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MCHC zu niedrig: was der Wert bedeutet – und was nicht

Ein isoliert niedriges MCHC bei normalem Hämoglobin und MCV hat meist keinen Krankheitswert. Die echten Ursachen, die Messfehler – und was wirklich klärt.

Veröffentlicht am 27. August 202612 Min. LesezeitVerfasst vom Blood Analysis Team · Geprüft und freigegeben von Julien Priour

Auf Ihrem Blutbild ist eine einzige Zeile markiert: MCHC, knapp unter der unteren Grenze. Hämoglobin, MCV, Erythrozyten – alles andere steht im Referenzbereich. Das ist bei diesem Wert die mit Abstand häufigste Konstellation, und zugleich eine der beunruhigendsten, weil Ihnen vermutlich nie jemand erklärt hat, was das MCHC überhaupt ist.

Zwei Sätze genügen. Das MCHC (mittlere korpuskuläre Hämoglobinkonzentration) beschreibt, wie dicht das Hämoglobin im Inneren Ihrer roten Blutkörperchen gepackt ist; gemessen wird es nicht, sondern berechnet – Hämoglobin geteilt durch Hämatokrit, angegeben in g/dl.1 Ein niedriges MCHC heißt deshalb genau eine Sache: Ihre roten Blutkörperchen sind im Durchschnitt etwas blasser als üblich – Fachleute nennen das Hypochromie.

Diese Seite geht von Ihrem Befund aus und beantwortet die Fragen, die Sie jetzt haben: Ist der Wert wirklich auffällig, was steckt in der Praxis dahinter, wie geht es weiter. Für den Index selbst – Definition, Normalwerte, die erhöhte Variante – ist MCH-Wert und MCHC die Grundlagenseite.

Zuerst: Ist der Wert überhaupt auffällig?

Ein isoliert niedriges MCHC hat meist keine klinische Bedeutung

Das gleich vorweg, weil es die Mehrheit der Fälle betrifft: Ein leicht erniedrigtes MCHC bei normalem Hämoglobin und normalem MCV-Wert bedeutet in der Regel keine Krankheit.

Der Grund ist rechnerischer Natur. Das MCHC bewegt sich physiologisch in einem außerordentlich engen Fenster – das IQWiG nennt für Erwachsene 33–36 g/dl, während der MCV-Wert zwischen 80 und 96 fl schwanken darf.1 Eine winzige Abweichung beim Hämoglobin oder beim Hämatokrit reicht daher aus, um den Quotienten aus dem Bereich zu kippen. Und weil das MCHC ein berechneter Wert ist, erbt es die Messungenauigkeiten beider Ausgangsgrößen.

Vor allem aber ist das MCHC der unempfindlichste der Hypochromie-Indizes. Wenn Eisen fehlt, gibt zuerst das MCH nach, lange bevor sich das MCHC bewegt: In einer Vergleichsstudie zu Eisenmangel-Markern lag das MCH mit einer Fläche unter der ROC-Kurve von 0,72 an der Spitze der Blutbild-Indizes – das MCHC dahinter.2 Das IQWiG sagt es für Patientinnen und Patienten noch deutlicher: Das MCHC kann „bei vielen Erkrankungen der Blutbildung trotzdem im Referenzbereich liegen“.1 Ein niedriges MCHC allein ist also ein später, unspezifischer Hinweis – und ein normales MCHC schließt einen Eisenmangel keineswegs aus.

Vergleichen Sie mit dem Bereich auf IHREM Befund

Referenzbereiche hängen vom Analysegerät und von der Bevölkerung ab, die das Labor untersucht. Gerade beim MCHC sollten Werte aus Lehrbüchern nicht ungeprüft übernommen werden.3 Ein Ergebnis von 31,8 g/dl kann in einem Labor markiert werden und in einem anderen unauffällig bleiben. Maßgeblich ist allein die Spanne, die neben Ihrer Zahl gedruckt ist – nicht die auf einer Website und nicht die eines älteren Befunds aus einem anderen Labor.

MCHC ist nicht MCH – die häufigste Verwechslung

Diese beiden Kürzel werden praktisch immer durcheinandergebracht, und der Unterschied verändert die Lesart:

  • Das MCH (mittleres korpuskuläres Hämoglobin, auf älteren Befunden HbE) ist eine Menge pro Zelle, in Pikogramm (pg).
  • Das MCHC ist dieselbe Menge, aber auf das Zellvolumen bezogen – eine Konzentration, in g/dl.1

Ein großes rotes Blutkörperchen kann viel Hämoglobin enthalten (hohes MCH) und trotzdem normal konzentriert sein: Es hat schlicht mehr Platz. Praktisch heißt das: Wenn Sie wissen wollen, ob ein Eisenmangel beginnt, ist das MCH die aussagekräftigere Zeile – nicht das MCHC.2

Technische Ursachen: das MCHC ist ein empfindlicher Rechenwert

Weil es berechnet wird, ist das MCHC der Blutbildparameter, der am stärksten auf Störungen von Abnahme, Transport und Messung reagiert. Eine hämatologische Übersichtsarbeit zu falschen Zählergebnissen beschreibt den Mechanismus: Jeder Fehler beim Hämoglobin, bei der Erythrozytenzahl oder beim Zellvolumen schlägt zwangsläufig auf die berechneten Indizes durch.4

Was das MCHC falsch nach unten drückt – fast immer, indem das Zellvolumen und damit der Hämatokrit zu hoch erscheint:

  • die Zeit bis zur Messung, der banalste Fall. Die roten Blutkörperchen ziehen im Röhrchen langsam Wasser. Eine Stabilitätsstudie fand einen relevanten Bias beim MCHC bereits nach 6 Stunden – allerdings nur bei 4 °C und 37 °C, nicht bei Raumtemperatur; nach 24 Stunden dann unter allen getesteten Bedingungen;5
  • ein stark erhöhter Blutzucker: Die Zellen quellen in der Verdünnungslösung des Automaten auf, das gemessene Volumen steigt, das MCHC fällt;4
  • ein Überschuss an Gerinnungshemmer im Röhrchen (zu wenig Blut eingefüllt) oder eine deutliche Abweichung des Natriums.4

Was es umgekehrt falsch nach oben treibt, ist eine ganz andere Familie: Kälteagglutinine (verklumpte Erythrozyten werden als eine Zelle gezählt), eine Hämolyse im Röhrchen, eine lipämische, also fetttrübe Probe.63 Das ist die Konstellation der Seite MCH und MCHC – für ein niedriges MCHC spielt sie keine Rolle.

Konkret: Wenn das MCHC der einzige auffällige Wert ist und die Probe vor der Analyse noch transportiert wurde, kommt die technische Erklärung vor der medizinischen.

Die Ursachen – von der häufigsten zur seltensten

Wenn die Absenkung echt ist, und besonders wenn zugleich der MCV-Wert niedrig ist, ist die Rangfolge gut belegt.

1. Eisenmangel – mit weitem Abstand die Nummer eins

Ohne Eisen produziert das Knochenmark weiter rote Blutkörperchen, aber schlecht befüllte: klein und blass. Die Onkopedia-Leitlinie der DGHO beschreibt die Eisenmangelanämie genau so – hypochrom (MCH unter 28 pg) und mikrozytär (MCV unter 80 fl) – und unterscheidet drei Stadien vom Speichereisenmangel bis zur manifesten Anämie.7

Die Auslöser sind alltäglich: starke Regelblutungen, Schwangerschaft, wiederholte Blutspenden, einseitige Ernährung – und, bei Männern wie bei Frauen nach der Menopause, eine unbemerkte Blutung im Magen-Darm-Trakt, nach der gesucht werden muss.

Geklärt wird das über das Ferritin: Werte unter 15 µg/l beweisen den Mangel, als praktikabler Grenzwert gelten heute 30 µg/l.7 Wie es dann weitergeht, steht auf Ferritin zu niedrig; die übrigen Eisenwerte und die Transferrinsättigung ergänzen das Bild.

2. Das Thalassämie-Merkmal – häufig, und häufig für Eisenmangel gehalten

Das ist die Ursache, die übersehen wird. Beim Thalassämie-Merkmal (Thalassaemia minor, heterozygote Anlageträgerschaft) sind die roten Blutkörperchen lebenslang klein und blass, ohne dass eine Krankheit vorliegt.

In Deutschland ist das keine Randerscheinung. In der deutschstämmigen Bevölkerung liegt die Prävalenz der heterozygoten β-Thalassämie bei geschätzt 0,01 % – durch Zuwanderung lebten aber bereits 2010 über 400.000 Trägerinnen und Träger einer Hämoglobinopathie im Land.8 Betroffen sind vor allem Menschen mit Wurzeln in der Türkei, im Mittelmeerraum, im Nahen und Mittleren Osten, auf dem indischen Subkontinent, in Südostasien und in Afrika, wo die Trägerhäufigkeit 5 bis 30 % erreicht.8 Für Deutschland werden 150.000 bis 200.000 weitgehend beschwerdefreie Anlageträger geschätzt.9

Das Problem ist nicht theoretisch: Wird das Merkmal für einen Eisenmangel gehalten, folgen wiederholte und nutzlose Eisenpräparate – manchmal über Jahre –, ohne dass sich die Indizes je bessern, weil es nichts zu bessern gibt.10

3. Chronische Entzündung – deutlich seltener als oft behauptet

Eine anhaltende Entzündung hält Eisen in den Fresszellen zurück und bremst die Blutbildung. Sie kann das MCHC senken – aber erst spät und selten. Übersichtsarbeiten zur Entzündungsanämie sind eindeutig: Diese ist überwiegend normochrom und normozytär, die Erythrozytenindizes bleiben also normal.11

Daraus folgt eine Aussage, die auf dieser Seite wichtiger ist als die Ursache selbst: Ein niedriges MCHC ist kein Argument für eine Entzündung. Dafür stehen der CRP-Wert und der klinische Zusammenhang – nicht diese Zeile im Blutbild.

4. Seltene Ursachen

Sideroblastische Anämien, Kupfermangel, eine Bleibelastung, andere Hämoglobinstörungen. Sie kommen erst zur Sprache, wenn die drei vorigen Punkte abgearbeitet sind.7

Eisenmangel oder Thalassämie: was die beiden im Blutbild trennt

Das ist die nützlichste Information dieser Seite, denn beide erzeugen dasselbe „MCHC niedrig plus MCV niedrig“ – und ein Blick auf zwei weitere Zahlen trennt sie oft schon.

Im BlutbildEisenmangelThalassämie-Merkmal
Zahl der Erythrozytenvermindertnormal oder erhöht
MCVniedrig, passend zur Anämiesehr niedrig, oft unverhältnismäßig
Anämieproportional zum Mangelfehlend oder mild, seit jeher stabil
Ferritinniedrignormal

Der entscheidende Gegensatz: Beim Eisenmangel bildet das Knochenmark weniger rote Blutkörperchen; bei der Thalassämie bildet es viele – nur eben kleine. Daher die erhaltene oder sogar erhöhte Erythrozytenzahl trotz stark gesunkenem MCV.

Genau das nutzen die Diskriminanzformeln der Labore, allen voran der Mentzer-Index (MCV geteilt durch die Erythrozytenzahl in Millionen/µl): Werte unter 13 sprechen für ein Thalassämie-Merkmal, Werte darüber für einen Eisenmangel.12 Keine dieser Formeln – auch der neuere CRUISE-Index nicht – ist hundertprozentig treffsicher; sie orientieren nur.13

Was wirklich entscheidet? Zwei Untersuchungen, in dieser Reihenfolge:

  1. das Ferritin, das den Eisenmangel bestätigt oder ausschließt;7
  2. bei normalem Ferritin die Hämoglobin-Analyse (Elektrophorese oder HPLC) mit Bestimmung des HbA2: erhöht spricht sie für ein β-Thalassämie-Merkmal.8

Hier noch zwei Punkte, die häufig falsch weitergegeben werden.

Erstens: „Erst Eisen auffüllen, sonst ist das HbA2 maskiert.“ Diese Lehrmeinung hält sich hartnäckig – die größte Untersuchung dazu widerspricht ihr. Bei 752 obligaten Anlageträgern einer β-Thalassämie lag das mittlere HbA2 bei 5,4 %, und zwar bei den Eisenmangel-Trägern genauso wie bei den eisengesättigten; selbst ein sehr schwerer Eisenmangel störte die HbA2-gestützte Erkennung praktisch nicht.14 Die Onkopedia-Leitlinie rät weiterhin dazu, bei anhaltender Hypochromie das HbA2 nach Ausgleich des Eisenmangels zu kontrollieren, weil es gelegentlich erniedrigt sein kann.8 Praktisch heißt das: Die Hämoglobin-Analyse muss nicht aufgeschoben werden – ein erhöhtes HbA2 zählt auch bei bestehendem Eisenmangel, und nur ein grenzwertiges Ergebnis wird später nachkontrolliert.

Zweitens: Die α-Thalassämie zeigt ein normales HbA2. Eine unauffällige Hämoglobin-Analyse schließt ein Thalassämie-Merkmal deshalb nicht aus.10 Bleibt bei normalem Ferritin eine Mikrozytose oder Hypochromie trotz normaler Elektrophorese bestehen, sehen internationale Screening-Empfehlungen ausdrücklich weitere Schritte vor – einen speziell gefärbten Blutausstrich und gegebenenfalls eine DNA-Diagnostik.15

Wann Sie nicht warten sollten

Ein niedriges MCHC ist für sich genommen nie ein Notfall. Es zählen die Begleitzeichen:

  • ungewohnte Luftnot bei geringer Belastung, Herzrasen, Schwindel oder Kollapsneigung – Hinweise auf eine wirksame Anämie;
  • Blut im Stuhl, schwarzer, teerartiger Stuhl, Bluterbrechen;
  • plötzlich sehr starke oder verlängerte Regelblutungen;
  • ungeklärter Gewichtsverlust oder eine Erschöpfung, die sich innerhalb weniger Wochen deutlich verschlechtert.

Außerhalb dieser Situationen genügt ein regulärer Termin mit Ihrem Befund in der Hand.

Was Ihre Ärztin oder Ihr Arzt als Nächstes tut

Der Ablauf ist kurz und vorhersehbar:

  1. Der Blick geht auf das ganze Blutbild, nicht auf das MCHC allein: Hämoglobin, MCV, Erythrozytenzahl, Hämatokrit und Verteilungsbreite (RDW). Ist alles andere normal, endet die Geschichte sehr oft genau hier.
  2. Bei niedrigem MCV oder niedrigem Hämoglobin folgt das Ferritin, je nach Zusammenhang ergänzt um Transferrinsättigung und CRP.7
  3. Ist das Ferritin niedrig, wird zuerst die Ursache gesucht und dann behandelt – ein Eisenmangel ist immer ein Symptom, nie die vollständige Diagnose.7 Bei Männern und Frauen nach der Menopause gehört der Magen-Darm-Trakt abgeklärt.
  4. Ist das Ferritin normal bei langjähriger Mikrozytose, folgt die Hämoglobin-Analyse mit HbA2.8

Was ein niedriges MCHC NICHT bedeutet

  • Es ist kein Tumormarker. Das MCHC beschreibt den Hämoglobingehalt eines durchschnittlichen roten Blutkörperchens. Über diese Zeile wird keine Krebserkrankung entdeckt.
  • Es ist keine Anämie. Eine Anämie wird über das Hämoglobin definiert, nicht über das MCHC. Ein niedriges MCHC ohne jede Blutarmut ist häufig – und umgekehrt gibt es Anämien mit völlig normalem MCHC.
  • Es ist kein Entzündungszeichen. Die Entzündungsanämie ist meist normochrom und normozytär.11
  • Es ist nicht das MCH. Das MCH ist eine Menge pro Zelle (pg), das MCHC eine Konzentration (g/dl). Für einen beginnenden Eisenmangel ist das MCH der bessere Marker.2
  • Es ist kein Schweregrad. Außerhalb einer Anämie sagt nicht die Höhe der Abweichung etwas aus, sondern das, was daneben steht: MCV und Erythrozytenzahl.

Lassen Sie Ihr Blutbild im Zusammenhang einordnen

Ein MCHC liest man nie für sich: Erst das Zusammenspiel mit Hämoglobin, MCV-Wert und Ferritin ergibt einen Sinn.

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Muss der Wert kontrolliert werden – und wann?

Ist das MCHC der einzige auffällige Wert und geht es Ihnen gut: Es gibt keinen Grund, in derselben Woche erneut Blut abzunehmen. Kontrolliert wird beim nächsten regulären Blutbild oder nach etwa 3 Monaten, wenn die Tendenz interessiert. Achten Sie darauf, dass die Probe zügig analysiert wird – das erspart den Lagerungsartefakt.5 Nüchtern sein müssen Sie dafür nicht; die Hinweise zur Blutabnahme gelten unverändert.

Ist ein Eisenmangel bestätigt und behandelt: Die Indizes bessern sich langsam, weil eine ganze Generation roter Blutkörperchen erneuert werden muss. Das Hämoglobin steigt in 4 bis 8 Wochen, MCV und MCHC folgen und normalisieren sich meist in 2 bis 3 Monaten. Eine Kontrolle vor Ablauf eines Monats zeigt nichts Brauchbares. Die Retikulozyten dagegen reagieren binnen Tagen und belegen früh, dass die Therapie greift.16

Handelt es sich um ein Thalassämie-Merkmal: Nachkontrollen bringen nichts, die Werte bleiben lebenslang so. Wichtig wird dann nicht die Verlaufskontrolle, sondern die genetische Beratung bei Kinderwunsch – und der Verzicht auf Eisenpräparate, die niemandem helfen.8

Häufige Fragen

MCHC zu niedrig – ist das schlimm? Meistens nicht. Isoliert, bei normalem Hämoglobin und normalem MCV, hat der Befund in der Regel keine Konsequenz: Das MCHC schwankt in einem sehr engen Fenster und wird berechnet, nicht gemessen. Entscheidend ist der Rest des Blutbilds.

Welcher MCHC-Wert ist normal? Das IQWiG nennt für Erwachsene 33–36 g/dl; viele deutsche Labore geben etwa 32–36 g/dl an.1 Die Bereiche sind geräteabhängig – gültig ist die Spanne auf Ihrem eigenen Befund.

MCHC niedrig – heißt das, ich habe Eisenmangel? Nicht zwangsläufig, und als Suchtest taugt der Wert schlecht: Das MCHC fällt beim Eisenmangel erst spät. Die Frage beantwortet allein das Ferritin.7

Was ist der Unterschied zwischen MCHC und MCH? Das MCH ist die Menge Hämoglobin in einem roten Blutkörperchen (in pg), das MCHC dessen Konzentration, also die Menge bezogen auf das Zellvolumen (in g/dl). Zwei Blickwinkel auf dieselbe Frage: Sind die Zellen gut gefüllt?

MCHC und MCV zu niedrig – was bedeutet das? Zusammen mit einem niedrigen Hämoglobin ist das das Bild einer hypochromen, mikrozytären Anämie. Zu trennen sind vor allem Eisenmangel und Thalassämie-Merkmal – Erythrozytenzahl und Ferritin geben den Ausschlag.

Kann das MCHC niedrig sein, ohne dass eine Anämie vorliegt? Ja, sehr häufig. Das MCHC beschreibt die „Farbe“ der roten Blutkörperchen, nicht ihre Zahl und nicht die Gesamtmenge an Hämoglobin. Viele Menschen haben ein leicht niedriges MCHC bei völlig normalem Hämoglobin.

Muss ich für diesen Wert nüchtern sein? Nein. Das MCHC wird aus dem Blutbild berechnet, und dafür ist keine Nüchternheit nötig. Ein sehr hoher Blutzucker zum Abnahmezeitpunkt kann den Wert allerdings falsch nach unten verschieben.4

Quellen

Deutsche Fachgesellschaften, Leitlinien und Fachpublikationen sowie wissenschaftliche Arbeiten (PubMed), die für diese Seite ausgewertet wurden:

Footnotes

  1. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) — MCHC (Mittlere korpuskuläre Hämoglobin-Konzentration), Gesundheitsinformation.de, Stand 20.03.2025. Referenzbereich Erwachsene 33–36 g/dl; das MCHC kann bei vielen Erkrankungen der Blutbildung trotzdem im Referenzbereich liegen. gesundheitsinformation.de 2 3 4 5

  2. Krawiec P, Pac-Kożuchowska E. Biomarkers and Hematological Indices in the Diagnosis of Iron Deficiency in Children with Inflammatory Bowel Disease. Nutrients, 2020;12(5):1358. MCH als bester Blutbild-Index (AUC 0,720). PubMed · DOI 2 3

  3. Sysmex Deutschland GmbH — Die Erythrozytenindizes, Xtra Vol. 17.1 (2013), Nr. 04. Das MCHC ist ein enger, gerätespezifischer Wert und dient dem Labor als Kontrollparameter; Referenzwerte aus Lehrbüchern sollten nicht ungeprüft übernommen werden. sysmex.de 2

  4. Godon A, Genevieve F, Marteau-Tessier A, Zandecki M. [Automated hematology analysers and spurious counts. Part 3: haemoglobin, red blood cells, cell count and indices, reticulocytes]. Ann Biol Clin (Paris), 2012;70(2):155-68. PubMed · DOI 2 3 4

  5. Daves M, Zagler EM, Cemin R, et al. Sample stability for complete blood cell count using the Sysmex XN haematological analyser. Blood Transfus, 2015;13(4):576-82. Relevanter MCHC-Bias nach 6 Stunden bei 4 °C und 37 °C, nicht bei Raumtemperatur; nach 24 Stunden unter allen Bedingungen. PubMed · DOI 2

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  7. Hastka J, Metzgeroth G, Gattermann N — Eisenmangel und Eisenmangelanämie, Onkopedia-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO), Stand April 2025. Eisenmangelanämie: hypochrom (MCH < 28 pg), mikrozytär (MCV < 80 fl); Ferritin < 15 µg/l beweisend, praktikabler Grenzwert 30 µg/l. onkopedia.com 2 3 4 5 6 7

  8. Cario H, Alashkar F, Andres O, Hoferer A, Meisel R, Schmugge Liner M, Sillaber C, Wörmann B — Beta-Thalassämie, Onkopedia-Leitlinie der DGHO, Stand Juli 2025. Prävalenz der heterozygoten β-Thalassämie in der deutschstämmigen Bevölkerung ca. 0,01 %; bereits 2010 über 400.000 Träger einer Hämoglobinopathie in Deutschland; Trägerprävalenz 5–30 % in Mittelmeerraum, Nahem Osten, Südasien, Südostasien und Afrika; Diagnostik obligat mit Hämoglobin-Analyse (Elektrophorese, HPLC). onkopedia.com 2 3 4 5 6

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  14. Sharma P, Das R, Trehan A, et al. Impact of iron deficiency on hemoglobin A2% in obligate β-thalassemia heterozygotes. Int J Lab Hematol, 2015;37(1):105-11. 752 obligate Anlageträger; mittleres HbA2 5,4 % mit wie ohne Eisenmangel. PubMed · DOI

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Medizinischer Hinweis. Dieser Ratgeber dient der Information und Aufklärung; er ist keine medizinische Beratung und ersetzt keinen Arztbesuch. Referenzwerte unterscheiden sich je nach Labor und Messverfahren: Nur Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Ihre Befunde in Ihrem persönlichen Zusammenhang beurteilen.