, und die Zahl steigt, obwohl in Ihrem Kreislauf alles normal ist. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) empfiehlt deshalb ausdrücklich, bei einem unerwartet hohen Wert zuerst eine Kontrollentnahme zu veranlassen, bevor überhaupt von einer Hyperkaliämie gesprochen wird.1

Diese Seite zeigt, woran Sie eine solche Fehlmessung erkennen, welche echten Ursachen es gibt – nach tatsächlicher Häufigkeit geordnet –, ab welchem Wert Sie noch heute ärztlichen Kontakt suchen sollten, und was danach passiert.

Zuerst: Ist der Wert überhaupt auffällig?

Es gibt keine allgemeingültige Definition der Hyperkaliämie. Die internationale KDIGO-Konferenz sagt das wörtlich: gebräuchlich ist die Grenze 5,5 mmol/l, aber sie schwankt von Labor zu Labor – und sie hängt davon ab, ob aus Serum oder aus Plasma gemessen wurde, wobei Serumwerte in der Regel höher ausfallen.2 Deutsche Quellen ziehen die Linie sogar noch anders: Die AkdÄ stuft bereits ab 5,0 mmol/l ein und unterteilt in mild 5,0–5,4, mittelschwer 5,5–5,9, schwer 6,0–6,4 und lebensbedrohlich über 6,5 mmol/l.1

Wie groß der Materialeffekt ist, hat die deutsche Laboratoriumsmedizin quantifiziert: Zwischen Serum und Heparinplasma derselben Person können die Kaliumkonzentrationen um mehr als 1,0 mmol/l abweichen, in Einzelfällen um deutlich mehr als 1,5 mmol/l – ein Unterschied, der allein über „normal" oder „erhöht" entscheidet. Deshalb wird für Kalium grundsätzlich Plasma oder Vollblut empfohlen.3

Die praktische Folge: Vergleichen Sie Ihre Zahl mit dem Referenzbereich auf Ihrem eigenen Befund. Ein Wert knapp über der Grenze ist keine Diagnose, sondern ein Anlass zur Kontrolle.

Was Kalium überhaupt ist, wie die Normalwerte zustande kommen und wie die Gegenrichtung – der zu niedrige Wert – aussieht, steht in der Hauptseite Kalium. Kalium gehört zu den Elektrolyten und wird nie ohne die Nierenwerte und ohne Ihre Medikamentenliste gelesen.4

Die erste Ursache ist die Blutentnahme selbst

Fachlich heißt das Pseudohyperkaliämie: Das Kalium im Röhrchen ist hoch, das in Ihrem Kreislauf nicht.5 Das ist keine Laborkuriosität, sondern ein Massenphänomen. Hämolytische Proben – solche mit zerplatzten roten Blutkörperchen – machen bis zu 3,3 % aller Routineproben und 40 bis 70 % aller unbrauchbaren Proben aus, fast fünfmal so viel wie alle anderen Ablehnungsgründe zusammen.6 Und Kalium ist der Wert, der darunter am stärksten leidet.

Die Auslöser sind sämtlich präanalytisch, also an Entnahme und Transport gebunden – nie an Ihren Körper:

  • Hämolyse bei schwieriger Punktion, dünner Vene oder zu starkem Sog. Deutsche Labore führen Kalium ausdrücklich unter den durch Hämolyse verfälschten Werten und verlangen hämolysefreies Material.7 Ob wirklich im Körper Blutkörperchen zerfallen sind, klärt das Haptoglobin – bei einer Fehlmessung im Röhrchen ist es normal.
  • Faustschluss und „Pumpen". Wiederholtes Öffnen und Schließen der Faust presst Kalium aus der Unterarmmuskulatur. Deutsche Labore raten deshalb ausdrücklich: kein Pumpen.7
  • Die Staubinde – aber anders, als meist erzählt wird. Die verbreitete Erklärung lautet, langes Stauen „konzentriere" das Kalium. Gemessen stimmt das nicht: Unter standardisierter einminütiger Stauung sinkt der Kaliumwert um 2,8 %, nach drei Minuten um 4,8 %.8 Die Staubinde zählt aus einem anderen Grund. Sie verhindert das Auswaschen des Kaliums, das der arbeitende Unterarmmuskel gerade freisetzt – Faustschluss und angelegte Binde wirken erst zusammen.5 Deutsche Empfehlungen bleiben deshalb richtig: höchstens eine Minute stauen, besser 30 Sekunden, und die Binde lösen, sobald das Blut fließt.7
  • Standzeit und Kälte. Bleibt das Röhrchen zu lange ungetrennt stehen, wandert Kalium aus den Zellen nach außen; Serum oder Plasma sollen innerhalb von ein bis zwei Stunden von den Zellen getrennt werden.35 Auch Kühlung und Rohrpost gehören zu den bekannten Störfaktoren.5
  • Sehr hohe Zellzahlen. Eine ausgeprägte Vermehrung von Thrombozyten oder Leukozyten setzt beim Gerinnen im Röhrchen Kalium frei.5 Werfen Sie deshalb einen Blick auf das große Blutbild vom selben Tag: Sind dort die Zellzahlen stark erhöht, klärt erst die Messung aus Heparinplasma den echten Wert.

Was Sie tun können: Fragen Sie in der Praxis, ob die Probe als hämolytisch gekennzeichnet war und ob eine Kontrollentnahme sinnvoll ist. Genau das empfiehlt die AkdÄ bei jedem unerwartet hohen Wert.1 Wie eine Entnahme abläuft und welche Röhrchen wofür gedacht sind, steht unter Blutabnahme und Blutröhrchen.

Die echten Ursachen – von häufig nach selten

Ist der Wert auf einer sauberen Probe bestätigt, denkt die Ärztin oder der Arzt in dieser Reihenfolge:

1. Die Nierenfunktion. Die Niere ist der Hauptregler des Kaliums. Lässt ihre Leistung nach, wird weniger ausgeschieden – das ist der wichtigste Risikofaktor überhaupt.21 Deshalb stehen neben dem Kaliumwert immer Kreatinin und die eGFR, oft Harnstoff, manchmal Cystatin C und das Albumin im Urin.4

2. Medikamente – sehr oft die eigentliche Erklärung. Der erste Blick gehört Ihrem Medikationsplan. Die AkdÄ nennt als Auslöser ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten (Sartane), NSAR und COX-2-Hemmer, Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten wie Spironolacton und Eplerenon, kaliumsparende Diuretika, Trimethoprim, Heparin und Betablocker; allein ACE-Hemmer sind für 10–38 % der Hyperkaliämien bei stationären Patienten mitverantwortlich.1

Drei deutsche Konkretisierungen, die selten irgendwo stehen:

  • Die deutsche S3-Leitlinie zur chronischen Nierenkrankheit empfiehlt, eine RAAS-Blockade bei einem Ausgangskalium über 5,0 mmol/l gar nicht erst zu beginnen und ACE-Hemmer und Sartan nicht zu kombinieren; nach Beginn oder Dosiserhöhung soll ein bis zwei Wochen später kontrolliert werden.4
  • Das BfArM hat die Doppelblockade formal geregelt: Die Kombination aus ACE-Hemmern, Sartanen und dem Renin-Hemmer Aliskiren wird nicht empfohlen und ist bei Diabetes sowie bei einer eGFR unter 60 ml/min/1,73 m² kontraindiziert – ausdrücklich wegen Hyperkaliämie und akutem Nierenversagen.9
  • Die deutsche Fachinformation von Spironolacton führt eine Hyperkaliämie über 5,0 mmol/l bei Behandlungsbeginn als Gegenanzeige; empfohlen wird eine Kalium- und Kreatininkontrolle eine Woche nach Beginn oder Dosiserhöhung.10

Beim Trimethoprim ist die Größenordnung eindrücklich: Bei älteren Menschen unter Spironolacton war eine Verordnung von Trimethoprim-Sulfamethoxazol – gegenüber Amoxicillin – mit einem adjustierten Odds Ratio von 12,4 für eine Krankenhausaufnahme wegen Hyperkaliämie innerhalb von 14 Tagen verbunden.11 Zu den NSAR hat die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) eine eigene Negativempfehlung formuliert: Sie sollen bei Bluthochdruck oder chronischer Nierenkrankheit nicht regelmäßig eingesetzt werden – aus Sicht der Fachgesellschaft ein großes Problem mit hoher Dunkelziffer, weil viele dieser Mittel rezeptfrei sind.12

⚠️ Setzen Sie deswegen niemals eigenmächtig etwas ab. ACE-Hemmer, Sartane und Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten schützen Herz und Niere; die Abwägung trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

3. Diabetes und Herzinsuffizienz. Beide zählen zu den Begleiterkrankungen, die das Risiko deutlich erhöhen.2 Beim Diabetes wirken zwei Mechanismen zusammen: ein Aldosteronmangel und der Insulinmangel – Insulin schleust Kalium in die Zellen. Deshalb gehören Blutzucker und HbA1c dazu. Im DMP-Modul Herzinsuffizienz sollen Kreatinin, eGFR, Natrium und Kalium mindestens einmal jährlich bestimmt werden.4

4. Massiver Zellzerfall. Muskelzerfall (Rhabdomyolyse), großflächige Verbrennungen, schwere Verletzungen oder ein Tumorlysesyndrom unter Krebstherapie setzen schlagartig Kalium frei.21 Das ist ein Krankenhaus-Kontext, kein Zufallsbefund; der CK-Wert ist dann stark erhöht.

5. Die Nebenniere – seltener als ihr Ruf. Ein Mangel an Aldosteron führt tatsächlich zu Hyperkaliämie. Aber in einer Klinikserie mit 112 Episoden von Hypoaldosteronismus gingen nur 5 % auf eine primäre Nebennierenrindeninsuffizienz zurück; fast alle Fälle waren erworben und isoliert, bei alten Menschen (medianes Alter 77 Jahre) mit einem mittleren Kalium von 5,4 mmol/l.13 Cortisol und Aldosteron werden deshalb nur bestimmt, wenn das übrige Bild dorthin weist.

Wann Sie nicht abwarten sollten

Die entscheidende Zahl ist 6,0 mmol/l – nicht 6,5. Ab diesem Wert empfiehlt die KDIGO-Konferenz Herzrhythmusüberwachung und ein 12-Kanal-EKG; ein Kaliumwert ab 6,0 mmol/l gehört noch am selben Tag in ärztliche Hände.2 Die 6,5 mmol/l sind eine andere Grenze: Ab dort wird in der Notfallmedizin Calcium intravenös gegeben, und deutsche Zentrallabore melden solche Werte als Alarmwert telefonisch an die Praxis.214

Steht auf Ihrem Befund 5,2, 5,4 oder 5,6 mmol/l, sind Sie nicht in dieser Lage. Das ist die sehr häufige Situation einer leichten Erhöhung, die zuerst kontrolliert wird – nicht behandelt.

Unabhängig von der Zahl zeitnah abklären lassen sollten Sie:

  • Muskelschwäche, die an den Beinen beginnt und aufsteigt;
  • Kribbeln, Missempfindungen oder Muskelzucken in den Gliedmaßen;
  • Herzstolpern, einen auffällig langsamen Puls oder Schwindel.

Diese Zeichen sind selten, und viele Menschen mit Hyperkaliämie haben gar keine Beschwerden.12 Ihr Fehlen beweist also nichts – entscheidend ist der bestätigte Wert.

Was Ihre Ärztin oder Ihr Arzt als Nächstes tut

Eine Kontrollentnahme unter guten Bedingungen. Das ist der erste Schritt, und die AkdÄ nennt ihn ausdrücklich, bevor überhaupt von Hyperkaliämie gesprochen wird.1 Praktisch heißt das: kurz stauen, nicht mit der Faust pumpen, Probe zügig ins Labor, Messung möglichst aus Heparinplasma.73

Ein EKG – aber nicht zur Diagnose. Eine Querschnittsstudie an 1 608 Notaufnahme-Patienten von 2025 hat die EKG-Beurteilung geprüft: Sensitivität 0,39 bis 0,47 je nach befundendem Kardiologen, AUC 0,61 bis 0,63. Das EKG taugt weder zum Bestätigen noch zum Ausschließen einer Hyperkaliämie.15 KDIGO bestätigt das: Bis zur Hälfte der Betroffenen hat ein normales EKG, auch bei extremen Werten.2 Selbst die deutsche Fachinformation von Spironolacton formuliert es nüchtern: Hyperkaliämie führe „nicht unbedingt zu Anomalien im EKG".10 Das EKG misst die Auswirkung aufs Herz – es ersetzt die Messung nicht.

Nierenwerte und Elektrolyte im Zusammenhang, also Kreatinin und eGFR, Natrium, Chlorid und Bikarbonat für den Säure-Basen-Status.4

Eine Durchsicht Ihrer Medikamente, Medikationsplan in der Hand – einschließlich der rezeptfreien: Ibuprofen und Diclofenac aus der Selbstmedikation, Nahrungsergänzungsmittel, Diätsalz.112 Bei dauerhafter Hyperkaliämie unter herz- und nierenschützender Therapie gibt es heute Kaliumbinder, mit denen die Medikamente weitergegeben werden können, statt sie abzusetzen – dazu mehr auf der Seite Kalium.1

Was ein erhöhter Kaliumwert NICHT bedeutet

Es liegt nicht an Ihrer Ernährung. Das ist der verbreitetste Irrtum. Bei funktionierenden Nieren reicht eine hohe Zufuhr nicht aus, um eine Hyperkaliämie auszulösen – die gesunde Niere hat große Reserven bei der Ausscheidung.2 Bananen sind nicht Ihr Problem. Etwas anderes sind kaliumangereicherte Kochsalzersatzprodukte: Das IQWiG warnt ausdrücklich, bei sogenanntem Diätsalz sei Vorsicht geboten, denn es enthalte zwar wenig Natrium, aber erhebliche Mengen Kalium.16 Dasselbe gilt für Kaliumpräparate. Eine Ernährungsumstellung ist nur bei fortgeschrittener Nierenkrankheit sinnvoll – und dann nach ärztlicher Absprache.216

Es ist kein Krebszeichen. Kalium ist kein Tumormarker. Ein hoher Wert kann während einer Krebstherapie durch massiven Zellzerfall entstehen – das ist eine Situation unter Behandlung, nicht ein Befund aus der Vorsorge.

Es beweist keine Niereninsuffizienz. Die Niere ist die erste Spur, nicht die Schlussfolgerung. Erst Kreatinin und eGFR entscheiden das.

Es ist nichts, was Sie selbst korrigieren. Weder durch eigenmächtiges Absetzen eines ACE-Hemmers oder Spironolactons noch durch Verzicht auf Obst.

Sollten Sie den Wert wiederholen lassen – und wann?

Bei den allermeisten leichten Erhöhungen: ja, und zwar vor jeder weiteren Schlussfolgerung.12 Den Zeitpunkt legt Ihre Praxis fest. Drei Anhaltspunkte:

  • Ab 6,0 mmol/l ist keine Kontrolle „in zwei Wochen" angezeigt, sondern sofortiger ärztlicher Kontakt.2
  • Leichte Erhöhung ohne Beschwerden bei verdächtiger Probe – schwierige Punktion, als hämolytisch gekennzeichnet, bekannte Thrombozytose: zeitnahe Kontrolle unter guten Bedingungen, bevor irgendetwas behandelt wird.15
  • Neu begonnenes oder erhöhtes Medikament (ACE-Hemmer, Sartan, Spironolacton): Die Kontrolle nach ein bis zwei Wochen ist ohnehin Teil der regulären Überwachung.410

Und noch ein Hinweis, der oft übersehen wird: Deutsche Labore melden kritische Kaliumwerte – am Zentrallabor Gießen über 6,5 mmol/ltelefonisch an die anfordernde Praxis.14 Wenn Sie niemand angerufen hat, ist auch das eine Information.

Lassen Sie Ihren Kaliumwert im Zusammenhang deuten

Ein erhöhter Kaliumwert lässt sich nie allein lesen: Er hängt an Ihrer Nierenfunktion, Ihrem Medikationsplan, Ihrem Blutbild und daran, wie das Blut abgenommen wurde. Genau dieser Abgleich trennt den Fehlalarm vom echten Befund.

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Häufige Fragen

Ab welchem Kaliumwert wird es gefährlich? Eine allgemeingültige Grenze gibt es nicht: gebräuchlich sind 5,5 mmol/l, deutsche Quellen setzen schon bei 5,0 mmol/l an, und Serum- und Plasmawerte unterscheiden sich.213 Der praktisch wichtige Merkwert ist 6,0 mmol/l: Ab dort werden EKG und Rhythmusüberwachung empfohlen und ärztlicher Kontakt ist dringend. Über 6,5 mmol/l gilt der Wert als lebensbedrohlich und wird notfallmäßig behandelt.21

Mein Kalium liegt bei 5,4 – ist das schlimm? Nach der AkdÄ-Einteilung eine milde Erhöhung.1 Sehr oft steckt die Blutentnahme oder ein Medikament dahinter. Der richtige nächste Schritt ist eine Kontrolle, keine Behandlung und keine Ernährungsumstellung auf eigene Faust.

Welche Symptome hat ein zu hoher Kaliumwert? Meist keine.12 Wenn Beschwerden auftreten, sind es aufsteigende Muskelschwäche, Kribbeln, Muskelzucken, Übelkeit oder Herzstolpern. Beurteilen Sie den Wert nie danach, ob Sie sich gut fühlen.

Machen Bananen den Kaliumwert hoch? Bei gesunden Nieren nein – die Niere scheidet mühelos mehr aus, als über die Nahrung ankommt.2 Anders bei Diätsalz und Kaliumpräparaten: Das IQWiG warnt, Diätsalz enthalte erhebliche Mengen Kalium.16 Riskant wird das bei eingeschränkter Nierenfunktion oder unter kaliumerhöhenden Medikamenten.

Welche Medikamente erhöhen das Kalium? ACE-Hemmer, Sartane, Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten wie Spironolacton, kaliumsparende Diuretika, NSAR, Betablocker, Heparin und Trimethoprim.1 Die Kombination Trimethoprim plus Spironolacton war bei älteren Menschen mit einem 12-fach erhöhten Risiko für eine Klinikaufnahme wegen Hyperkaliämie verbunden.11 Ändern Sie nie selbst etwas an Ihrer Medikation.

Woran erkenne ich eine falsch gemessene Hyperkaliämie? Drei Hinweise: Es geht Ihnen gut, die Punktion war schwierig oder langwierig, und Ihr Blutbild zeigt sehr viele Thrombozyten oder Leukozyten.5 Fragen Sie, ob die Probe als hämolytisch gekennzeichnet war. Sicherheit bringt nur die Kontrollentnahme, möglichst aus Heparinplasma.13

Ein normales EKG – ist dann alles in Ordnung? Nein. Bis zur Hälfte der Menschen mit Hyperkaliämie hat ein normales EKG, auch bei sehr hohen Werten, und die Sensitivität der EKG-Beurteilung liegt bei rund 0,4.215 Das EKG zeigt die Auswirkung auf das Herz; es ersetzt die Kaliummessung nicht.

Das Wichtigste in Kürze

Ein erhöhter Kaliumwert auf einem Routinebefund ist zuerst eine Frage der Blutentnahme: Hämolytische Proben stellen 40–70 % aller unbrauchbaren Proben,6 und Kalium ist der empfindlichste Wert darunter.5 Vergleichen Sie mit dem Referenzbereich auf Ihrem Befund, merken Sie sich 6,0 mmol/l als Grenze für sofortigen ärztlichen Kontakt,2 und wissen Sie, dass darunter die normale Reaktion die Kontrolle ist, nicht die Behandlung.1 Ist der Wert bestätigt, wird in dieser Reihenfolge gesucht: Nierenfunktion, Medikationsplan – sehr oft liegt es dort –, Diabetes und Herzinsuffizienz, und erst zuletzt die Nebenniere. Kein Laborwert steht für sich; dabei hilft AI DiagMe ergänzend zu Ihrer ärztlichen Betreuung.

Quellen

Deutsche Fachgesellschaften, Behörden und Universitätslabore sowie geprüfte PubMed-Quellen:

Footnotes

  1. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) — Hyperkaliämie im Praxisalltag. Arzneiverordnung in der Praxis (AVP), Ausgabe 1–2/2019 (Schweregrade mild 5,0–5,4 / mittelschwer 5,5–5,9 / schwer 6,0–6,4 / lebensbedrohlich > 6,5 mmol/l; zu lange Stauung als häufigste Fehlmessung und Empfehlung zur Kontrollentnahme; Medikamentenliste; ACE-Hemmer für 10–38 % der stationären Hyperkaliämien; meist beschwerdefrei; Kaliumbinder als ärztliche Option). akdae.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19

  2. Lindner G, Burdmann EA, Clase CM, et al. Acute hyperkalemia in the emergency department: a summary from a Kidney Disease: Improving Global Outcomes conference. Eur J Emerg Med, 2020;27(5):329–337 (keine allgemeingültige Definition, gebräuchlich ≥ 5,5 mmol/l, Serum höher als Plasma; Rhythmusüberwachung und 12-Kanal-EKG ab > 6,0 mmol/l, intravenöses Calcium ab > 6,5 mmol/l; bis zur Hälfte der Betroffenen mit normalem EKG; erhöhte Zufuhr allein löst bei gesunder Niere keine Hyperkaliämie aus; Nierenfunktion, Diabetes und Herzinsuffizienz als Risikofaktoren; Bestätigung des Wertes empfohlen). PubMed · DOI 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18

  3. Nauck M. — Bedeutung der Präanalytik für eine zuverlässige Glukose- und Kaliummessung: Dichtung und Wahrheit. Diabetes, Stoffwechsel und Herz 2026;35(2):106–113 (Serum-Plasma-Differenz beim Kalium teils über 1,0 und deutlich über 1,5 mmol/l; Empfehlung, Kalium aus Heparinplasma oder Vollblut zu bestimmen; Trennung von den Zellen innerhalb von 1–2 Stunden; hämolytische Proben nicht verwenden; Bezug auf die Arbeitsgruppe Präanalytik der DGKL). diabetologie-online.de 2 3 4 5

  4. DEGAM / Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) u. a. — S3-Leitlinie: Versorgung von Patient*innen mit chronischer, nicht-nierenersatztherapiepflichtiger Nierenkrankheit in der Hausarztpraxis, AWMF-Register-Nr. 053-048, Version 2.0, Stand 06/2024 (kein RAAS-Blocker-Beginn bei Kalium > 5,0 mmol/l; keine Kombination ACE-Hemmer + Sartan; Kontrolle 1–2 Wochen nach Beginn oder Dosiserhöhung; DMP Herzinsuffizienz mindestens jährlich Kreatinin, eGFR, Natrium, Kalium). register.awmf.org 2 3 4 5 6

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  7. MVZ Medizinische Laboratorien Düsseldorf — Präanalytische Kurzübersicht: Tipps und Hinweise, Ausgabe 2022 (Stauung maximal eine Minute, besser 30 Sekunden; kein „Pumpen" mit der Faust; Kalium unter den durch Hämolyse verfälschten Werten). labor-duesseldorf.de 2 3 4

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  9. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) — Renin-Angiotensin-(Aldosteron-)System (RAS/RAAS) beeinflussende Arzneimittel: Umsetzung des Durchführungsbeschlusses der EU-Kommission, 13.11.2014 (Kombination aus ACE-Hemmern, Sartanen und Aliskiren wird nicht empfohlen; kontraindiziert bei Diabetes und bei eGFR < 60 ml/min/1,73 m²; erhöhtes Risiko für Hypotonie, Hyperkaliämie und akutes Nierenversagen; häufige Kontrollen von Nierenwerten, Elektrolyten und Blutdruck). bfarm.de

  10. Fachinformation Spironolacton Accord 25 mg / 50 mg / 100 mg Filmtabletten, Stand Mai 2025 (Gegenanzeige: Hyperkaliämie mit Serumkalium > 5,0 mmol/l bei Behandlungsbeginn; Kontrolle von Kalium und Kreatinin eine Woche nach Beginn oder Dosiserhöhung; „Veränderungen im EKG können erste Anzeichen eines gestörten Kaliumhaushaltes sein, obwohl Hyperkaliämie nicht unbedingt zu Anomalien im EKG führt"). accord-healthcare.de 2 3

  11. Antoniou T, Gomes T, Mamdani MM, et al. Trimethoprim-sulfamethoxazole induced hyperkalaemia in elderly patients receiving spironolactone: nested case-control study. BMJ, 2011;343:d5228 (Ontario, 18 Jahre, 6 903 Krankenhausaufnahmen wegen Hyperkaliämie: adjustiertes Odds Ratio 12,4 [95 %-KI 7,1–21,6] gegenüber Amoxicillin; Nitrofurantoin 2,4; Norfloxacin nicht signifikant). PubMed · DOI 2

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  14. Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM), Institut für Klinische Chemie — Leistungsverzeichnis des Zentrallabores, Ausgabe 08/2024 (Referenzbereich Kalium 3,5–5,0 mmol/l in Serum/Heparinplasma, hämolysefreies Material; telefonische Alarmwertmeldung unter 2,8 und über 6,5 mmol/l). ukgm.de 2

  15. Ünlü L, Stephan FP, Riede FN, et al. Diagnostic accuracy of emergency department ECGs in hyperkalemia detection: A cross-sectional study. Eur J Intern Med, 2025;136:56–62 (1 608 Patientinnen und Patienten: Sensitivität 0,47 und 0,39, Spezifität 0,76 und 0,81, AUC 0,63 und 0,61 je nach Befunder — das EKG eignet sich weder zum Bestätigen noch zum Ausschließen einer Hyperkaliämie). PubMed · DOI 2

  16. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) — Ernährung und Bewegung bei einer chronischen Nierenkrankheit, gesundheitsinformation.de, Stand 14.08.2024 („Vorsicht ist bei sogenanntem Diätsalz geboten: Es enthält zwar wenig Natrium, aber erhebliche Mengen Kalium."). gesundheitsinformation.de 2 3

Medizinischer Hinweis. Dieser Ratgeber dient der Information und Aufklärung; er ist keine medizinische Beratung und ersetzt keinen Arztbesuch. Referenzwerte unterscheiden sich je nach Labor und Messverfahren: Nur Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Ihre Befunde in Ihrem persönlichen Zusammenhang beurteilen.